Der BUND Berlin kritisiert die laufende Ausschreibung für die Planung der Berliner Allee in Weißensee und fordert den sofortigen Abbruch. Nach Ansicht des Verbands widerspricht die Aufgabenstellung grundlegenden Vorgaben des Mobilitätsgesetzes und nehme zentrale Ergebnisse bereits vorweg. Die Debatte um die verkehrliche Zukunft der vielbefahrenen Straße erhält damit neuen Druck.

Weil die Berliner Allee seit Jahren diskutiert wird und täglich rund 30.000 Fahrzeuge auf bis zu drei Fahrspuren je Richtung unterwegs sind, bleibt der Verkehrsraum auch in den aktuellen Planungen nahezu vollständig auf den Autoverkehr ausgerichtet. Für Radfahrende bleibt die Straße damit unübersichtlich und weiterhin unsicher. / © Foto: Wikimedia Commons, Geoprofi Lars, CC BY-SA 4.0
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Die Senatsverkehrsverwaltung hat eine Ausschreibung für die grundhafte Erneuerung der Berliner Allee in Weißensee veröffentlicht. Gesucht wird ein Planungsbüro, das den Abschnitt zwischen Pistoriusstraße und Rennbahnstraße neu ordnen soll. Zwar enthält die Aufgabenbeschreibung Prüfaufträge für Radverkehrsanlagen, doch mehrere Formulierungen deuten nach Ansicht des BUND darauf hin, dass der Ausschluss des Radverkehrs bereits vorab feststeht.
So heißt es wörtlich, dass Radverkehrsanlagen auf der Berliner Allee „keine Einschränkungen der anderen Nutzungsansprüche“ ermöglichen würden und der Radverkehr daher über Bizetstraße und Gartenstraße geführt werden solle. Zudem wird betont, dass für die Leistungsfähigkeit der Bundesstraße vier Fahrspuren je Richtung zwingend erforderlich seien. Aus Sicht des BUND werde das beauftragte Büro damit darauf festgelegt, Gründe gegen bauliche Radwege zu liefern.
BUND warnt: Ausschreibung könnte Radfahren auf der Berliner Allee verbieten
Die Aufgabenstellung nennt zudem Themenschwerpunkte für die Öffentlichkeitsbeteiligung. Dabei solle es vor allem um die „Führung des Radverkehrs“ und dessen „beabsichtigten Ausschluss vom allgemeinen MIV“ gehen. Für den BUND ist dies ein Hinweis darauf, dass Radfahren auf den Autospuren verboten werden könnte.
Nach Auffassung des Verbands widerspricht die Ausschreibung dem Mobilitätsgesetz. Dieses schreibt vor, dass an Hauptverkehrsstraßen Radverkehrsanlagen mit ausreichender Breite und sicherem Abstand zu parkenden Fahrzeugen einzurichten sind. BUND-Verkehrsexpertin Katharina Wolf erklärte, die Verwaltung müsse das Verfahren sofort abbrechen, weil die Allee bereits heute hohe Lärm- und Schadstoffbelastungen aufweise und für Radfahrende wie Zufußgehende gefährlich sei.
Planungsrisiken: Verband kritisiert Zeitplan und mögliche hohe Folgekosten der Ausschreibung
Darüber hinaus kritisiert der Verband den zeitlichen Ablauf der Ausschreibung. Die Vorplanung soll erst im zweiten Quartal 2027 vorliegen, also nach der nächsten Abgeordnetenhauswahl. Verkehrsexperte Martin Schlegel verwies darauf, dass ein neuer Senat die Aufgabenstellung voraussichtlich ändern werde. Dies könne zusätzliche Kosten verursachen und die bisherige Ausschreibung zu einer Fehlplanung machen.
Der BUND argumentiert außerdem, dass die Führung des Radverkehrs über Nebenstraßen zusätzliche Probleme schaffe. So seien konfliktfreie Querungen an der Indira-Gandhi-Straße kaum realisierbar, da die Anforderungen für Fußverkehr, ÖPNV und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen dort bereits heute hoch seien. Weitere Planungsabschnitte seien ähnlich komplex, etwa an der Buschallee oder der Falkenberger Straße.
Berliner Allee bleibt Brennpunkt der Verkehrspolitik in Berlin
Die Berliner Allee steht seit Jahren im Fokus verkehrspolitischer Debatten. Bereits 2024 hatte der Senat Pläne für Radstreifen an der Straße gestoppt. Kritik kam damals unter anderem aus dem Bezirk Pankow, wo Vertreterinnen und Vertreter die Entscheidung als Rückschritt für Verkehrssicherheit und Lärmschutz bezeichneten.
Parallel dazu entwickelt der Bezirk an anderer Stelle die Radinfrastruktur weiter, etwa auf der Schönhauser Allee oder in Prenzlauer Berg. Dort wurden geschützte Radwege und neue Fahrradstraßen realisiert, während weitere Projekte angekündigt sind. Die Finanzierung bleibt jedoch unklar, da Haushaltsmittel teilweise noch nicht gesichert sind.
Mit der aktuellen Kritik des BUND erhält die Diskussion um die Berliner Allee neue Dynamik. Der Verband sieht grundlegende Probleme in der Aufgabenstellung und stellt die Vereinbarkeit der Ausschreibung mit den Zielen der Verkehrswende infrage. Ob die Verwaltung das Verfahren anpasst oder neu aufsetzt, bleibt offen. So bleibt die Berliner Allee ein zentraler Schauplatz der stadtweiten Mobilitätsdebatte.
Quellen: BUND, infravelo, Bezirksamt Pankow, Prenzlauer Berg Nachrichten, Bündnis „Aktion Berliner Allee“, Tagesspiegel
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Weiterhin rückwärtsgewandte und extrem ideologisch verblendete Verkehrspolitik aus den 60ern der amtierenden Regierung. BEschleunigung für das Auto statt ENTschleunigung für den Menschen. Was für eine Enttäuschung, was für eine Schande.
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