Die Friedrichstraße soll zu einem modernen Boulevard transformiert werden, allerdings nur auf einem Teilabschnitt von 1,2 Kilometern. Viele zentrale Fragen zur Umsetzung, Finanzierung und verkehrlichen Organisation sind jedoch noch ungeklärt. Das neue Umbaukonzept soll Hoffnung wecken, bleibt aber vorerst Theorie. Und welche Rolle spielt dabei eigentlich der Bezirk Mitte?

Ein Kommentar von ENTWICKLUNGSSTADT-Redakteur Wolfgang Leffler

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Die Friedrichstraße, Status QuoDie Friedrichstraße in einer Vision von Tobias Nöfer

© Visualisierungen: Nöfer Architekten, Astigmatic

 

Der Berliner Senat hat am Montag im Roten Rathaus sein Konzept zur Neu- bzw. Umgestaltung der Friedrichstraße vorgestellt und das in einer von Kai Wegner als „besondere Pressekonferenz“ bezeichneten Presseerklärung.

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Das Medien- und allgemeine Interesse war besonders groß, denn der Saal war schon lange nicht mehr derart voll, so der Regierende. Klar, bei dieser vollmundigen Ankündigung. Und man wäre wohl ein Schelm, wenn man daran nicht so recht glauben würde, angesichts der vielen Berliner Senatsversprechen in der Vergangenheit.

Friedrichstraße: Umgestaltung auf nur 1,2 Kilometer der Straße

Aber letztendlich war es dann auch so, denn die Neu- bzw. Umgestaltung bezieht sich nur auf die neun Blöcke zwischen Unter den Linden und Schützenstraße, also einer Strecke von 1,2 Kilometern, knapp ein Drittel der Gesamtlänge des ehemaligen Boulevards vor dem Zweiten Weltkrieg mit 3,3 Kilometern vom Mehringplatz bis zum Oranienburger Tor.

Dass der heutige Zustand der Friedrichstraße nicht mehr tragbar ist, erleben nicht nur die Touristen, die aber nach ihren Kurzaufenthalten bald wieder verschwunden sind. Eher geht es um die Berlinerinnen und Berliner, also um die Anrainer und Gewerbetreibenden, die speziell um den Checkpoint Charlie und die südliche Friedrichstraße – so sie nicht direkte Anwohner sind – einen großen Bogen machen und als Gewerbetreibende die Friedrichstraße verlassen.

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Berlin-Mitte: 70 Prozent Leerstand bei Gewerbeflächen an der Friedrichstraße

Mittlerweile verzeichnet man in der Friedrichstraße ca. 70 Prozent Gewerbeleerstand, der Weggang von Galeries Lafayette trug dazu natürlich wesentlich bei. Nun hat der Berliner Senat ein klares Ziel: Man will der Friedrichstraße ein Comeback bescheren, sie zu einem urbanen, attraktiven, modernen und zukunftsfähigen Boulevard mit sichtbaren und wirksamen Veränderungen umgestalten.

Die Parkhäuser in den Nebenstraßen stehen mehr oder weniger leer, und diese will man mit einem neuen Transparenzkonzept neu beleben, um die in der Friedrichstraße parkenden Autos von dort zu verbannen.

Ute Bonde: Masterplan Berlin-Mitte ohne Friedrichstraße

Aus dem Masterplanverfahren zur Neu- bzw. Umgestaltung der Berliner Mitte ist die Friedrichstraße jetzt also raus, so Ute Bonde. Aber was bitteschön ist denn von diesem Masterplan überhaupt schon angefasst und realisiert?

Die Umgestaltung des Checkpoint Charlie, in einem groß angelegten städtebaulichen Dialogverfahren im Jahr 2023 verabschiedet, ist es nicht. Aber von genau diesem touristischen Hotspot mit gut vier Millionen Besuchern jährlich lebt doch dieser nur einhundert Meter entfernte, künstlich gezogene „Grenzstrich Schützenstraße“ und der darum angesiedelte Kiez.

