Mit dem Projekt „Sixty2“ wird ein ehemaliges DDR-Bürohaus in der Klosterstraße zu einem gemischt genutzten Stadtbaustein weiterentwickelt. Statt Abriss setzt der Projektentwickler Trockland auf Erhalt, Ergänzung und energetische Sanierung. Erste Flächen sind bereits vergeben, die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts rückt näher.

Blick in den ehemaligen Bunkerbereich des Bestandsgebäudes. Durch den Rückbau wurde die Fläche wieder nutzbar gemacht. Hier entsteht künftig eine Gewerbefläche, die als Fitnessstudio genutzt werden soll. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Mit dem Projekt „Sixty2“ strukturiert der Berliner Projektentwickler Trockland ein rund 22.000 Quadratmeter großes Areal in der Klosterstraße in Berlin-Mitte um. Das ursprünglich in den späten 1960er Jahren errichtete Bestandsgebäude gilt als typischer Vertreter der Ostmoderne. Seine klare Kubatur, funktionale Gliederung und die markante Fassadenstruktur prägen das Erscheinungsbild bis heute.
Gemeinsam mit TCHOBAN VOSS Architekten setzt Trockland auf eine umfassende Revitalisierung statt auf einen Abriss des Gebäudes. Ziel ist es, die architektonische Identität des Ortes zu bewahren und zugleich einen zeitgemäßen Nutzungsmix aus Wohnen, Gewerbe und Gastronomie zu etablieren.
Baufortschritt im ersten Bauabschnitt des „Sixty2“ in der Klosterstraße: Erhalt der Struktur und Anpassung der Grundrisse

Im Zuge der Umnutzung wurden zahlreiche nicht tragende Wände entfernt und Flächen neu strukturiert. So entstanden offene, flexibel nutzbare Grundrisse innerhalb der erhaltenen Stahlbetonstruktur. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Beim Rundgang über die Baustelle zeigt sich, dass die tragende Stahlbetonstruktur vollständig erhalten bleibt. Im Inneren wurden nicht tragende Wände entfernt. Dadurch entstehen offenere Grundrisse, die sich flexibler nutzen lassen. Die Rohbauarbeiten im ersten Bauabschnitt sind weitgehend abgeschlossen, während der Innenausbau sichtbar voranschreitet.
Im Büroteil ergänzt eine zusätzliche Etage das Gebäude. Von dort führt künftig ein Zugang auf eine Dachterrasse. Konstruktive Schwierigkeiten traten nach Angaben von Trockland kaum auf, da das Gebäude bis kurz vor dem Umbau genutzt wurde und sich in einem guten baulichen Zustand befand.
Nutzung und Fertigstellung des Projekts im Klosterviertel: Wohnungen, Serviced-Apartments und Gewerbeeinheiten

Alle 43 Wohnungen im ersten Bauabschnitt orientieren sich zum neu gestalteten Innenhof. Jede Einheit erhält einen Balkon. Der Hof wird begrünt und verbindet die Bereiche miteinander. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Im ersten Bauabschnitt des „Sixty2“ entstehen 43 Mietwohnungen, die jeweils über einen Balkon verfügen. Zusätzlich werden 130 Micro-Apartments eingerichtet, die von Limehome betrieben werden sollen. Im Untergeschoss zieht ein Fitnessstudio ein, während im Erdgeschoss eine Gastronomiefläche an ein lokales Café vergeben wurde. Vier weitere Büroflächen ergänzen das Angebot.
Große Teile der Flächen sind bereits vergeben. Erste Einzüge sind für den Sommer beziehungsweise Herbst dieses Jahres geplant. Parallel dazu wird aktuell der zweite Bauabschnitt vorbereitet. Dieser soll ab Sommer beginnen und rund zweieinhalb Jahre Bauzeit beanspruchen. Dort wird lediglich die bislang weitgehend fensterlose Fassade entfernt, die bestehende Struktur erhalten und durch einen Anbau mit neuer Glasfassade ergänzt. Außerdem soll ein autark nutzbares Gebäude den Bestand ergänzen.
Nachhaltigkeit der Revitalisierung in Berlin-Mitte: Erhalt des Bestands und technische Ergänzungen

Eine Gewerbeeinheit im Gebäudeteil entlang der Klosterstraße erhält exklusiven Zugang zu Teilen der Dachfläche. Von dort eröffnet sich der Blick über die Klosterstraße bis hin zum Fernsehturm. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Umnutzung des bestehenden DDR-Bürohauses. Statt das Gebäude abzureißen, wurde die vorhandene Struktur weiterentwickelt. Dieses Vorgehen spart massiv Ressourcen, so der Projektentwickler. Insbesondere da die tragende Stahlbetonstruktur bestehen bleibt, vermeiden die Projektbeteiligten zusätzliche CO₂-Emissionen, die ein vollständiger Neubau verursacht hätte.
Das Projekt strebt eine LEED Platin Zertifizierung an. Neben der neu geschaffenen Dachterrasse ist im aktuellen Bauabschnitt eine intensive Dachbegrünung vorgesehen. Im zweiten Bauabschnitt werden die Dachterrassen um Flächen für Photovoltaikanlagen ergänzt.
Weiterführende Entwicklungen im zweiten Bauabschnitt „Sixty2 East“: Ergänzungsbau und weitere Gewerbeflächen

