Mitten in Berlin klafft hinter historischen Fassaden plötzlich eine gewaltige Baulücke. Am ehemaligen Generaltelegraphenamt läuft eine der derzeit ungewöhnlichsten Transformationen der Friedrichstadt.

Rückbau und Neubau laufen auf dem Areal teilweise parallel. Während Teile des früheren Bestands bereits abgerissen wurden, wächst an anderer Stelle schon die neue Gebäudestruktur empor. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Wer derzeit durch die Französische Straße, die Jägerstraße oder die Oberwallstraße in Berlin-Mitte läuft, stößt auf eine der derzeit ungewöhnlichsten Baustellen der historischen Innenstadt. Wo jahrzehntelang ein geschlossener Gebäudekomplex stand, klafft heute hinter roten Gerüsten und großflächigen Planen eine gewaltige Lücke.
Vom ehemaligen Generaltelegraphenamt ist in Teilen kaum mehr als die denkmalgeschützte Fassade geblieben. Sie steht nahezu frei am Straßenrand und wirkt wie eine historische Kulisse vor einem weitgehend abgeräumten Grundstück. Doch warum wurde das Gebäudeensemble mitten in Berlin-Mitte derart umfassend zurückgebaut?
Französische Straße in Berlin-Mitte: Warum hinter der historischen Fassade eine riesige Baulücke klafft
Der Gebäudekomplex geht auf die Jahre 1861 bis 1863 zurück. Architektonisch orientiert sich das Ensemble an der Berliner Backsteintradition der 1860er Jahre und zeigt zugleich Einflüsse der italienischen Hochrenaissance. Heute steht der Gesamtkomplex unter Denkmalschutz.
Nach der Wiedervereinigung nutzte die Deutsche Telekom das Gebäude als Hauptstadtrepräsentanz. Erst 2024 verließ das Unternehmen den traditionsreichen Standort und zog an die Ebertstraße 15A.
Bereits vor dem Auszug wechselten Teile des Ensembles den Eigentümer. CBRE Investment Management erwarb die Gebäude an der Französischen Straße 33a bis c sowie an der Ecke Jägerstraße 43 bis 44. Die rund 12.400 Quadratmeter umfassende Immobilie soll grundlegend modernisiert und neu entwickelt werden.
Generaltelegraphenamt wird umgebaut: Große Teile des Bestands sind bereits verschwunden
Wie weitreichend die Transformation ausfällt, zeigt sich inzwischen deutlich im Stadtbild. Das Innenleben des historischen Gebäudekomplexes wurde weitgehend entfernt, nicht denkmalgeschützte Gebäudeteile sind bereits abgerissen. Entlang der Oberwallstraße blieb einzig und allein die historische Fassade erhalten.
Dahinter ist eine große, offene Baustellenfläche entstanden. Die einst geschlossene Blockstruktur wirkt derzeit regelrecht aufgeschnitten – ein ungewöhnlicher Anblick an einem derart zentralen Standort in Berlin-Mitte.

Eine gewaltige Baulücke prägt derzeit die Französische Straße in Berlin-Mitte. Große Teile des ehemaligen Gebäudekomplexes sind verschwunden, während Kräne und Bauarbeiten die umfassende Transformation des Areals sichtbar machen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Berlin-Mitte: Historische Fassade soll in den geplanten Neubau integriert werden
Der weitreichende Eingriff dürfte vor allem mit dem baulichen Zustand und den Anforderungen an eine künftige Nutzung zusammenhängen. Nach jahrzehntelanger intensiver Nutzung ließ sich der Bestand offenbar nicht ohne grundlegende Eingriffe an moderne technische, energetische und wirtschaftliche Standards anpassen.
Wie die erhaltenen Fassaden künftig in den neuen Gebäudekomplex integriert werden und welche architektonische Gestaltung die neu entstehenden Gebäudeteile erhalten, ist bislang nur in Teilen bekannt.
Oberwallstraße: Die historische Fassade gehört zum ältesten erhaltenen Postgebäude Berlins
Den historischen Kern des Ensembles bildet das Gebäude an der Oberwallstraße 4A. Es gilt als ältestes erhaltenes Postgebäude W 56 in Berlin und entstand zwischen 1862 und 1864 nach Plänen des Geheimen Oberbaurats Wilhelm Salzenberg. Die Bauleitung übernahm Bauinspektor Adolph Lohse. Das Gebäude gilt zudem als erstes Telegraphenamt Deutschlands. Gerade deshalb steht die verbliebene historische Substanz heute im Mittelpunkt des komplexen Umbaus.
Der Investor hatte angekündigt, den historischen Charakter des Ensembles bewahren und zugleich ein modernes Büroobjekt mit nachhaltigen Qualitäten entwickeln zu wollen. Ein Bauantrag aus dem Oktober 2024 sieht rund 18.859 Quadratmeter Bürofläche vor.
Ein Gastronomiebereich soll an der Jägerstraße entstehen, ein Café an der Französischen Straße
Ergänzt werden sollen die Büroflächen durch einen Gastronomiebereich an der Jägerstraße, ein nicht öffentliches Café zur Französischen Straße sowie eine Versammlungsstätte für bis zu 1.200 Personen. Viele Details zur künftigen Nutzung und zur architektonischen Ausgestaltung des Ensembles sind bislang allerdings noch offen.
Die gewaltige Baulücke an der Französischen Straße ist damit nur ein Zwischenzustand. Hinter der erhaltenen historischen Fassade entsteht eines der umfangreicheren Transformationsprojekte in der Berliner Friedrichstadt – auch wenn derzeit vor allem sichtbar ist, wie viel vom bisherigen Gebäude dafür zunächst verschwinden musste.
Quellen: Telekom, Immobilien Zeitung, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Presseportal, Wikipedia, Thomay Daily
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