Den Checkpoint Charlie fasst man aber bei dieser Umgestaltung nicht an, das sei eine „eigene Welt“, so Kai Wegner. Ebenso die südliche Friedrichstraße, in der nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg eigentlich nur zwei historische Gebäude stehen geblieben sind und in der man mit der Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts stattgefundenen IBA architektonisch so ziemlich alles falsch gemacht hat – immerhin mit Musterbauten der damaligen Internationalen Bauausstellung.

Die südliche Friedrichstraße bleibt von der Umgestaltung ausgeschlossen

Diese 1,4 Kilometer Straßenlänge von der Schützenstraße bis zum Mehringplatz und die knapp ein Kilometer Straßenlänge von Unter den Linden bis zum Oranienburger Tor sind kein Thema, wenn es um die Umgestaltung der Friedrichstraße geht.

Noch nicht, so Kai Wegner. Zuerst geht es um den Abschnitt Unter den Linden bis Schützenstraße, wo man die Vorschläge der Anrainer und Gewerbetreibenden aufgenommen hat. Ein Musterprojekt soll es also sein, bei dem man schaut, was so machbar ist.

Vorschlag von Architekt Tobias Nöfer: „Überblendung der Friedrichstraße“

Tobias Nöfer, Vorstandsmitglied des AIV, hat dem Berliner Senat den architektonischen Vorschlag zur Umgestaltung der Friedrichstraße auf diesen 1,2 Kilometer langen Straßenabschnitt geliefert.

Er spricht von einer Transformation, einer Überblendung der Straße, indem die Parkplätze beseitigt werden und stattdessen Bäume und Aufenthaltsbereiche mit hoher Grünqualität entstehen sollen. Dafür sollen unter anderem die Fußgängertrottoirs verbreitert werden.

Umgestaltung: Vorerst muss der Untergrund der Friedrichstraße überprüft werden

Das Vorbild eines Schwammstadtprojektes schwebt im Raum, mit grünen Gullys und dementsprechender Regenwasserversickerung. Bevor es so weit ist, muss allerdings erst einmal geprüft werden, ob die unter der Fahrbahn vorhandene Bebauung – unter anderem mit vielen Kabelschächten aufgrund der unter der Straße verlaufenden U-Bahn – dieses Prozedere hergibt.

Obwohl dafür die momentane Straßenbreite von 12,5 Metern auf 7,5 Meter reduziert werden soll, geht Ute Bonde davon aus, dass genug Platz für alle Verkehrsteilnehmer vorhanden sein wird. Eine Machbarkeitsstudie gibt es dazu noch nicht, die wird jetzt aber in Auftrag gegeben, versichert Bonde. Die Hoffnung spielt also mit, aber ist sie tatsächlich ein guter Ratgeber?

Nöfer: Vorbilder Mariahilfer Straße und Champs Élysees

Tobias Nöfer nimmt in seinem Entwurf Bezug auf die Wiener Boulevards Mariahilfer Straße und den Pariser Champs-Élysées, schraubt damit natürlich den Gestaltungsdruck enorm nach oben.
Auch eine Straße mit eingelassenen Lichtspots in den Straßenbelag könnte zu einer Aufwertung des „zukünftigen Boulevards“ auf 1,2 Kilometer Länge führen und nimmt sich das Vorbild Schinkels an, dessen Idee eines Himmels an der Decke des U-Bahnhofs Museumsinsel zu bewundern ist.

Dass dieses vorgestellte Projekt noch nicht in trockenen Tüchern ist, wurde dann durch die im Nachgang zugelassenen Fragen der interessierten Journalistinnen und Journalisten deutlich, denn erst die von Ute Bonde angekündigte Machbarkeitsstudie, mit der Ende 2025 zu rechnen ist, wird Aufschluss darüber geben, wie der Lieferverkehr, der Busverkehr und der in Aussicht gestellte Mischverkehr für alle Verkehrsteilnehmer gestaltet werden soll.

Friedrichstraße: Vor der Umsetzung steht noch eine Machbarkeitsstudie aus

Auch die Vorstellung, die Autofahrer in die Parkhäuser „zu zwingen“, bedarf noch eines schlüssigen Konzeptes, sprich Parkleitsystem. Die im Präsidium der Presseerklärung sitzenden Teilnehmer zeigten sich allesamt davon überzeugt, dass mit der Umgestaltung dieses Straßenabschnittes nach den Plänen von Tobias Nöfer nicht nur die benötigte Aufenthaltsqualität der Friedrichstraße zurückgewonnen werden kann, sondern auch die Attraktivität für Anrainer und speziell Gewerbetreibende wiederbelebt werden kann.

