Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat einen EU‑weiten Wettbewerb zur gestalterischen Inwertsetzung des Lutherdenkmals in Berlin‑Mitte ausgelobt. Das Projekt ist Teil größerer Planungen im historischen Zentrum um Rathaus‑ und Marx‑Engels‑Forum.

Lutherdenkmal Berlin

Das Lutherdenkmal vor der Marienkirche, dessen zentrale Statue nach Kriegszerstörungen erhalten blieb, soll im Rahmen des neuen EU‑weiten Wettbewerbs künstlerisch und städtebaulich neu in Szene gesetzt werden. / © Foto: Wikimedia Commons, Lear 21, CC BY 4.0

© Titelbild: Wikimedia Commons, Gerd Eichmann, CC BY 4.0

ANZEIGE

 

Vor der Marienkirche in Berlin‑Mitte soll das Lutherdenkmal neu in Szene gesetzt werden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hat am 4. Februar 2026 ein EU‑weites Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb veröffentlicht, das Architektinnen und Architekten, Landschaftsplanerinnen und Künstler gleichermaßen anspricht.

Ziel ist es, Konzepte zu finden, die das Wirken Martin Luthers thematisch und künstlerisch aufgreifen, aber zugleich die Präsenz des Denkmals im urbanen Raum stärken. Die Bewerbungsfrist endet am 6. März 2026; Informationen zum Wettbewerbsverfahren und zur Bewerbung sind über die Berliner Vergabeplattform abrufbar.

ANZEIGE

Die Ausschreibung umfasst nicht nur gestalterische Ideen, sondern auch Aspekte der restauratorischen Sicherung der bestehenden Elemente des Denkmals. Auf Grundlage des Siegerentwurfs soll die Grün Berlin GmbH den Realisierungsteil umsetzen. Gleichzeitig sollen Anregungen aus dem Ideenwettbewerb in die Planung des größeren städtebaulichen Umfelds einfließen.

Lutherdenkmal wird Teil der Gesamtmaßnahme Rathausforum / Marx‑Engels‑Forum

Die Inwertsetzung des Lutherdenkmals ist Teil der städtebaulichen Förderung für den Bereich Berliner Mitte, wie sie der Senat im August 2025 im Rahmen des Programms „Lebendige Zentren und Quartiere“ aufgenommen hat. Diese läuft parallel zu umfangreichen Umgestaltungsarbeiten im historischen Zentrum der Stadt, etwa am Rathaus‑ und Marx‑Engels‑Forum zwischen Fernsehturm, Spreeufer und Rotem Rathaus.

Dort werden bestehende Freiflächen neu strukturiert, barrierefreie Zugänge geschaffen und Aufenthaltsqualitäten verbessert; die Arbeiten sollen bis 2027 fortschreiten und basieren auf einem internationalen Wettbewerb und langjähriger Beteiligung.

ANZEIGE

Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

11 Kommentare

  1. a.t. 16. Februar 2026 at 14:26 - Reply

    Herrlich wie so unterschiedliche Maßstäbe angesetzt werden. Dem Beuth ging es namensgebend an der TFH an den Kragen, weil er Antisemit war. Der Luther, der viel krassere Sachen vom Stapel gelassen hat, wird „neu in Szene gesetzt“…und Le Corbusier, der auch in diese Reihe par excellence paßt, ist der unantastbare Architektenheilige.

    Oder beim „Neu-In-Szene-Setzen“ würde man einen Teufel tun, den Luther 500m weiter weg zu platzieren, aber der Neptun-Brunnen, der architektonisch wie historisch untrennbar zum Stadtschloss gehört, bleibt in einem modernen Ensemble stehen und das Stadtschloss bekommt dafür einen moderne Anlage…und dafür gibt man auch gerne Steuergeld aus, obwohl man die richtige Variante Spenden finanziert bekommen würden und Architekten sich wesentlich mehr im Dunstkreis des Alex austoben könnten als zwischen Hans Eisler und Stadtschloss.

