Seit zehn Jahren erweitert Berlin seine Schulen mit Neubauten, Sanierungen und modularen Gebäuden. Gerade die Modularen Ergänzungsbauten sollten schnell zusätzliche Plätze schaffen. Eine neue Kostenübersicht des Senats zeigt nun, wie stark sich die Preise verändert haben.

Der Flur im neuen modularen Ergänzungsbau der Gustav-Falke-Grundschule in Berlin-Mitte ist mit Unterrichtsräumen und einem Aufzug ausgestattet.

Der neue Ergänzungsbau der Gustav-Falke-Grundschule bietet zusätzliche Unterrichts- und Lernräume. Ein Aufzug ermöglicht den barrierefreien Zugang zu den Etagen. / © Foto: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

© Titelbild: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

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119 Modulare Ergänzungsbauten gehören inzwischen zur Bilanz der Berliner Schulbauoffensive. Doch zwischen den ersten Gebäuden und den heutigen Projekten liegen nicht nur zehn Jahre, sondern teils mehrere Millionen Euro Kostenunterschied. Eine aktuelle Schriftliche Anfrage macht die Entwicklung erstmals anhand zahlreicher einzelner Standorte nachvollziehbar.

  • Projekt: Modulare Ergänzungsbauten im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive
  • Projektstatus: laufendes Bauprogramm; weitere MEB befinden sich im Bau oder sind geplant
  • Beginn der Schulbauoffensive: 2016
  • Bilanz zum Schuljahr 2026/2027: 119 errichtete Modulare Ergänzungsbauten

Als Berlin 2016 die Schulbauoffensive startete, gehörten modulare Gebäude zu den wichtigsten Instrumenten für einen schnellen Kapazitätsausbau. Insgesamt entstanden bis zum Schuljahresbeginn 2026/2027 nach Angaben des Landes 41 neue Schulgebäude und 119 MEB. Rund 62.000 zusätzliche Schulplätze wurden durch Neubau, Erweiterung und weitere Maßnahmen geschaffen. Mehr als sieben Milliarden Euro flossen seit 2016 insgesamt in den Berliner Schulbau.

Dabei sind die Kosten für einzelne Schulbau-Maßnahmen in den letzten Jahren quasi explodiert. Der MEB 12 der Zille-Grundschule in Friedrichshain-Kreuzberg kostete 2016 rund 3,01 Millionen Euro. Vergleichbare Gebäude desselben Typs lagen 2025 an der Grundschule an der Geißenweide bei 10,71 Millionen Euro und an der Beatrix-Potter-Grundschule bei 10,8 Millionen Euro. Für zwei MEB 12, die 2027 fertig werden sollen, nennt der Senat 10,83 beziehungsweise 11,1 Millionen Euro.

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MEB-Kosten in Berlin: Der Baustandard hat sich seit 2016 verändert

Auch andere Typen des Modularen Ergänzungsbaus zeigen den Kostensprung. Der MEB 22 der Tesla-Schule kostete 2018 rund 4,55 Millionen Euro. 2024 lagen die Kosten eines MEB 22 an der 39. Schule bei 15,55 Millionen Euro und am Tagore-Gymnasium bei 16 Millionen Euro. Für die Richard-Wagner-Schule nennt die aktuelle Übersicht bei geplanter Fertigstellung 2027 sogar 20,43 Millionen Euro.

Ein einfacher Preisvergleich greift allerdings zu kurz. Nach Angaben des Senats stiegen die Kosten zwischen 2016 und 2018 im Durchschnitt zunächst um rund 15 Prozent. Mit dem Vergabepaket von 2020 änderte Berlin dann das Musterraumprogramm. Die Gebäude erhielten unter anderem größere Stammgruppenräume, Belüftungsanlagen, Retentionsdächer mit extensiver Begrünung und eine Vorrüstung für Photovoltaik. Die MEB vor 2020 erfüllen laut Senat die Energieeinsparverordnung 2014, die Gebäude des Vergabepakets 2020 wurden auf dem Niveau des KfW-Effizienzhaus-55-Standards geplant und gebaut.

Holz-MEB: Berlin setzte ab 2021 auf eine weitere modulare Bauweise

Parallel führte Berlin Modulare Ergänzungsbauten aus Holz ein. Für insgesamt 32 Standorte schrieb das Land eine eigene Tranche aus; der Vertrag mit dem Generalunternehmen wurde 2020 geschlossen. Die ersten in der aktuellen Kostenübersicht aufgeführten Holz-MEB wurden 2021 fertig. Die Birken-Grundschule kostete 7,653 Millionen Euro, die Bernard-Grzimek-Schule 8,272 Millionen Euro. Bei späteren Projekten liegen die Werte meist um zehn Millionen Euro.