Aber ist nur die Aufenthaltsqualität für eine Wiederbelebung der Friedrichstraße entscheidend? Leider war in der gut einstündigen Veranstaltung nichts zu einer konzeptionellen Neuausrichtung – speziell nach dem Weggang der Galeries Lafayette – zu vernehmen.

Die Friedrichstraße braucht mehr als eine Neuordnung der Verkehrsspuren

Darüber gilt es in gleichem Maße nachzudenken wie über eine architektonische Neugestaltung. Über eine Kostennote wurde natürlich ebenfalls noch nichts verlautbart. Der Entwurf von Tobias Nöfer ist, zweifelsohne, durchaus ansprechend. Doch nun gilt es, dies auch umzusetzen, ohne durch die geplante Studie weitere Jahre ohne sichtbare Ergebnisse ins Land ziehen zu lassen.

Es bleibt abzuwarten, wann das Projekt wirklich starten kann, aber ab sofort nimmt die Projektgruppe ihre Arbeit auf – so versicherte es Kai Wegner. Seltsam war allerdings, dass vom zuständigen Bezirk Mitte kein Verantwortlicher anwesend war.

Die Friedrichstraße heute, mit Parkplätzen links und rechtsVisualisierung Friedrichstraße mit Fahrradverkehr und Bäumen

Aus Parkplätzen sollen breitere Wege und Flächen für Bäumen werden, so der Ansatz von Architekt Tobias Nöfer.

Bodenlichter sollen mehr Leben und Helligkeit in die Friedrichstraße bringen, und Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer. / © Visualisierung: Nöfer Architekten, Astigmatic

© Visualisierung: Nöfer Architekten, Astigmatic

 

Quellen: Senatsverwaltung fürMobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Berliner Morgenpost, Stern, Tagesspiegel, taz, Berliner Zeitung, Verwaltungsgericht Berlin, Nöfer Architekten

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11 Kommentare

  1. Marcel S. 18. November 2025 at 15:04 - Reply

    Die Straße und eigentlich das nähere Umfeld ist unattraktiv, weil es dort außer Büro- und Gewerbeflächen nichts besonderes gibt bei gleichzeitig viel zu utopischen Mietpreisen. Daran werden ein paar Bäume mit Sitzgelegenheiten nichts ändern. Solche unattraktiven Orte gibt es in Berlin relativ viele und es werden mehr. Der Potsdamer Platz ist auch so ein Kandidat.

  2. Böhme 18. November 2025 at 17:42 - Reply

    Mit diesen Maßnahmen wird man die Friedrichstraße nicht retten können. Das Grundproblem ist, dass in der Friedrichstraße keine attraktiven Geschäfte zu finden sind. Und: Die drei Quartiere, die nach dem Fall der Mauer dort statt des damals dort im Bau befindlichen Protzkaufhausbaus (im Volksmund verspottet als aserbeidschanische Tuntenbrosche) errichtet wurden, hatten ja gerade zum Ziel, die „Laufkundschaft“ von der Friedrichstraße in die in den Gebäuden liegende Passage hineinzuholen. Deswegen sind die Schaufenster zur Straße hin ständig durch Eingänge usw. unterbrochen, sodass auf der Straße in dem Bereich kein Flaniergefühl aufkommen kann. Die Leute sollten in der Passage flanieren und konsumieren. Von daher sind die Quartiere städtebaulich für die Friedrichstraße ein Desaster. Weil andererseits umbauter Raum teuer ist, waren die Passagen viel zu kleinteilig und auf mehrere Geschosse angelegt (das untere Geschoss, dass die drei Quartiere über die Straßen hinweg miteinander verband, ist so niedrig, dass man Platzangst bekommen muss) – und nach der Vorstellung der Bauherren auf absolute Luxusgeschäfte ausgerichtet, für die generell in Berlin die Klientel fehlt, für die aber auch das Umfeld nicht attraktiv genug war. Die Edelläden finden sich inzwischen alle am Ku’damm. Hinzu kommen diverse Bauten aus DDR-Zeiten, die ebenfalls nicht auf einladende Schaufenster ausgerichtet waren.

