Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel soll zirkuläres Bauen künftig systematisch umgesetzt werden. Die Tegel Projekt GmbH hat dazu eine Rahmenvereinbarung mit dem Berliner Unternehmen Concular geschlossen. Ziel ist es, Materialkreisläufe im Großmaßstab zu etablieren und Rückbau wie Neubau enger zu verzahnen.

Das Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel wandelt sich zu einem Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien. Das denkmalgeschützte Hauptgebäude wird von gmp Architekten zu einem zentralen Forum umgestaltet, das künftig Start-ups und Forschungseinrichtungen Raum bietet. / © Visualisierung: Tegel Projekt GmbH / gmp Architekten
© Visualisierungen: Tegel Projekt GmbH / gmp Architekten
Mit der Entwicklung des ehemaligen Flughafens Tegel zur Urban Tech Republic und zum Schumacher Quartier entsteht auf rund 500 Hektar eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Neben Forschungs- und Industrieflächen sind neue Wohnquartiere geplant. Nun soll auch die Kreislaufwirtschaft strukturell verankert werden.
Die Tegel Projekt GmbH hat dafür eine Rahmenvereinbarung mit Concular geschlossen. Die Zusammenarbeit ist langfristig bis 2032 angelegt. Ziel ist es, zirkuläre Prozesse von der Bestandsanalyse über den Rückbau bis zum Neubau systematisch zu steuern und wirtschaftlich belastbar zu machen.
Berlin TXL: Zirkuläre Materialkreisläufe für Terminal D und Parkhaus P2
Im Fokus stehen große Materialmengen aus bestehenden Gebäuden wie Terminal D oder dem Parkhaus P2. Diese sollen erfasst, bewertet und möglichst vor Ort wiederverwendet werden. Priorität habe die interne Wiedernutzung auf dem Areal, bevor Materialien in externe Projekte fließen.
Für ein Projekt dieser Dimension seien belastbare Prozesse notwendig. Concular kombiniert digitale Plattformtechnologie mit operativer Begleitung vor Ort. So könnten Anforderungen aus Denkmalschutz, Schadstoffmanagement und öffentlichem Baurecht frühzeitig berücksichtigt werden. Ziel sei es, Zielkonflikte zu minimieren und Planungssicherheit zu schaffen.
Ganzheitlicher Ansatz für zirkuläres Bauen von Rückbau bis Neubau am ehemaligen Flughafen Tegel
Die Zusammenarbeit umfasst die gesamte Wertschöpfungskette des zirkulären Bauens. Dazu zählen strategische Beratung, digitale Erfassung, Pre-Deconstruction-Audits sowie die Integration von Re-Use-Strategien in Planungsprozesse. Auch einschlägige Standards wie DIN SPEC 91484 und 91525 sollen eingebunden werden.
Concular-Projektleiter Lenard da Costa Kurek erklärte gegenüber der Bayerischen Ingenieurkammer Bauen, man begleite das Vorhaben nicht punktuell, sondern mit einem ganzheitlichen Ansatz über den gesamten Projektverlauf hinweg. Rückbau und Neubau sollten ineinandergreifen, sodass Materialwerte erhalten bleiben.
Urban Tech Republic: Concular-Plattform als Werkzeug der Bauwende
Zentrales Instrument ist die digitale Concular-Plattform. Dort werden Gebäudedaten, Materialinformationen und Umweltwirkungen dokumentiert. Die Plattform erstellt Ökobilanzen und berechnet CO₂-Einsparungen. Damit sollen ökologische Effekte und wirtschaftliche Entscheidungen transparent gemacht werden.
Parallel zur strategischen Neuausrichtung des Areals läuft bereits die konkrete Flächenvermarktung in der Urban Tech Republic. Mit der Vergabe erster Grundstücke im Gewerbeband West sollen technologie- und forschungsorientierte Unternehmen angesiedelt und der Innovationsstandort Berlin TXL wirtschaftlich mit Leben gefüllt werden.
Berlin TXL versteht sich damit zunehmend als Reallabor für die Bauwende. Bereits Projekte wie der Pavillon „CRCLR HUT 2.0“ zeigten, wie zirkuläre Prinzipien praktisch umgesetzt werden können. Mit der nun geschlossenen Rahmenvereinbarung wird dieser Ansatz auf das gesamte Areal ausgeweitet. Das ehemalige Flughafengelände entwickelt sich damit nicht nur städtebaulich, sondern auch organisatorisch zu einem Testfeld für neue Standards im Bauwesen.
Quellen: Berlin TXL, Tegel Projekt GmbH, Concular, Berliner Bodenfonds GmbH, Berliner Immobilienmanagement GmbH, Gerkan, Marg and Partner (gmp), Henn GmbH, Berliner Morgenpost, Tagesspiegel kleyer.koblitz.letzel.freivogel, KUULA, Berliner Feuerwehr
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