    • Löwe 17. Februar 2026 at 07:56 - Reply

      „..Luther, der viel krassere Sachen vom Stapel gelassen hat..“

      Damit sind wohl seine Aussagen hier gemeint, „Luthers Positionierung im Bauernkrieg (1524–1525)“ https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther

      • a.t. 19. Februar 2026 at 20:37 - Reply

        Ich meine eher seine Äußerungen bzw. konkrete Forderung gegenüber Juden ab dem Jahr 1543 als geistige Brandstiftung par excellence… worunter solche „Perlen“ wie „ „dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke“ waren. Zeitlicher Kontext hin oder her, das ist der geistige Überbau, aus dem jeder Nazi und Islamist seine Legitimation zog und noch zieht. Warum sollte man sowas „Neu-In-Szene-Setzen“? Da wurden schon für viel weniger Denkmale oder Straßennamen entfernt.

        • Löwe 20. Februar 2026 at 00:14 - Reply

          Wow, und ja das ist alles sehr extrem krass, und auch das man das eher verschweigt, sein deutscher Wikipedia Artikel zumindest! Ich finde es okay wenn das Denkmal bestehen bleibt aber teile nicht die Ansicht der Senatsverwaltung es weiter in Wert zusetzen. Allerdings, ist es wohl eher wichtig es so aufzuwerten das die Kontroverse vermittelt wird die diese Person und seine Tätigkeit umgibt.

          Duck.Ai: „Martin Luther hat in seinen Schriften und Reden im 16. Jahrhundert einige sehr kontroverse und aggressive Äußerungen bezüglich jüdischer Gemeinden gemacht. Besonders in seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ aus dem Jahr 1543 äußerte er sich extrem negativ über das Judentum und forderte Maßnahmen gegen jüdische Synagogen und Schulen.

          Luthers Aufruf, diese Orte zu „verbrennen“, spiegelt die tief verwurzelte antisemitische Haltung seiner Zeit wider und hatte langfristige, verheerende Konsequenzen für die jüdische Gemeinde in Deutschland und darüber hinaus.

          Es ist wichtig, diese Äußerungen im historischen Kontext zu betrachten, jedoch auch ihre schädlichen Auswirkungen auf das Zusammenleben von Juden und Christen zu erkennen. Luthers Ansichten sind heute nicht mehr akzeptabel und werden oft als Beispiel für religiöse Intoleranz und Antisemitismus angeführt.“

          • Löwe 20. Februar 2026 at 12:05

            Ich habe nochmal nachgedacht und finde Personen mit gefestigten menschenverachtenden Ansichten sollte das Recht auf öffentliche Gedenkstätten verwehrt sein. Der Senat macht einen ahnungslosen Eindruck und es läßt tief blicken wenn man dieses „Denkmal“ aufwerten möchte. Stattdessen müßte es ein Gebäude geben wo eine Ausstellung über diese Person berichtet und seinen Einfluß auf die größten Schandtaten in der Geschichte. Einfach nur komplett fucked-up das diese Statue von dieser Person öffentlich als Denker und belesen, gebildet, weise präsentiert wird!

          • M.Hillen 22. Februar 2026 at 16:27

            Das Judentum nur als religiöses Phänomen zu betrachten („religiöse Intoleranz“) ist naiv. Genauso naiv ist es, den Islam nur als religiöses Phänomen zu betrachten. Oder das Christentum. Jede Religion hat auch eine politische Komponente…
            Aber der Deutsche liebt es ja, die Welt naiv zu betrachten. Deshalb wird er die Problematik der millionenfachen Einwanderung von Menschen anderen Glaubens -islamischen Glaubens zum Beispiel- erst begreifen, wenn es zu spät ist.
            Ich persönlich brauche keine millionenfache Einwanderung von Menschen anderen Glaubens nach Deutschland. Bin ich nun religiös intolerant? Nein, nur politisch tausendmal weitsichtiger als unsere politische Führung in den letzten 60 Jahren.
            Was Martin Luther anbelangt: wenn man sein Traktat von 1543 liest („Von den Juden und ihren Lügen“), so ist man schon ziemlich überrascht.. Man könnte meinen, Goebbels habe Jahrhunderte später darin seine Vorlage für seine Hetzreden gegen die Juden gefunden!
            Irgendwie ist mir da der Gedanke gekommen, dass die heutige evangelische Kirche vielleicht deshalb so extrem antideutsche Asylpropaganda ohne jedes Maß betreibt- nach dem Motto: bitte, bitte, bitte lasst uns unseren Luther, gerne schaden wir dafür im Gegenzug Deutschland mit einer maßlosen ProAsylpropaganda … !
            Es muß ja doch einen Grund dafür geben, warum es in der Öffentlichkeit ziemlich unbekannt ist, wie extrem krass (!!!) Luther über Jahre hinweg gegen die Juden von der Kanzel und in seinen Schriften gehetzt hat.