    Zwar bin ich für eine Verbreiterung der Fußwege, aber das Idyll der unter Bäumen sitzenden Besucher von Straßencafés und Restaurants halte ich für illusorisch. Dazu fehlt der Friedrichstraße einfach die Atmosphäre. Wegfallende Parkplätze mögen ein weiteres Problem werden, dass auch nicht mit Verweis auf die Parkhäuser gelöst werden kann. Erst einmal kenne ich genügend Leute, gerade auch Frauen, die äußerst ungern in Tiefgaragen fahren. Darüber hinaus sind die Tiefgaragen in dem Bereich teuer. Vielleicht würde sich das lösen lassen, wenn man die Tiefgaragen kostenlos nutzen könnte.

    Insgesamt gilt, dass Berlin zu viele Einkaufsstraßen und Malls usw. bei deutlich zu geringer Kaufkraft hat.

    Und dieser „Sternenhimmel“ in der Straße ist einfach nur affektiert und albern. Wenn die ersten Lampen ausfallen, ist der Schick dahin – und Geld für Ersatz mal wieder nicht da. Man mag erst einmal die seit Jahren zerstörten Lampen an der Kronprinzenbrücke instand setzen. Schon das bekommt die Stadt bzw. der Bezirk nicht hin!

  3. Löwe 19. November 2025 at 02:57 - Reply

    „Insgesamt gilt, dass Berlin zu viele Einkaufsstraßen und Malls usw. bei deutlich zu geringer Kaufkraft hat.“

    Ich kann nur für mich sprechen, aber bei den meisten Dingen schau ich im Internet. Das kann auch bedeuten das ich zwar im Adidas Geschäft vorbeischaue, aber trotzdem online bestelle. Das Angebot, die Auswahl, das Sortiment ist besser, und ich profitiere wenn ich über meinen Kundenaccount bestelle. Daher vermute ich das die Zeit der großen Shoppingmalls für die meisten Erledigungen vorbei ist, auch wenn die Kaufkraft wieder steigt. Ausnahme sind Angebote für spezielle Anliegen, wie z.B. der Baumarkt, oder wenn ich auf außerhalb auf dem Land wohne.

    Man muß die Menschen über ein breites kulturelles Angebot anlocken, Dinge bieten die man nicht online erleben kann.

    • Böhme 19. November 2025 at 11:11 - Reply

      Ich mache es genau anders herum: Ich schaue im Internet – und kaufe dann mit wenigen Ausnahmen im Laden. Der Fehler der Politik ist, dass der Online-Handel nicht für seine „Umweltschäden“ haftbar gemacht wird. Die Belieferung einzelner Kunden, das endlose Verpackungsmaterial, für das ganze Wälder fallen usw. usf. werden nicht eingepreist, sondern der Allgemeinheit überbürdet. Daran muss man was ändern.

      Und: Ganz Deutschland ist ja eigentlich ein Beamtenland – auch der Nichtbeamte lebt nach dem alten Beamtendreisatz, der da lautet: 1. Das haben wir schon immer so gemacht, 2. das haben wir noch nie so gemacht und 3. da könnt‘ ja jeder kommen. Das ist auch das Problem der Malls und Warenhäuser: Man macht alles so wie man es die letzten 50, 60 Jahre gemacht hat. Gleichzeitig hat man vor den Toren der Städte riesige Einkaufsmalls angelegt, bei denen man kostenlos parken kann, und zwar unmittelbar vor den Geschäften, die man aufsuchen will. Die Verdrängung des Autos aus den Innenstädten gibt daher den dortigen Geschäften den Rest.

