Kaum Verkehr, aber viel Beton und keine Bäume: Die Bodestraße auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte bleibt derzeit weit unter ihren Möglichkeiten. Wie sinnvoll und vor allem wie bezahlbar wäre eine nachhaltige Umgestaltung des historischen Straßenraums?

Direkt nebenan liegt der aufwendig gestaltete Kolonnadenhof der Museumsinsel, doch die Bodestraße kommt reichlich uninspiriert daher. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT, Open AI (mit KI generiert)
Die historische Berliner Museumsinsel gehört zu den kulturellen Höhepunkten der Hauptstadt und ist Pflichtprogramm für jeden Berlin-Tourist.
Mit Pergamonmuseum, Alter Nationalgalerie, Neuem Museum, Altem Museum und dem neu errichteten Humboldt Forum befinden sich hier mehrere hochdekorierte Kulturinstitutionen auf engstem Raum.
Berlins Museumsinsel: Mehrere Großprojekte werden und wurden umgesetzt
Gleichzeitig gehört die Sanierung und Modernisierung der Museumsinsel zu den aufwendigsten und auch kostspieligsten Entwicklungsprojekten, die in Berlin seit dem Mauerfall umgesetzt wurden und werden.
Die Revitalisierung von Bodemuseum und Neuem Museum, der Bau der James-Simon-Galerie oder die Runderneuerung und Erweiterung des Pergamonmuseums werden nach ihrer Fertigstellung Milliarden verschlungen haben.
Doch damit nicht genug, mit der notwendigen Modernisierung des an Lustgarten und Berliner Dom grenzenden Alten Museums steht der verantwortlichen Stiftung Preußischer Kulturbesitz in den kommenden Jahren das nächste komplexe Restaurationsprojekt ins Haus.
Auch die Freiräume der Museumsinsel sind aufwendig umgestaltet worden
Doch nicht nur die Museen selbst wurden und werden fortwährend modernisiert, auch die Freiräume der Museumsinsel sind neu gestaltet worden. So wurde bis 2010 der historische Kolonnadenhof zwischen Neuem Museum, Alter Nationalgalerie und Spree rekonstruiert. Bis Mitte der 2000er Jahre waren hier noch Konzerte veranstaltet worden.
Auch der historische Säulengang entlang der Spree ist in den vergangenen Jahren in den Zustand von 1878 zurückversetzt worden, Einbauten aus den 1910er und 1950er Jahren wurden im Zuge dieser aufwendigen Rekonstruktion wieder entfernt.

Mögliche Umgestaltung mit Bäumen, Hecken und Sitzgelegenheiten: so könnte die Bodestraße auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte nachhaltig neu strukturiert werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT, Open AI (mit KI generiert)
Berlin-Mitte: Um die Umgestaltung des Lustgartens ist jahrelang gerungen worden
Auch der begrünte Lustgarten, heute ein vollkommen selbstverständlicher Teil des Ensembles, ist erst Ende der 1990er Jahren entstanden, nach intensiver gesellschaftlicher Debatte und mehreren Wettbewerben.
Rund um das Humboldt Forum werden derzeit nachträglich Bauminseln und Schatten spendende Elemente installiert, um den zuvor steinernen Schlossplatz im Süden des neu errichteten Stadtschlosses aufzulockern und klimafreundlicher zu machen. Auch ein moderner Brunnen ist geplant.
Museumsinsel: Die Bodestraße ist bislang großflächig versiegelt und ohne Bäume
Eine große, versiegelte und bislang eher lieblos gestaltete Freifläche ist bislang nicht in den Fokus der Stadtplanerinnen und Stadtplaner gerückt. Die Rede ist von der der Bodestraße, die zwischen Altem Museum und Alter Nationalgalerie bzw. Neuem Museum verläuft.
Dieser Stadtraum ist mit einer glatten Fahrbahn versehen, vollkommen baumlos, offenbar ausgelegt für einen reibungslosen Autoverkehr, dabei wird die Straße kaum von Autos oder Bussen genutzt. Zudem ist die von der Straße über die Spree führende Brücke ausschließlich für Fußgänger und Fahrradfahrer vorgesehen.
