Eine eigene Universität für die Berliner Lehrkräftebildung – und das im ehemaligen Flughafen Tempelhof: Der Vorschlag würde zwei große Berliner Themen miteinander verbinden. Eine aktuelle Senatsantwort zeigt nun jedoch, wie weit der Weg von der politischen Idee zu einem konkreten Hochschulprojekt noch wäre.

Der ehemalige Flughafen Tempelhof gilt als möglicher Standort für eine „Berlin School of Education“. Konkrete Planungen für die Lehrkräfteuniversität gibt es bislang nicht. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Tempelhof Projekt GmbH
Der ehemalige Flughafen Tempelhof könnte nach einem politischen Vorschlag einen völlig neuen Nutzer bekommen. Im Raum steht eine „Berlin School of Education“, an der die bislang auf mehrere Universitäten verteilte Lehrkräftebildung gebündelt werden könnte.
- Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
- Standort: ehemaliger Flughafen Tempelhof
- Adresse: Platz der Luftbrücke 5, 12101 Berlin
- Projektidee: eigenständige Hochschule für die Berliner Lehrkräftebildung
Ausgangspunkt der Debatte ist ein Vorschlag des SPD-Politikers Steffen Krach. Er brachte eine eigenständige „Berlin School of Education“ ins Gespräch und nannte im Juli 2026 das Gebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof als möglichen Standort. Nach seiner damals beschriebenen Vorstellung könnte die Einrichtung knapp 20.000 Studierende, Beschäftigte sowie Professorinnen und Professoren umfassen.
Lehrer-Uni in Berlin: Idee führt zum Flughafen Tempelhof
Damit würde die Idee auf einen Standort treffen, dessen künftige Nutzung ohnehin neu geordnet wird. Berlin arbeitet derzeit an der langfristigen Entwicklung des rund 300.000 Quadratmeter Geschossfläche umfassenden Baudenkmals. Der aktuelle Ansatz sieht eine schrittweise Sanierung und neue Nutzungen vor.
Wie umfangreich diese Arbeiten werden, zeigt der erhebliche Sanierungsbedarf bei technischer Infrastruktur, Brandschutz, Statik sowie Dach- und Betonkonstruktionen. Ein neuer Fahrplan für die Sanierung des Flughafens Tempelhof wurde erst im August 2026 vorgestellt.
„Berlin School of Education“: Noch keine Kosten und kein Zeitplan
Die Antwort des Senats auf die Anfrage der Linken-Abgeordneten Franziska Brychcy, Michael Efler und Tobias Schulze macht deutlich, dass die Lehrer-Uni noch nicht Teil einer konkreten Standortplanung ist. Wie lange Planung, Genehmigung und Herrichtung geeigneter Räume dauern würden, könne der Senat derzeit nicht einschätzen. Dafür müssten zunächst die benötigten Flächen sowie ein Raum-, Funktions- und Ausstattungsprogramm feststehen.
Auch eine Kostenschätzung gibt es nicht. Das betrifft sowohl die Herrichtung des Flughafens als auch zusätzliche Einrichtungen wie Labore, Bibliotheken, IT, Sportstätten und Verwaltung. Selbst für eine umfassende Sanierung und Nachnutzung des Flughafengebäudes insgesamt nennt der Senat derzeit keine Gesamtsumme. Die Kosten hängen nach Angaben des Landes unter anderem von der konkreten Nutzung, dem Ausbaustandard und dem Entwicklungsmodell ab.

Der ehemalige Flughafen Tempelhof steht vor einer langfristigen Neuordnung und Sanierung. Als mögliche neue Nutzung ist eine „Berlin School of Education“ für die Berliner Lehrkräftebildung im Gespräch; konkrete Planungen gibt es bislang nicht. / © Foto: Claudius Pflug
Hochschulnutzung in Tempelhof ist nicht völlig neu
Eine Hochschule am Flughafen wäre allerdings kein grundsätzlich neues Thema. Bereits früher prüfte Berlin, die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin mit einem Mediencampus in Hangar 5 anzusiedeln. Dafür entstand 2019 eine Machbarkeitsstudie. 2023 verfolgte der Senat das Vorhaben nicht weiter und entschied sich stattdessen für einen Standort der DFFB in den Berlin Decks in Moabit. Außerdem nutzt die Sigmund Freud PrivatUniversität nach Senatsangaben seit 2013 dauerhaft Flächen in Bauteil 4. Weitere Untersuchungen für einen Hochschulstandort Tempelhof liegen nicht vor.
Gleichzeitig verändern sich andere geplante Nutzungen. So wurde 2026 der lange vorgesehene Umzug des AlliiertenMuseums in den Hangar 7 gestoppt. Die Flächenplanung für das riesige Denkmal ist damit weiterhin in Bewegung. Parallel laufen konkrete Sicherungsmaßnahmen, etwa die Sanierung des historischen Tunnels unter dem Flughafen Tempelhof.
Lehrkräftebildung verteilt sich heute auf vier Universitäten
Eine eigenständige Lehrer-Uni würde tief in die bestehende Berliner Hochschullandschaft eingreifen. Lehramtsstudiengänge gibt es derzeit an der Freien Universität, der Humboldt-Universität, der Technischen Universität und der Universität der Künste. Das Land hatte die Frage einer Zusammenführung der Lehrkräftebildung an einer Hochschule bereits 2024 prüfen lassen. Auf diese Untersuchung verweist der Senat in seiner aktuellen Antwort.
Dabei geht es nicht nur um Studienplätze und Personal. Lehramtsstudierende nutzen heute vielfach dieselben Labore, Bibliotheken, Sportanlagen und anderen Einrichtungen wie Studierende der jeweiligen Fachwissenschaften. Eine getrennte Erfassung dieser Infrastruktur ist laut Senat deshalb nicht möglich. An der TU bestehen zusätzlich speziell für die Lehrkräftebildung fachdidaktische Labore, Werkstätten, eine Lehrküche und ein Lebensmittellabor. Eine Herauslösung der Lehrkräftebildung hätte somit für Personal, Lehrangebot und Infrastruktur der vier Universitäten massive Folgen.
Damit bleibt die „Berlin School of Education“ zunächst eine politische Projektidee. Weder Flächenprogramm noch Finanzierung stehen fest. Erst wenn ein konkretes Hochschulkonzept vorliegt, ließen sich nach Angaben des Senats der räumliche Bedarf und ein realistischer Zeithorizont bestimmen.
Berlin School of Education am Flughafen Tempelhof
Quellen: Abgeordnetenhaus von Berlin, Schriftliche Anfrage 19/26886, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Tempelhof Projekt GmbH
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