Der zweite Bauabschnitt betrifft den türkisblauen Gebäudeteil entlang der Stralauer Straße. Dort entstehen vorwiegend Büroflächen, sowie eine Gastronomieeinheit. Hier soll ein Anbau und eine neue Fassade das Gebäude aufwerten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Im Zuge des zweiten Bauabschnitts plant Trockland die Sanierung des östlichen Gebäudeteils. Ein Anbau an den Bestand soll die Flächen vergrößern. Zudem ist vorgesehen, auf einer bislang freien Fläche auf der Rückseite des Grundstücks einen weiteren Baukörper zu errichten. Dieser soll als eigenständiges Gebäude im „Townhouse-Stil“ funktionieren. Ein konkreter Mieter steht derzeit noch nicht fest. Denkbar ist eine zusammenhängende Gewerbeeinheit oder die Vermietung einzelner Etagen.
Damit entwickelt sich das Areal zwischen Klosterstraße, Stralauer Straße und Waisenstraße schrittweise weiter. Während im Westen die Fertigstellung näher rückt, laufen im Osten die Vorbereitungen für die nächste Bauphase. Der Baustellenbesuch zeigt deutlich, wie konsequent die Beteiligten den Bestand erhalten und zugleich an heutige Anforderungen anpassen.

Im Treppenhaus und im Foyer bleiben prägende Elemente des DDR-Bestands erhalten. Dazu zählen unter anderem das Mosaik im Eingangsbereich, das denkmalgeschützte Tor, die charakteristische Fensterstruktur sowie originale Details wie Handläufe und Bodenbeläge. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Sixty2
Quellen: Sixty2, Trockland Management, Tchoban Voss Architekten
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2 Kommentare
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Leider sieht der Block noch genauso monoton und unpassend in der kleinteiligen Umgebung wie zu seiner Erbauungszeit aus.
Obendrein erfüllt die Architektur den hohen Anspruch des Wortes „Ostmoderne“ nicht – solche Schlichtbauten gab und gibt es in jedem westdeutschen Gewerbegebiet. Hier wäre ein Abriss die bessere Option gewesen.
Die Umgebung kann man nicht als kleinteilig bezeichnen, direkt gegenüber befinden sich zwei monumentale Verwaltungsgebäude mit dem Alten Stadthaus und dem Finanzministerium vom Land Berlin. Beide sind deutlich größer dimensioniert als das hier thematisierte Bestandsgebäude aus der DDR. Es gibt auch noch kleinteiligere Bebauung, ja, aber mit Sicherheit stellt das nun „Sixty2“ genannte Gebäude nicht das größte in der Umgebung dar. Aus meiner Perspektive fügt es sich eigentlich sogar ganz ordentlich ein und setzt das Thema „Verwaltung“ eigentlich ganz gut fort. Das Foto von Entwicklungsstadt ist hier auch eher kontraproduktiv, weil es die Umgebung gar nicht komplett einfängt. Man kann den Eindruck gewinnen, dass würde inmitten von kleinteiliger Gründerzeitarchitektur wie im Prenzlauer Berg stehen. Aber wer da mal an der Kreuzung stand, weiß, dass das Gebäude zwar natürlich heraussticht, aber doch bei weitem nicht dominiert.
Probleme sehe ich vor allem in der bläulichen Fassadenfarbe des Anbaus, das ist so eine typische Farbe der Nachkriegszeit und dort völlig fehl am Platz. Außerdem war das Erdgeschoss bisher sehr abweisend, das wird nun verändert, was ein großes Pro-Argument ist und etwas urbanes Leben dort in diesen Straßenzug hineinbringen kann. Muss man abwarten, wie viel es am Ende wirklich ist, aber das Potential ist da und das ist eine sehr gute Sache. Die geplante Mischnutzung ist auch absolut zu befürworten und ein weiteres Pro-Argument für dieses Projekt.
Denn man kann eben auch mal drüber nachdenken, was bei einem Abriss dann kommen würde? Es könnte sein, dass sich ein Investor das Grundstück sichert und dort dann nur Luxuswohnen platziert ohne jegliche EG-Nutzung. Denn das wäre in dieser 1A-Lage extrem rentabel. So haben wir ein Projekt, dass Mischnutzung mit Wohnen, Büro, Gewerbe und EG-Nutzung etabliert und darüber hinaus auch noch DDR-Bestand sichert und damit eine Geschichte aus einem vergangenen Staat erzählen kann.
Für mich überwiegen ganz klar die Pro-Argumente