Umgestaltung? Visualisierungen zeigen die Bodestraße mit Natursteinpflaster
So überrascht es nicht, dass es für diesen Teil der Museumsinsel bereits einen Gestaltungsvorschlag der Initiative Architektur Rebellion gab, der das graue Pflaster durch freundlichere und optisch hochwertigere Natursteine ersetzt.
In einer KI-generierten Visualisierung lässt sich schnell erkennen, dass eine solche Gestaltung den Raum zwischen den drei Museumshäusern städtebaulich deutlich aufwerten könnte.

Mögliches Vorbild für eine Umgestaltung der Bodestraße? Der rekonstruierte Kolonnadenhof zwischen Alter Nationalgalerie und Neuem Museum. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Mehr Grün, mehr Bäume: Zusätzliche Schatteninseln für die Museumsinsel?
Durch das Pflanzen von Bäumen könnten zudem Schatteninseln entstehen, die auf bzw. links und rechts neben der Bodestraße bislang völlig fehlen.
Dass eine solche Baumbepflanzung durchaus ein historisches Vorbild hat, zeigen Aufnahmen aus den 1950er Jahren, die die Bodestraße mit einer Baumreihe vor den historischen Kolonnaden zeigen. Diese Bäume stehen heute nicht mehr, vielleicht aus Denkmalschutzgründen?
Wie könnte eine Umgestaltung der Bodestraße finanziert werden?
Schaut man auf die Gestaltung der übrigen Wege und Freiflächen auf der Museumsinsel, wäre eine solche Gestaltung nur folgerichtig, doch müsste sie natürlich auch finanzierbar sein.
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz müsste eine solche Umgestaltung allerdings nicht allein schultern, da die Straße in der Hoheit des Bezirks Mitte liegt.
Der Bezirk Berlin-Mitte realisiert gerade die Freitreppe zur Spree am Humboldt Forum
Dieser finanziert aktuell aber schon den Bau der Freitreppe zur Spree und hat sich zudem verpflichtet, auch die regelmäßige Pflege und Reinigung der Treppenstufen zu übernehmen, die im kommenden Jahr fertig werden sollen.
Die Begeisterung für ein weiteres Umgestaltungs- und Freiraumprojekt auf der Museumsinsel dürfte sich zumindest im Bezirksamt Mitte vermutlich in Grenzen halten.

Die Bodestraße heute: Großflächig versiegelt, keine Bäume – und ganz viel Potenzial für eine mögliche Umgestaltung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Stiftung, Senat und Bezirk könnten eine Umgestaltung gemeinsam schultern
Andererseits wäre eine weitere Aufwertung der Museumsinsel nicht nur ein Gewinn für den Bezirk Mitte, sondern für ganz Berlin.
Vielleicht also ein gutes Argument, um hier auch den Berliner Senat mit ins Boot zu holen.
Berlin begrünt verschiedene Straßenräume im gesamten Stadtgebiet
Wie Straßenräume kreativ und ansprechend neu- und umgestaltet werden können, lässt sich derzeit in Warschau, London (Oxford Street) oder Paris sehr gut beobachten – und im Übrigen auch an vielen Stellen in Berlin, wie etwa am Platz der Luftbrücke, am Barbarossaplatz oder auf dem oben erwähnten Schlossplatz.
Vielleicht kommt in der Berliner Mitte in den kommenden Jahren ja noch eine weitere Umgestaltung hinzu. Es würde der Museumsinsel wohl ganz gut zu Gesicht stehen.
Bodestraße, Berlin-Mitte
Quellen: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Architektur Urbanistik Berlin, Architektur Rebellion, Deutsches Architektur Forum
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7 Kommentare
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Wow, dass das mal thematisiert wird! Seit JAHRZEHNTEN frag ich mich, wann die Stadt ENDLICH mal die Strassengestaltung auf und an der Museumsinsel (Am Lustgarten, Bodestraße, Am Kupfergraben) attraktiv gestaltet. Viel zu schmale Gehwege, viel zu breite Fahrstreifen, viel zu hohe Bordsteinkanten, Parkplätze und Autogerechtigkeit wie in den 50ern, zu wenig Bäume usw usw.. Berlin ist einfach nur schnarchnasig! Würde mich angenehm überraschen, wenn Berlin das Erscheinungsbild der Straßen an und auf der Museumsinsel endlich mal attraktiver gestalten würde. Jede andere Metropole im ehemaligen Ostblock hat ihre touristischen Zentrumsbereiche längst attraktiv und fußgängerfreundlich gestaltet (Warschau, Prag, Budapest usw). Die Hauptstadt Deutschlands liegt da im Vergleich Lichtjahre zurück.
