Berlin will den Radverkehr an Kreuzungen sicherer und flüssiger machen. Das neue Projekt VeloFlow zeigt Radfahrenden an, ob sie die nächste Ampel bei Grün erreichen und soll dabei helfen, riskante Fahrmanöver zu vermeiden.

Die VeloFlow-Anzeige informiert Radfahrende rund 200 Meter vor einer Kreuzung über die voraussichtliche Ampelphase bei einer Geschwindigkeit von 20 km/h. Ziel ist ein flüssigerer Verkehrsfluss ohne abruptes Bremsen – unterstützt durch digitale Technik direkt an der Ampel. / © Foto: SenMVKU


© Foto: SenMVKU

In Berlin startet im Herbst 2025 das Pilotprojekt VeloFlow, das gezielt den Radverkehr an stark befahrenen Kreuzungen unterstützen soll. Radfahrende sehen über elektronische Anzeigen bereits vor der Ampel, ob sich ein gleichmäßiges Tempo lohnt oder ob sie bald anhalten müssen. Die Berliner Senatsverkehrsverwaltung erhofft sich durch diese Technik einen ruhigeren Verkehrsfluss und weniger abrupte Stopps.

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Die neue Anzeige basiert auf dem Prinzip, Radfahrenden eine Geschwindigkeitsempfehlung zu geben, die möglichst viele Grünphasen ermöglicht. So sollen sie Kreuzungen flüssiger und mit weniger Unterbrechungen passieren können.

Technischer Hintergrund des Projekts: So funktioniert das VeloFlow-System

Das System basiert auf der sogenannten „Green Light Optimal Speed Advisory“, kurz GLOSA. Dabei erfassen sogenannte Roadside Units direkt an den Ampeln deren aktuelle Phasen. Diese Daten werden in Echtzeit an die VeloFlow-Anzeigen übertragen. Die Anzeigen befinden sich bis zu 200 Meter vor der Kreuzung und nutzen eine visuelle Darstellung, die zeigt, ob bei einer Geschwindigkeit von etwa 20 Kilometern pro Stunde noch eine Grünphase erreicht werden kann.

Wenn sich das Fahrrad-Symbol im grünen Bereich befindet, lässt sich die Ampel bei Grün passieren. Befindet es sich im roten Bereich, signalisiert dies eine bevorstehende Rotphase. Ziel ist es, die Bewegungen vorhersehbarer zu machen und das Radfahren stressfreier zu gestalten.

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Verkehrssicherheit für Radfahrer: Weniger spontane Rotlichtfahrten durch bessere Information

Die Verkehrsverwaltung geht davon aus, dass sich durch die frühzeitige Information auch das Verhalten vieler Radfahrender verändern wird. Laut Verwaltungssprecher Michael Herden könne eine angezeigte Rotphase frühzeitig dazu führen, dass Radfahrende nicht versuchten, noch schnell über die Kreuzung zu fahren. Die Hoffnung sei, dass die zusätzliche Information mehr Klarheit schafft und somit Rotlichtverstöße zurückgehen.

Wie sich das Projekt tatsächlich auf das Fahrverhalten und den Verkehrsfluss auswirkt, soll im Rahmen einer wissenschaftlich begleiteten Evaluation untersucht werden. Die Ergebnisse dieser Analyse sollen in die Weiterentwicklung der Technik einfließen.

Standorte und Zeitplan: Erste Anzeigen sollen ab September in Betrieb gehen

Geplant ist, die ersten Anzeigen im September 2025 zu montieren. Die genaue Standortauswahl befindet sich noch in der finalen Klärung, da einzelne technische Fragen offen sind. Dennoch nennt die Verkehrsverwaltung bereits vier konkrete Korridore, an denen VeloFlow zum Einsatz kommen soll.

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Dazu zählen zehn Anzeigen in der Invalidenstraße, neun im Bereich Stargarder Straße, Schönhauser Allee und Prenzlauer Allee sowie jeweils zwei in der Handjerystraße mit der Prinzregentenstraße und in der Langenscheidtstraße mit der Kreuzbergstraße. Die Auswahl basiert laut Verwaltung auf Verkehrsanalysen und Rückmeldungen aus den jeweiligen Bezirken.

Erfahrungen aus Münster: Frühere Tests liefern Hinweise auf technische Herausforderungen

Die Stadt Münster hatte ein ähnliches System bereits erprobt. Dort sind aktuell nur noch einzelne Prototypen in Betrieb, weil das Projekt mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Unter anderem hatten die ursprünglich im 3D-Druck gefertigten Gehäuse den dauerhaften Belastungen nicht standgehalten. Außerdem sei ein Projektpartner vorzeitig ausgestiegen.

Berlin will aus diesen Erfahrungen lernen. Beide Städte planen deshalb eine enge Kooperation. In Münster soll nun ebenfalls ein überarbeitetes Modell mit robusterem Metallgehäuse getestet werden. Ziel ist es, die gesammelten Erkenntnisse in eine stabilere Serienlösung zu überführen.

Kosten und Perspektiven für das Pilotprojekt: VeloFlow als Teil eines digitalen Verkehrskonzepts

Jede Anzeige kostet laut Verkehrsverwaltung rund 3000 Euro. Hinzu kommen Ausgaben für die Stromversorgung, die Planung sowie die Umrüstung der bestehenden Ampelanlagen. Insgesamt lässt sich derzeit noch kein konkreter Gesamtbetrag nennen. Da das Vorhaben jedoch Teil eines bundesgeförderten Projekts zur umweltsensitiven Verkehrssteuerung ist, übernimmt das Bundesverkehrsministerium etwa 85 Prozent der Kosten.

Langfristig soll die Infrastruktur nicht nur dem Radverkehr zugutekommen. Die eingesetzten Roadside Units können künftig auch mit vernetzten Fahrzeugen kommunizieren. Autos könnten so Informationen über Ampelphasen oder Störungen empfangen. Bisher sind jedoch nur wenige Fahrzeugmodelle mit der entsprechenden Technik ausgestattet.

Quellen: Berlin.de, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt

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One Comment

  1. Böhme 10. August 2025 at 08:53 - Reply

    Das Ganze hört sich zunächst mal gut an – ist bei genauerer Betrachtung aber völliger Nonsense. Das ist hochempfindliche, aufwendige Technik, die sauteuer ist – allein die Kosten stehen außer jedem Verhältnis zum gewollten Ziel – , nicht nur in der Anschaffung, sondern auch in der Wartung und im Austausch. Da werden Haushalte mit irren Kosten belastet. Und es ist gerade bei Radfahrern (zu denen ich auch gehöre) nicht zu verstehen, weshalb die nicht eine rote Ampel sollten ertragen können und sollen!

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