Die Mohrenstraße in Berlin-Mitte wird offiziell umbenannt. Nach jahrelangen Debatten und einem abgeschlossenen Gerichtsverfahren ist der Weg frei für die Anton-Wilhelm-Amo-Straße. Damit endet ein langer juristischer Streit und ein umstrittener Straßenname verschwindet endgültig aus dem Berliner Stadtbild.

Nach jahrelangem Rechtsstreit ist die Umbenennung offiziell: Am 6. Juli 2025 wies das Oberverwaltungsgericht die Berufung eines Klägers ab. Das Bezirksamt Mitte kann die Mohrenstraße nun in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenennen. / © Foto: Wikimedia Commons, Grissef, CC BY-SA 4.0

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© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Tomasz Sienicki, CC BY 3.0

 

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Nach langem juristischem Streit ist die Umbenennung der Mohrenstraße in Berlin-Mitte nun rechtskräftig. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg wies am 8. Juli 2025 einen Antrag auf Berufung endgültig ab. Damit bestätigt es das Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin vom Juli 2023 und erklärt die geplante Namensänderung für rechtmäßig. Der Weg für die neue Straßenbezeichnung „Anton-Wilhelm-Amo-Straße“ ist damit frei.

Bereits im Jahr 2021 hatte das Bezirksamt Mitte die Umbenennung angekündigt und per Allgemeinverfügung im Amtsblatt veröffentlicht. Eine Klage eines Anwohners verzögerte das Verfahren über Jahre. Das Verwaltungsgericht Berlin wies die Klage im Juli 2023 ab, da es keinen willkürlichen Eingriff in die Rechte des Klägers erkennen konnte. Der Kläger beantragte daraufhin eine Berufung beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg, ebenfalls ohne Erfolg. Das OVG entschied nun, dass keine ernsthaften Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Urteils der Vorinstanz bestehen. Die Bezeichnung „Mohr“ sei aus Sicht des Bezirks nachvollziehbar als rassistisch problematisch eingestuft worden.

Symbolischer Schildwechsel vor Gerichtsentscheid — Aktivisten setzten Zeichen für Umbenennung

Noch bevor das Urteil rechtskräftig war, tauschten Aktivistinnen und Aktivisten im Juni 2025 die Schilder der Mohrenstraße gegen solche mit der neuen Bezeichnung aus. Die Aktion erregte mediale Aufmerksamkeit, war jedoch nicht offiziell autorisiert. Das Bezirksamt stellte klar, dass die Umbenennung zu diesem Zeitpunkt noch ausgesetzt sei. Erst jetzt wird die Maßnahme umgesetzt.

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Seit Jahren fordern Initiativen wie der Afrika-Rat und Each One Teach One die Umbenennung der Straße. Sie kritisieren den Begriff „Mohr“ als rassistisch und kolonialistisch. Auch die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland begleitete den Prozess über Jahre hinweg kritisch.

Straßenname als Signal: Der Bezirk würdigt einen Schwarzen Gelehrten des 18. Jahrhunderts

Der neue Straßenname erinnert an Anton Wilhelm Amo, einen afrikastämmigen Philosophen des 18. Jahrhunderts. Amo lehrte unter anderem in Halle und Berlin und gilt als erster Schwarzer Universitätsdozent in Deutschland. Der Bezirk versteht die Namenswahl als Zeichen gegen Rassismus und für eine inklusive Erinnerungskultur.

Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger erklärte, sie sei froh, dass die Umbenennung nun umgesetzt werden könne. Es handele sich um einen notwendigen Schritt im Umgang mit Deutschlands kolonialer Vergangenheit. Gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Organisationen werde derzeit eine feierliche Einweihung geplant.

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Umbenennung als Teil eines langfristigen gesellschaftlichen Aushandlungsprozesses in Berlin

Die Auseinandersetzung um die Mohrenstraße steht exemplarisch für den Umgang Berlins mit kolonialen Kontinuitäten im Stadtraum. Bereits seit 2004 wird eine Umbenennung gefordert. Inzwischen sind rund 25 Straßen und Plätze in Berlin neu benannt worden, viele mit rassistischen oder kolonialen Bezügen. Auch die geringe Sichtbarkeit Schwarzer Persönlichkeiten im öffentlichen Raum ist Teil der Debatte.

Der Fall zeigt, wie langwierig und komplex erinnerungspolitische Entscheidungen in einer demokratischen Stadtgesellschaft sein können, insbesondere dann, wenn juristische Verfahren notwendig sind. Nun steht fest: Die Mohrenstraße gehört der Vergangenheit an.

Quellen: Bezirksamt Mitte, Berliner Morgenpost, Tagesspiegel

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