Mit dem temporären Umzug des 1. FC Union Berlin ins Olympiastadion wird die Saison 2027/28 für die Betreibergesellschaft zum organisatorischen Belastungstest. Mehr Mieteinnahmen für die Olympiastadion GmbH treffen auf deutlich steigende Anforderungen im Betrieb. Spielplanabstimmung, Sicherheitskonzepte und regelmäßige Umbauten im Stadioninneren werden den Doppelbetrieb von Hertha und Union zu einer komplexen Daueraufgabe machen.

Die Doppelbelegung des Olympiastadions bringt wirtschaftliche Chancen, aber auch neue Risiken. Von der DFL-Terminplanung bis hin zu möglichen Pokalüberschneidungen müssen Abläufe frühzeitig neu gedacht werden. / © Foto: IMAGO

© Foto Titelbild: IMAGO / ANP

ANZEIGE

 

Mit dem temporären Umzug des 1. FC Union Berlin ins Berliner Olympiastadion beginnt für die landeseigene Olympiastadion Berlin GmbH ab dem Sommer 2027 eine organisatorisch anspruchsvolle Spielzeit. Grund ist der geplante Umbau der Alten Försterei in Berlin-Köpenick.

Da auch Hertha BSC weiterhin seine Heimspiele im Westend austrägt, werden in der übernächsten Saison also zwei Profiklubs parallel auf dieselbe Infrastruktur zugreifen. Für die Betreibergesellschaft bedeutet das erst einmal lukrative Mehreinnahmen, aber auch einen erheblichen logistischen Mehraufwand.

ANZEIGE

Saison 2027/28: Der 1. FC Union Berlin zieht ins Berliner Olympiastadion

Die Olympiastadion GmbH kann sich über einen zusätzlichen Mieter und steigende Mieteinnahmen freuen. Gleichzeitig wächst die Verantwortung, einen reibungslosen Ablauf für beide Vereine, deren Fans sowie externe Veranstalter zu gewährleisten. Das traditionsreiche Stadion wird damit stärker denn je zum multifunktionalen Großbetrieb.

Das wirft schon jetzt seine Schatten voraus, denn zentral ist die enge Abstimmung mit der Deutschen Fußball Liga (DFL), die die Rahmenpläne mehrere Jahre im Voraus erstellt. Gleichzeitige Heimspiele von Union und Hertha sind ausgeschlossen. Die DFL muss den Spielplan entsprechend koordinieren, um Überschneidungen zu vermeiden.

Koordinierung mit DFL: Gleichzeitige Heimspiel-Wochenenden von Hertha und Union ausgeschlossen

Komplexer wird die Lage im DFB-Pokal. Hier greift die Spielplangestaltung weniger strikt ineinander, gleichzeitige Heimspiele in einer Runde sind per Losverfahren möglich. Sollten beide Berliner Klubs parallel Heimrecht erhalten, könnte dies zu organisatorischen Engpässen führen.

ANZEIGE

Neben dem Stadionmanagement wäre in einem solchen Fall auch die Berliner Polizei gefordert, die bei zwei Fußball-Großveranstaltungen am selben Wochenende personell an ihre Grenzen stoßen könnte.

Umbauten im Stadion: Farben, Branding, Fantrennung

Im Stadioninneren wird der Wechselbetrieb deutlich sichtbar sein. Je nach Heimverein müssen Werbeflächen, Fanartikelstände, Beschilderungen und visuelle Elemente angepasst werden; einmal in Blau-Weiß, einmal in Rot-Weiß. Auch die mediale Inszenierung, etwa bei LED-Banden oder Presseräumen, erfordert flexible Lösungen.

Hinzu kommt die sensible Frage der Heim- und Gästebereiche. Während Hertha BSC im Olympiastadion über etablierte Strukturen verfügt, müssen für Union Berlin funktionierende Abläufe neu definiert werden, von der Kurvenaufteilung über Sicherheitszonen bis hin zur Wegeführung im Umfeld.