Dazu würde auch gehören, den Brunnen vor der Alten Nationalgalerie endlich wieder instandzusetzen.Seit Jahren abgedeckt, ohne daß sich etwas tut
Als Frau Klöckner noch Landwirtschaftsministerin war, versprach sie Millionen Bäume für Deutschland. Aber wie immer bei der CDU/CSU – wenn es nicht um eine bestimmte Klientel geht lösen sich alle Versprechen immer in Luft auf.
Man könnte doch von den vielen Milliarden, die Deutschland in der ganzen Welt verteilt, einige wenige Millionen wegnehmen und deutsche Großstädte mit Bäumen lebenswerter machen.
Ob in Afrika ein Radweg früher oder später gebaut wird kann ja wohl nicht so lebenswichtig sein.
Wieviel Bäume könnte man auch für das Geld für eine Drohne pflanzen?
Oder die Firma Rheinmetall, die sich am derzeitige Rüstungsboom dumm und dämlich verdient, könnte doch ein wenig von den üppigen Gewinnen der Allgemeinheit zurück geben und ein paar hunderttausend Bäume sponsern.
Die Ärzte und Zahnärzte kann man dazu leider nich fragen, haben doch ihre eigenen Versorgungsgesellschaften Mehrere Milliarden Euro verspekuliert.
Die armen Damen und Herren Doktoren.
Wie auch immer – dass Eigentum auch der Allgemeinheit gegenüber verpflichtet sein soll ist auch nur ein wohlfeiler Satz in unserem Grundgesetz.
Nun kommt ein neuer Senat und man beschäftigt sich wieder hauptsächlich mit der eigenen Ideologie. Es wird wieder gestritten und eine vernünftige Stadtplanung bleibt aus. Das alles im Wählerauftrag.
Die KI generierten Fotos zeigen für mich die Zukunft der Innenstadt.
Sie vermitteln einen warmen Eindruck gegenüber dem kalten Aussehen von heute.
Der Kern der Innenstadt sollte autofrei sein und sehr grün.
Berlin fehlen die großen Fußgänger-
Bereiche, die andere Metropolen haben.
Das spazieren durch die Berliner Innenstadt ist wirklich nervig.
Alle paar Meter eine große Straße oder Tramschienen, bzw. beides.
Und es wird nicht besser,auch der Rest der Hauptstraße soll ja noch mit Trams zuggepflastert werden.
Meine Meinung: raus mit der Tram aus der Innenstadt,,bzw. auf wenige
leistungsfähige Strecken beschränken, außerhalb der Fußgängerbereiche, um den Alex rum , nicht drüber. Die zusätzlichen 100 m zu anderen Haltestellen sind wohl zumutbar.
Zb. Autotunnel zum tramtunnel umbauen.U Bahn ausbau(U3, U5).
Die Museumsinsel ist schon heute gut mit der u Bahn erreichbar.dort braucht es keine Tram mehr mehr .
Der Bereich zwischen Friedrichstraße und Alex sollte ein einziger großer Fußgängerbereich werden mit nur wenigen durchgehenden Straßen /tramtrassen.hier sollten sich dann weitere große , grüne Fußgängerbereiche anschließen.
Molkenmarkt/klosterstrasse;
Hackischer Markt/weinbergstrasse,usw.
Eines der besten Beispiele für eine gut geplante Innenstadt kann man sich in Prag ansehen.
die Visualisierungen gefallen mir ausserordentlich gut und würden die Attraktivität des Straßenzugs für Touristen aber auch die Berliner sehr erhöhen – absolut dafür!
Berlin sollte ersteinmal in der Lage sein, das vorhandene Straßengrün angemessen zu pflegen und zu versorgen, bevor man sich ständig neue Flächen ausdenkt, die hinterher verkrauten und als Essigbaumplantage oder Spontantoilette enden.