Hinter der goldenen Fassade der Berliner Philharmonie wächst seit Jahren der Sanierungsbedarf. Nun zeigt eine Machbarkeitsstudie erstmals, welche Dimension das Vorhaben erreichen könnte. Dabei geht es nicht nur um das berühmte Konzerthaus am Kulturforum.

Die beleuchtete Berliner Philharmonie am Kulturforum in Berlin-Tiergarten mit ihrer goldfarbenen Fassade in der Abenddämmerung.

Die Berliner Philharmonie am Kulturforum soll ab 2032 umfassend saniert werden. Einschließlich einer möglichen Interimsspielstätte könnte das Gesamtprojekt rund 1,15 Milliarden Euro kosten. / © Foto: Wikimedia Commons, Ansgar Koreng, CC BY-SA 4.0

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Die Berliner Philharmonie gehört zu den bekanntesten Bauten der Nachkriegsmoderne. Doch mehr als sechs Jahrzehnte nach ihrer Eröffnung steht der denkmalgeschützte Bau vor einer umfassenden Erneuerung. Eine Machbarkeitsstudie beziffert das mögliche Gesamtvolumen inzwischen auf rund 1,15 Milliarden Euro – einschließlich eines Ausweichquartiers für die jahrelange Bauphase.

  • Bezirk: Berlin-Mitte
  • Adresse: Herbert-von-Karajan-Straße 1, 10785 Berlin
  • Projektstatus: Machbarkeitsstudie liegt vor
  • Geplanter Baubeginn: 2032
  • Mögliche Fertigstellung: 2040
  • Gesamtvolumen inklusive möglicher Interimsspielstätte: rund 1,15 Milliarden Euro

Die 1960 bis 1963 nach Plänen von Hans Scharoun errichtete Philharmonie steht unter Denkmalschutz. Das Landesdenkmalamt führt sie als Baudenkmal und ordnet sie dem Kulturforum zu. Der Kammermusiksaal kam deutlich später hinzu: Er entstand von 1984 bis 1987 nach Entwürfen von Scharoun und Edgar Wisniewski.

Im Inneren reicht der Handlungsbedarf inzwischen weit über einzelne Reparaturen hinaus. Nach der Machbarkeitsstudie müssen unter anderem Brandschutz, elektrische Anlagen, Sanitärleitungen, Klimatechnik und Wärmedämmung erneuert werden. Auch Feuchtigkeit bereitet Probleme. Weil viele Leitungen innerhalb der komplexen Architektur liegen, dürften zahlreiche Eingriffe in Wände und Bauteile nötig werden. Zugleich setzt der Denkmalschutz enge Grenzen für Veränderungen.

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Der Große Saal der Berliner Philharmonie mit terrassenförmig angeordneten Sitzplätzen rund um die zentrale Konzertbühne.

Der Große Saal prägt die Architektur der Berliner Philharmonie. Während der geplanten Generalsanierung soll auch das Innere des Konzerthauses umfassend erneuert werden. / © Foto: depositphotos.com 

Berliner Philharmonie: Rund 800 Millionen Euro für Gebäude und Erweiterung

Die Kostenschätzung zeigt die Dimension des Projekts genauer. Rund 436 Millionen Euro entfallen demnach auf den Großen Saal, weitere 307 Millionen Euro auf den Kammermusiksaal. Für eine Erweiterung sind rund 56 Millionen Euro angesetzt. Damit erreicht dieser Teil des Vorhabens knapp 800 Millionen Euro. Die Zahlen stammen aus der Machbarkeitsstudie und sind noch keine abschließend festgestellten Baukosten.

Weitere rund 353 Millionen Euro veranschlagt die Studie für die Herrichtung einer Interimsspielstätte. Damit steigt das Gesamtvolumen auf etwa 1,15 Milliarden Euro. Als bevorzugte Variante gelten derzeit die Hangars 1 bis 3 des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Daneben wurde auch das ICC als mögliche Alternative diskutiert. Eine endgültige Entscheidung über das Ausweichquartier ist bislang nicht gefallen.

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Die Berliner Philharmonie am Kulturforum in Berlin-Tiergarten mit ihrer markanten goldfarbenen Fassade vor blauem Himmel.