Beide Vereine und vor allem die führenden Fangruppen werden aufeinander Rücksicht nehmen müssen, um Konfliktpotenziale zu minimieren. Das ist bei der bestehenden Rivalität beider Fanlager allerdings kein Selbstläufer.

Union-Fans im Olympiastadion: Weite Anreise bei jedem Heimspiel

Für Union-Fans bedeutet der Umzug vor allem längere Anfahrtswege. Statt der gewohnten Atmosphäre an der Alten Försterei im Südosten Berlins geht es nun quer durch die Stadt ins weit entfernte Westend. Das verändert nicht nur gewohnte Routinen, sondern auch Verkehrsströme. S-Bahn, U-Bahn und Individualverkehr werden an Spieltagen stärker belastet sein.

Dies wird also auch Auswirkungen auf alle anderen Fahrgäste haben, wenn nicht nur Hertha im Olympiastadion spielt, sondern alle zwei Wochen noch zusätzlich tausende Fans aus Köpenick und Umgebung zum Olympiapark transportiert werden müssen.

Weitere Großveranstaltungen wie das ISTAF geraten terminlich unter Druck

Auch für die Polizei und Ordnungsbehörden steigen die Anforderungen. Mehr Hochrisikospiele an einem Standort, eng getaktete Spieltermine und mögliche internationale Begegnungen erfordern eine präzise Einsatzplanung.

Die erhöhte Auslastung betrifft aber natürlich nicht nur den Fußball. Veranstaltungen wie das Leichtathletik-Fest ISTAF Berlin müssen sich künftig in einen engeren Terminkalender einfügen. Spielfreie Wochenenden werden seltener, Umbauzeiten zwischen Fußball- und Leichtathletikbetrieb knapper.

Ab Sommer 2027 wird das Olympiastadion zur Drehscheibe für Berlins Spitzensport

Das Olympiastadion wird ab Sommer 2027 also stärker denn je zur Drehscheibe des Berliner Spitzensports. Die übernächste Saison dürfte zeigen, wie belastbar die Strukturen sind, und wie gut es gelingt, wirtschaftliche Chancen mit organisatorischer Präzision zu verbinden.

Eine zusätzliche Rolle könnte noch spielen, in welcher der jeweiligen Ligen die beiden Teams dann spielen werden. Aber das ist, Stand heute, kaum realistisch prognostizierbar. Viele Variablen für einen organisatorischen Kraftakt, der mindestens ein Jahr lang funktionieren muss.

 

Quellen: Olympiastadion Berlin GmbH, 1. FC Union Berlin, Hertha BSC

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

2 Kommentare

  1. a.t. 2. März 2026 at 09:58 - Reply

    Hoffentlich fängt sich Union ab dann nicht das Hertha-Virus in diesen Kasematten.

  2. Schultheiß-Kugel 2. März 2026 at 21:49 - Reply

    Wird funktionieren, denn Hertha hat seit Jahrzehnten festgefahrene Strukturen und Union wird seine Erfahrungen der Campionsleague-Saison umsetzen. Innerhalb des Stadiongeländes wird sich alles einpegeln, da bin ich mir sicher. Einzig bei der An- und Abreise wird es sicherheitstechnische Probleme geben, für die erlebnisorientierten Gruppierungen beider Vereine und auch für die Berliner Polizei ist das ein völlig neues Level. Unioner werden froh sein, wenn diese (mindestens) einjährige „Auswärtstingelei“ quer durch Berlin vorbei ist und auch die Herthaner werden drei Kreuze machen, wenn alles wieder seine alte Ordnung hat und sie ihre Mietwohnung nicht mehr mit dem Ortsrivalen teilen müssen. Lediglich die Olympiastadion Berlin GmbH wird vor Freude in die Hände klatschen, denn der Mehraufwand wird sich für sie mit Sicherheit finanziell lohnen.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.