Der geplante Braunkohleausstieg in der Lausitz und zunehmende Trockenperioden stellen die Wasserversorgung in Berlin vor neue Herausforderungen. Der Ausbau von Kläranlagen und Infrastrukturprojekten soll die Wasserknappheit langfristig abfedern. Aber reicht das aus?

Ausbau des Klärwerks Schönerlinde im Umland von Berlin: Die Baustelle zeigt, wie Infrastrukturprojekte die Wasserversorgung sichern und auf zunehmende Wasserknappheit reagieren. / © Foto: Sven Bock / Berliner Wasserbetriebe
© Titelbild: Berliner Wasserbetriebe / Benjamin Pritzkuleit
Die Wasserversorgung in Berlin steht vor strukturellen Veränderungen. Steigende Temperaturen, längere Trockenphasen und der Braunkohleausstieg in der Lausitz beeinflussen den Wasserhaushalt gleichzeitig. Die Berliner Wasserbetriebe reagieren darauf mit einem umfassenden Ausbau der Kläranlagen und Anpassungen im bestehenden System. Die Gefahr der Wasserknappheit in Berlin bleibt dennoch ein zentrales Thema.
Wasserversorgung Berlin – zentrale Fakten:
- 70 % des Trinkwassers stammen indirekt aus Spree und Havel
- 30 % entstehen durch natürliche Grundwasserneubildung
- Braunkohleausstieg reduziert Wasserzufluss um etwa 7 Kubikmeter pro Sekunde
- Rund 532 Millionen Euro fließen in den Ausbau der Kläranlagen
- Neue Reinigungsstufen sollen Spurenstoffe aus dem Wasser entfernen
- Fertigstellung wichtiger Anlagen zwischen 2027 und 2036 geplant
Ein zentraler Punkt liegt in der Herkunft des Trinkwassers. Rund 70 Prozent stammen indirekt aus Oberflächengewässern wie Spree und Havel, die über Uferfiltration ins Grundwasser gelangen. Nur etwa 30 Prozent entstehen durch direkte Grundwasserneubildung aus Niederschlägen. Damit hängt die Wasserversorgung Berlins stark von überregionalen Zuflüssen ab.
Braunkohleausstieg verändert Wasserhaushalt in Berlin
Der Braunkohleausstieg beeinflusst diese Zuflüsse direkt. Jahrzehntelang wurde in der Lausitz Grundwasser abgepumpt, um Tagebaue trocken zu halten. Dieses sogenannte Sümpfungswasser gelangte anschließend in die Spree und stabilisierte deren Pegel.
Nach aktuellen Berechnungen fehlen künftig im Durchschnitt etwa sieben Kubikmeter Wasser pro Sekunde. In Trockenperioden kann dieser Anteil deutlich höher liegen. Studien des Umweltbundesamtes zeigen, dass die Spree regional bis zu drei Viertel ihres Wassers aus dieser Quelle bezogen hat.
Für Berlin bedeutet das sinkende Zuflüsse. Gleichzeitig bleibt der Bedarf mindestens stabil. Durch wachsende Einwohnerzahlen und zunehmend Hitzeperioden steigt er realistisch sogar. Die Folge ist ein zunehmender Druck auf die Wasserversorgung.

Modernisierte Wasserinfrastruktur in Berlin: Neue Anlagen verbessern die Wasserqualität und helfen, Folgen von Wasserknappheit auszugleichen. / © Foto: Sven Bock / Berliner Wasserbetriebe
Wasserknappheit erhöht Anforderungen an Infrastruktur in Berlin
Die Berliner Wasserbetriebe sehen dennoch keine akute Gefährdung der Versorgung. Sie verweisen auf große Grundwasserspeicher, die kurzfristige Schwankungen ausgleichen können. Gleichzeitig wächst aber auch der Anteil von gereinigtem Abwasser im Wasserkreislauf.
Mit sinkenden Flusspegeln steigt die Konzentration von Spurenstoffen. Dazu zählen unter anderem Arzneimittelrückstände, die natürliche Filterprozesse nicht vollständig entfernen. Ohne technische Anpassungen würde sich die Wasserqualität langfristig verschlechtern.
Als Reaktion investieren die Wasserbetriebe rund 532 Millionen Euro in den Ausbau der Kläranlagen. Standorte wie Schönerlinde, Münchehofe und Ruhleben erhalten eine zusätzliche Reinigungsstufe zur Spurenstoffentfernung. Erste Anlagen sollen ab 2027 in Betrieb gehen, weitere folgen bis Mitte der 2030er Jahre.

Klärwerk Ruhleben in Berlin: Die Anlage spielt eine zentrale Rolle bei der Aufbereitung von Wasser und der Sicherung der Wasserversorgung der Hauptstadt. / © Foto: Berliner Wasserbetriebe
Wasserknappheit in Berlin: Technische Lösungen und Bauprojekte im Fokus
Neben dem Ausbau der Kläranlagen prüfen Planer weitere Infrastrukturmaßnahmen. Dazu gehört der mögliche Bau von Pumpwerken, etwa an der Schleuse Spandau, um Wasser gezielt umzuleiten. Solche Projekte sollen vor allem in Trockenphasen die Wasserverteilung stabilisieren.
Auch großräumige Lösungen stehen zur Diskussion. Eine Überleitung von Wasser aus der Elbe in die Spree ist technisch machbar. Die Kosten werden auf etwa 500 Millionen Euro geschätzt. Bund und Länder haben dazu noch keine Finanzierung vereinbart.
Grundwasser für die Hauptstadtregion: Speicherlösung in ehemaligen Tagebauten?
Parallel untersuchen Fachleute Speicherlösungen in ehemaligen Tagebauen. Geflutete Restlöcher könnten Wasser für trockene Sommermonate vorhalten. Doch die Verdunstung dieser Seen erhöht den Wasserbedarf langfristig.
Der Ausbau der Kläranlagen zählt damit zu den größten Infrastrukturprojekten im Bereich Wasser in Berlin. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Planung, Genehmigung und Bauzeiten. Fachleute gehen davon aus, dass Verzögerungen direkte Auswirkungen auf die Wasserqualität haben könnten. Der Zeitrahmen ist eng, da der Braunkohleausstieg schrittweise bis spätestens 2038 erfolgt.
Quellen: Berliner Wasserbetriebe, TAZ
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Die Klärwerke Schönerlinde und Ruhleben beliefern nur die Havel mit geklärtem Abwasser. Innerstädtisch ist nur das kleine Klärwerk Münchehofe für die Spree zuständig. Wie ist es mit dem großen Klärwerk in Waßmannsdorf? Wann wird dort die vierte Reinigungsstufe gebaut, damit die Landwirte wenigstens das geklärte Abwasser gebrauchen können? Wir Berliner werden zum Wassersparen angehalten, leisten uns aber den Wasserschlucker OCEAN an der Rummelsburger Bucht. Unverantwortlich ist auch das Dulden ab 20.5. der Schwimmdemos im Spreekanal, in diesem verkeimten Wasser, vor dem das Landesamtes für Gesundheit und Soziales warnt. Die Ziele der Berliner Wasserwerke sind ungenügend, auch um die WRRL bis 2027 zu erreichen!