        • Löwe 20. Februar 2026 at 00:29 - Reply

          Und unter diesem Gesichtspunkt ist dieses Denkmal nur Hohn. In meiner Schulzeit stand Luther auch bei uns auf dem Stundenplan und wie selbstverständlich wurde er auch nur als Reformer, also als rein positive Person behandelt, zumindest erinnere ich mich so daran. Einen der größten geistigen Brandstifter als Reformer zu präsentieren, es ist an der Zeit mit einem neuen Umgang damit! Man kann gespannt sein auf die Vorschläge des EU-weiten Wettbewerbs.

          • Böhme 8. März 2026 at 00:55

            Der Antisemitismus zur damaligen Zeit war – europaweit – Allgemeingut, deswegen die Judengassen, deswegen die Beschränkung von Arbeitsrechten für Juden usw. Es ist abstrus, aus der heutigen Sicht das be- und verurteilen zu wollen.

            Nochmals: Luther ist der Begründer der protestantischen Kirche, die sich aus gutem Grunde von der katholischen abgrenzte. Wer an sein Denkmal Hand anlegt, legt Hand an die protestantische Kirche. Gut, irgendwie träfe dann Luther als späte Rache die furchtbare, anmaßende und selbstgerechte protestantische Moralinsäure. So schlösse sich der Kreis.

            Ganz nebenbei: Brandenburg hatte ja 2019 das Fontanejahr gefeiert – und damit völlig ausgeblendet, dass Fontane, der einige Juden als Freunde hatte, absoluter Antisemit war.

            Und wenn man sich mit der Geschichte befasst, es gibt eine Menge Juden, die gleichwohl Antisemiten waren. Luther ist nicht nur elementarer Bestandteil der deutschen, sondern sogar der Weltgeschichte. Mit protestantischer Moralinsäure und dem geforderten ständigen bei sich Tragen des eines Asche, damit man sich in tiefem Schuldbewusstsein als Deutscher ständig Asche aufs Haupt streuen kann, wird man die Geschichte nicht ändern, sondern nur klittern!

  2. Bruno Fobbe 17. Februar 2026 at 19:18 - Reply

    Das alte Denkmal auf rotem Granitsockel war eine der größten Standbild Monumente des alten Berlin. ( Etwa 250 qm Grundfläche )
    Die Anlage hatte eine enorme optische Wirkung auf die Umgebung, ähnlich der des Neptunbrunnen. Bei einer Wiedererrichtung würde sich eine zusätzliche Inwertsetzung erübrigen.
    .

    • M.Hillen 22. Februar 2026 at 17:33 - Reply

      Originale Wiedererrichtung wäre super. Ein Schritt in Richtung Historie und Identität. Und genau deshalb wird wohl leider nichts daraus.. Das Berliner Stadtbild in der historischen Innenstadt soll auch weiterhin nach FrankensteinManier (siehe Dom , Humboldtforum, Nikolaiviertel, Bauakademie, Unter den Linden, Marienviertel, Fischerinsel, Petriviertel usw usw) wiedererstehen: auf dass es nur nicht historisch anmutet oder gar Identität stiften könnte!
      Wer so etwas sucht, der muss ins Ausland gehen: Danzig, Breslau, Warschau …zum Beispiel. In Deutschland gibt es nur ausgesuchte Häßlichkeit mit pädagogischem Zeigefinger… für ein dummes Volk, das mit sich selbst und seiner Historie und Identität NICHTS anzufangen weiß…

  3. M.Hillen 22. Februar 2026 at 20:33 - Reply

    Der Vollständigkeit und Gerechtigkeit wegen: Martin Luther hat ausdrücklich davon gesprochen, dass es einem Christen nicht erlaubt sei, Juden einfach zu töten. Sein politisches Ziel war ganz klar, die Juden aus christlichen (evangelischen) Landen zu vertreiben. Was also den Holocaust betrifft, da konnten sich die Nazis nicht auf Luther berufen. Was den Hass auf die Juden betrifft, da schon. Da bestand kein Unterschied!

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.