      Das ist ja auch genau die Erkenntnis der Geschäftsinhaber in der Friedrichstraße, die in der großen Mehrheit daher auch gegen die Friedrichstraße als Fußgängerzone waren und jetzt gegen die Streichung von Parkplätzen sind. Es ist erstaunlich, wie die Stadt eine Einkaufsstraße beleben gegen den Rat und die Erfahrung der Geschäftsinhaber!?! Und man kann und wird aus der Friedrichstraße auch keinen Raum für Außengastronomie machen. Die Mieten für Gastronomie werden sich nur Ketten leisten können. Wer soll dort essen? Die Berliner eher nicht. Und Touristen? Was sollen die dort, wenn es keine sonstigen attraktiven Geschäfte gibt?

      Den Ku’Damm hat man belebt, indem man die Außengastronomie bis zur Unkenntlichkeit verdrängt hat.

      Und der Beleuchtungsblingbling in der Fahrzeugoberfläche wird viel kosten und überhaupt nichts bringen. Wer will eigentlich zweimal täglich über die Straße fahren, um diese sauber zu halten, damit das „Leuchtensemble“ überhaupt zur Geltung kommt? Und was ist bei Regen, erst bei Schnee und Schneematsch und gestreutem Splitt? Das sieht auf dem Papier alles gut aus, im Original bleibt wenig von dem gezeichneten atmosphärischen übrig. Schönes Beispiel ist ja das ehemalige Galeries Lafayette. Auf den Zeichnungen war die Glasfassade ein ganz lichter Bau, im Original nach Geschäftsschluss war es eine dunkle „Räuberhöhle“. Hinzu kam, dass Vorstellungen der Architekten an der Kleinkrämerseele deutscher Kaufleute scheiterten. So sollten ja die Glasstreifen zwischen den Etagen dicht an dicht mit Werbung von Firmen, deren Produkte in dem Haus angeboten wurden, mit deren Leuchtreklame gefüllt werden. Mit wenigen Ausnahmen passierte da nichts. Oder denken wir an den O.M.-Pei-Bau mit seinen beleuchteten Fassadenteilen als Reminiszenz an das in Berlin begonnene Neonleuchtenzeitalter. Noch vor der Insolvenz wurde die Beleuchtung ab 22:00 Uhr abgeschaltet, seit der Insolvenz leuchtet da überhaupt nichts mehr.

  4. Ewald Karl 19. November 2025 at 18:22 - Reply

    Als die Friedrichstraße autofrei war, war sie zumindest im Sommer ein durchaus belebter Ort. Schade, dass die Hetze der Springer-Presse und eine Weinladenbesitzerin aus einer Nachbarstraße das zunichte gemacht haben.

    • Anwohnerin Leipziger 20. November 2025 at 12:53 - Reply

      Dem stimme ich zu. Entgegen den Vorrednern wohne ich in der Leipziger Straße, arbeite am Potsdamer Platz und lebe in Mitte. Ich halte mich hier also 24h auf und fahre nicht nur durch oder komme alle paar Wochen für kurze Zeit her.
      Als die Straße gesperrt war, war sie voller Leben. So viele Menschen haben entspannt ihre Mittagspause auf der Friedrichstraße verbracht, Kinder haben gespielt, die Menschen einfach dort den Tag genossen. Und das trotz Corona Zeiten.
      Die Verweilzeiten (über Mobiltelefon festgestellt) vor Ort sind deutlich gestiegen. Mehr Verweilzeit bedeutet, dass mehr Geld vor Ort bleibt. Hinzu kommen aktuelle Studien, welche belegen, dass Parkplätze in der Nähe (ca. 1 km) förderlich für Geschäfte sind, während Parkplätze direkt vor der Tür sich negativ auf den Umsatz auswirken. Folglich ist eine Verlegung des ruhenden Verkehrs in Parkhäuser wirtschaftlich sinnvoll. Hinzu kommt: wenn wir Menschen in Hochhäusern „stapeln“, warum dann nicht auch die Autos.
      Unterschätzt wird auch von vielen Außenstehenden die schiere Masse an Fußgängern (Anwohner, Arbeitenden die mit U2 und U6 anfahren, sehr sehr viele Touristen,…), die in Mitte unterwegs sind. Ebenerdig.
      Dazu möchten Gastronomen eine lukrative Außengastronomie anbieten. Der „leicht fröstelnde Berliner in dicker Jacke, der bei dem ersten Sonnenstrahl draußen sitzt“ (Radio Spree Bericht Wetter), ist weit verbreitet.
      Durchfahrten machen keinen Sinn angesichts der Autobahn(teil-)ringe. Sie bringen der örtlichen Wirtschaft (Friedrichstraße) nichts. Die halten nicht an. Sinnvoll wäre ein Innenstadtkern, in welchem man nur rein oder in gleicher Richtung raus, aber niemals durch fahren kann. Dann hat man genug Platz für diejenigen, die wirklich hin wollen und auch Umsatz bringen.
      Nimmt man nun hinzu, dass Häuser durch Rettungskräfte, Geheingeschränkte und ähnliches erreichbar sein müssen, ergibt sich für den fahrenden Verkehr eine Mindestausstattung mit Einbahnstraße und maximal Tempo 30, welche jedoch nicht an allen Seiten von Gebäudeblocks sein müssen. Reine Fußgängerbereiche sind an bis zu 3 Seiten möglich um die Mindestanforderung zu erfüllen.
      Rechnet man diese Faktoren alle zusammen, spricht nichts dagegen die gesamte Friedrichstraße zu sperren um diese Interessen alle gegeneinander auszugleichen. Viele Städte weltweit haben das bereits erfolgreich und nachweislich umgesetzt.