Die Berliner Philharmonie am Kulturforum steht vor einer umfassenden Sanierung, die nach derzeitiger Planung 2032 beginnen soll. / © Foto: depositphotos.com 

Sanierung ab 2032: Bund sagt 225 Mio. Euro für Philharmonie zu

Zumindest für einen Teil der Finanzierung gibt es inzwischen aber eine konkrete Vereinbarung. Im neuen Hauptstadtfinanzierungsvertrag erkennen Bund und Land die nationale und internationale Bedeutung der Philharmonie ausdrücklich an. Der Bund will sich mit einem Festbetrag von maximal 225 Millionen Euro beteiligen. Voraussetzung ist jedoch ein Sanierungskonzept, das Bund und Land unterstützen. Als Baustart nennt die Vereinbarung das Jahr 2032.

Damit fällt das Projekt in eine Phase, in der sich das gesamte Kulturforum stark verändert. Direkt gegenüber wächst mit „berlin modern“ ein weiteres großes Kulturprojekt. Der Museumsneubau zwischen Neuer Nationalgalerie und Philharmonie kämpft selbst mit Verzögerungen und Problemen im Rohbau. Zuletzt führten unter anderem Feuchtigkeitsschäden zu weiteren Verzögerungen beim „berlin modern“. Das Kulturforum dürfte damit noch weit in die 2030er-Jahre hinein von großen Bauprojekten geprägt sein.

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Philharmonie und Kammermusiksaal sollen gleichzeitig saniert werden

Der Zeitplan ist auch für den Konzertbetrieb eine Herausforderung. Nach bisherigen Überlegungen sollen Philharmonie und Kammermusiksaal während der Arbeiten gleichzeitig schließen. Der Große Saal verfügt nach Angaben aus der Machbarkeitsdiskussion über 2.449 Plätze, der Kammermusiksaal über 1.188 Plätze. Eine Ersatzspielstätte muss deshalb nicht nur Konzerte ermöglichen, sondern auch Proben, Gastveranstaltungen und die technischen Abläufe eines international arbeitenden Orchesters aufnehmen.

Fest steht bislang vor allem die Richtung. Die Generalsanierung soll 2032 beginnen, doch wesentliche Fragen zu Planung, Finanzierung und Interimsspielstätte bleiben offen. Bei einem optimalen Ablauf könnte das Projekt 2040 abgeschlossen sein. Bis dahin steht am Kulturforum eines der größten und technisch anspruchsvollsten Sanierungsvorhaben der kommenden Jahre bevor.

Berliner Philharmonie: Generalsanierung ab 2032 geplant
Die Berliner Philharmonie und der Kammermusiksaal sollen ab 2032 grundlegend saniert werden. Einschließlich einer möglichen Interimsspielstätte liegt das geschätzte Gesamtvolumen bei rund 1,15 Milliarden Euro.

Quellen: Tagesspiegel, Senatskanzlei Berlin, Stiftung Berliner Philharmoniker, Landesdenkmalamt Berlin, Deutschlandfunk

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2 Kommentare

  1. Nathan 1. Oktober 2026 at 10:18 - Reply

    dit is Berlin – verdoppel die Kosten, dann haste die Hälfte!

  2. M.Hillen 1. Oktober 2026 at 16:37 - Reply

    Eintausendzweihundert Millionen Euro? Wieso ist Bauen und Sanieren mittlerweile soo extrem teuer?
    Vielleicht sollte man wieder bei Null anfangen und alle Bauvorschriften, die Statik und Sicherheit nicht tangieren, einfach abschaffen. In Rom steht das Pantheon seit fast 1900 Jahren im Original, sogar die Bronzetüre im Eingangsbereich ist noch im Original vorhanden. Und soweit ich weiß, muss da nicht alle paar Jahrzehnte für hunderte Millionen Euro saniert werden…

    In Deutschland muss mittlerweile jeder belanglose Büroneubau, jeder Bahnhof, jedes Behördengebäude, jedes Kulturgebäude, ja selbst der Sitz des Bundespräsidenten alle zehn, zwanzig, dreißig Jahre saniert oder gar generalsaniert werden – für zig Millionen Euro. Nur noch Pfusch am Bau? Oder verdient die Baumafia illegal mit? Oder, oder, oder…Woran liegt es? Ich bin da nicht vom Fach, geb ich ehrlich zu. Aber wundern tu ick mir schon..

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