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Ein Beispiel steht an der Bouché-Schule in Treptow. Der Holz-MEB schafft 360 Plätze und kostete laut Senat 9,589 Millionen Euro. Die Bauarbeiten begannen im März 2023, im September 2024 übernahm die Schule das Gebäude. Der Neubau umfasst 16 Klassenräume, acht Teilungsräume und eine Mensa.

Schulbauoffensive geht weiter: Neue MEB kosten teils mehr als 17 Millionen Euro

Auch die jüngsten Projekte zeigen, dass die Modulbauweise längst nicht mehr für einfache Billigbauten steht. Der 2026 fertiggestellte MEB 22 der Gustav-Falke-Grundschule in Berlin-Mitte wird in der aktuellen Senatsübersicht mit 16,65 Millionen Euro geführt. Er verfügt über Lüftung und Photovoltaik und schafft laut Tabelle eine Kapazität von 360 Plätzen. Die Schule nutzt den Neubau seit Beginn des Schuljahres 2026/2027.

Der Senat widerspricht allerdings der Annahme, dass die Preissteigerungen generell über dem Baupreisindex liegen. Die Rahmenverträge mit den Generalunternehmen enthalten nach seiner Darstellung eine Anpassung anhand des jeweils gültigen Baupreisindex. Unterschiede zwischen Gebäuden desselben Typs erklärt das Land zudem mit den jeweiligen Grundstücken. Baugrund, Erschließung und andere Bedingungen können sich von Standort zu Standort deutlich unterscheiden. Alle MEB-Tranchen wurden EU-weit ausgeschrieben; für einen Großteil der Pakete erhielt Goldbeck Ost nach Angaben des Senats den Zuschlag, weil das Unternehmen jeweils das wirtschaftlichste Angebot abgegeben habe.

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Zille-Grundschule: MEB 12
Der 2016 fertiggestellte MEB 12 der Zille-Grundschule kostete laut Senat rund 3,01 Millionen Euro.
Bouché-Schule: Holz-MEB
Der Holz-MEB der Bouché-Schule schafft 360 Schulplätze. Die Kosten werden mit rund 9,59 Millionen Euro angegeben.
Beatrix-Potter-Grundschule: MEB 12
Der 2025 fertiggestellte MEB 12 der Beatrix-Potter-Grundschule kostete laut Senat 10,8 Millionen Euro.
Tagore-Gymnasium: MEB 22
Der 2024 fertiggestellte MEB 22 am Tagore-Gymnasium wird in der Senatsübersicht mit 16 Millionen Euro angegeben.
Gustav-Falke-Grundschule: MEB 22
Der 2026 fertiggestellte MEB 22 der Gustav-Falke-Grundschule wird in der aktuellen Senatsübersicht mit 16,65 Millionen Euro geführt.

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage 19/27104, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Berliner Schulbauoffensive, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bezirksamt Mitte, Bezirksamt Treptow-Köpenick

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2 Kommentare

  1. Max 28. September 2026 at 16:40 - Reply

    Ein Schulneubau in Bayern kostet bei aktuellen Realisierungsprojekten im Durchschnitt zwischen 50.000 Euro und über 100.000 Euro pro Schulplatz.

    Die Kosten für einen Schulplatz im Schulneubau in Berlin liegen aktuell bei kalkulatorischen Herstellungskosten von bis zu 135.000 Euro je Schulplatz laut neueren Berichten der Berliner Finanzverwaltung.

    Das muss die Berliner Luft sein.

  2. Ewald Karl 30. September 2026 at 17:02 - Reply

    Aha. In Bayern kostet ein Schulplatz zwischen A und B Euro, in Berlin bis zu C Euro.
    Schlau argumentiert.
    Wenn man allerdings recherchiert, kommt raus: Speziell die MEB in Berlin kosten durchschnittlich etwa 26600 Euro pro Platz. Und prominente Beispiele in Bayern kommen locker an die 120000 Euro pro Schulplatz ran. Die sind vor allem in Ballungsräumen. Hä, Ballungsräume, passt das nicht zu Berlin?
    Fassen wir die Fakten zu Ihrer Berlinbeschimpfung mal zusammen:

    Berlin baut vor allem relativ preiswerte MEB.
    In Ballungsräumen ist das Bauen von öffentlichen Gebäuden extrem teuer, gerade weil dort die Grundstückspreise deutlich höher sind.
    Auf dem Land ist Bauen deutlich billiger als in der Stadt.
    Bayern ist ein Flächenland mit deutlich weniger Ballungsräumen als Berlin.

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