      • Böhme 21. November 2025 at 02:42 - Reply

        Ich war regelmäßig in der Friedrichstraße mit dem Versuch einer „Fußgängerzone“ unterwegs … und da war entgegen Ihrer Auffassung überhaupt kein Leben! Sie betreiben das übliche Nimby-Dasein! Sie wohnen dort und wollen Ruhe! Mitten in einer knapp 4-Mio.-Einwohner-Stadt! Ziehen Sie nach Kleinkleckersdorf – dort haben Sie Ruhe! Nicht umsonst wollten die Gewerbetreibenden ein Ende dieser „Verkehrsberuhigung“. Ich empfinde Ihre Einstellung als reichlich egoistisch. Das ist auch schon deswegen ärgerlich, weil Sie offensichtlich reichlich privilegiert sind, denn wer kann sich im Bereich der Friedrichstraße eine Wohnung leisten!

        • Anwohnerin Leipziger 21. November 2025 at 19:49 - Reply

          Das ist lediglich eine Unterstellung Ihrerseits.
          Ich war und bin regelmäßig an der Friedrichstraße. Das war meine Erfahrung, ob Sie Ihnen gefällt oder nicht.

        • Chris Da 21. November 2025 at 20:08 - Reply

          Andere Meinungen akzeptieren. Das würde ich mir in der Diskussion sehr wünschen.
          Es gibt in einer Stadt eine Vielzahl an Stakeholdern mit unterschiedlichen Interessen, die teilweise kollidieren. Es gilt hier einen fairen Ausgleich zwischen allen Interessen zu finden. Dafür müssen wir alle zuhören und die Meinungen anderer gleichwertig zulassen.
          Zudem empfehle ich die wissenschaftlich bewerteten internationalen Erfahrungen wie in Barcelona oder Kopenhagen einfließen zu lassen. Dort hat man erwiesenermaßen Maßen gute Möglichkeiten für moderne Stadtentwicklung in einer sich wandelnden Zeit gefunden.
          Auch ich bin Anwohnerin an der Leipziger Straße und bestätige das Bild: als die Friedrichstraße geschlossen war, waren viele Leute dort unterwegs, zum Essen und Schlendern.

        • Martina 22. November 2025 at 21:24 - Reply

          Herr Böhme,

          Sie unterstellen mir „reichlich priviligiert“ zu sein.
          Ich stamme aus einer normalen Arbeiterfamilie aus strukturschwacher Gegend, war eine der ersten, der wenigen, die studieren (FH) konnten, aber dafür weit weg ziehen musste. Bin jetzt in der stinknormalen, nicht hohen, Mittelklasse und hatte mit meiner Wohnung an der Leipziger, nicht Friedrichstraße, ein riiiesen Glück vor 10 Jahren.

          Darf ich nun Sie fragen, wie priviligiert Sie sind, da Sie sich anscheinend ein Auto leisten können?

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