Berlin hat innerhalb eines Jahrzehnts mit der Schulbauoffensive 41 neue Schulgebäude, 119 modulare Ergänzungsbauten und 62.000 neue Schulplätze geschaffen. Damit ist die Hauptstadt bundesweit führend bei Investitionen in den Schulbau.

In Marzahn entstanden neue Schulgebäude im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive unter anderem in der Bruno-Baum-Straße.

In Marzahn entstanden neue Schulgebäude im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive unter anderem in der Bruno-Baum-Straße. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

ANZEIGE

Berlin hat in den vergangenen zehn Jahren eines der größten Schulbauprogramme Deutschlands umgesetzt. Die Berliner Schulbauoffensive umfasst Neubau, Sanierung, Erweiterung und modulare Ergänzungsbauten. Tausende Schulplätze wurden geschaffen. Offizielle Zahlen zeigen: Die Fortschritte sind deutlich, doch der zusätzliche Bedarf an Schulplätzen bleibt hoch.

  • Programm: Schulbauoffensive Berlin
  • Programmstart: 2016
  • Neue Schulgebäude: 41 bis Schuljahresbeginn 2026/2027
  • Modulare Ergänzungsbauten: 119
  • Neue Schulplätze: 62.000
  • Fehlende Schulplätze: 26.100
  • Sporthallen: 76 fertiggestellt
  • Investitionen: bisher rund 7 Milliarden Euro

Berlin hat seit Beginn der Berliner Schulbauoffensive 2016 insgesamt rund 160 neue Schulgebäude gebaut, davon 41 neue Schulen und 119 modulare Ergänzungsbauten. Nach Angaben der Senatsverwaltung entstanden dadurch bis zum Schuljahresbeginn 2026/2027 rund 62.000 neue Schulplätze. Hinzu kommen 76 fertiggestellte Sporthallen.

Investition in Bildung: 840 aktuelle Bau-Projekte an Berliner Schulen

Die Berliner Schulbaukarte listet insgesamt rund 840 Projekte an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen auf. Dazu zählen neben dem Neubau und der Erweiterung auch Umbau, Reaktivierung, Sanierung, Modernisierung, Instandsetzung und temporäre Maßnahmen.

ANZEIGE

Der Hintergrund ist ein stark gestiegener Bedarf. Im Sachstandsbericht zur Schulbauoffensive schreibt die Senatsverwaltung, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen seit dem Schuljahr 2012/2013 um mehr als 70.000 gestiegen sei. Besonders die Schuljahre 2015/2016 und 2022/2023 verzeichneten durch den Zuzug geflüchteter Menschen überdurchschnittliche Anstiege.

Bautafel mit Informationen zum Neubau einer Grundschule in der Peenestraße in Altglienicke im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive.

Eine Bautafel informiert über den Neubau der Grundschule in der Peenestraße im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Dr. Torsten Kühne, Staatssekretär für Schulbau und Schuldigitalisierung, erklärte bei der Grundsteinlegung für die neue Schule in der Peenestraße in Altglienicke, die Schätzungen vor zehn Jahren hätten einen zusätzlichen Bedarf an Schulplätzen von rund 60.000 für realistisch gehalten.

ANZEIGE

Heute läge der Bedarf nach dieser Einschätzung eher bei 70.000 Plätzen, auch wegen internationaler Krisen und ihrer Folgen für Berlin. Der offizielle Bericht nennt für 2025 sogar ein strukturelles Defizit von 26.100 Plätzen.

Berlin liegt beim Schulbau im Bundesvergleich weit vorn

Vielleicht auch deshalb nimmt Berlin im bundesweiten Vergleich eine Sonderrolle ein. GeoMap untersuchte 2022 den Bestand an Schulen und Schulbauprojekte mit Fertigstellung bis 2025. Danach gab es in Deutschland insgesamt 31.955 Schulen. Nordrhein-Westfalen lag mit 5.812 Schulen vorn, gefolgt von Bayern mit 4.974 und Baden-Württemberg mit 4.829 Schulen.

Berlin führte demnach bei den Schulbauprojekten deutlich: GeoMap zählte 48 Projekte mit Fertigstellung bis 2025. Leipzig folgte mit 17 Projekten auf Platz zwei, Frankfurt am Main mit 14 auf Platz drei.

ANZEIGE

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die PwC-Analyse zu Schulneubauten in Deutschland. PwC untersuchte im September 2025 die zehn größten deutschen Städte: Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart, Essen, Dortmund, Leipzig und Düsseldorf. In diesen Städten identifizierte PwC mehr als 390 fertiggestellte, laufende oder geplante Schulneubauprojekte seit 2020.

Der Erweiterungsbau der Fritz-Kühn-Schule in Altglienicke in Holzbauweise an der Kalker Straße kurz vor Fertigstellung

Der Erweiterungsbau an der Kalker Straße in Altglienicke ist im Holzbau nahezu fertiggestellt und ergänzt den Schulstandort der Fritz-Kühn-Schule. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Kosten der Schulbauoffensive in Berlin in Milliardenhöhe

Für Berlin nennt PwC mehr als 130 Schulneubauprojekte im betrachteten Zeitraum 2020–2025. Damit steht Berlin innerhalb der Analyse deutlich im Mittelpunkt des deutschen Schulneubaus. Danach kommen München (44) und Hamburg (43).

PwC weist zugleich darauf hin, dass der Markt für Schulimmobilien noch wenig transparent sei, weil viele Kommunen Kosten und Projektstände nicht einheitlich veröffentlichen.

Berlin will langfristig ein ausgewogenes Schulnetz schaffen

Berlin veröffentlicht dagegen vergleichsweise viele Daten zu Projekten und Kosten transparent. Die Senatsverwaltung nennt bisher rund sieben Milliarden Euro Investitionssumme. Diese Summe umfasst nicht nur Neubau, sondern auch Erweiterung, Sanierung und weitere Maßnahmen im Schulbestand.

Für die Umsetzung arbeiten mehrere Stellen zusammen: die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, die Bezirke, die BIM Berliner Immobilienmanagement und die landeseigene HOWOGE. Ziel ist ein langfristig tragfähiges und regional ausgewogenes Schulnetz.

Rohbau der Gemeinschaftsschule Adlershof mit Gerüsten und Baufortschritt im Bezirk Treptow-Köpenick.

Gerüste umgeben den Schulneubau in Adlershof, während die Fassadenarbeiten voranschreiten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Neubau bleibt wichtig beim Berliner Schulbau

Die HOWOGE spielt vor allem bei großen Neubau- und Sanierungsprojekten eine zentrale Rolle. Nach ihrem Konzernbericht 2024 übernimmt sie auf Grundlage eines Rahmenvertrags mit dem Land Berlin den Neubau von 27 Schulen, darunter sieben Holzmodulbauschulen, sowie die Sanierung von elf Schulkomplexen.

Das Investitionsvolumen beträgt mehr als fünf Milliarden Euro. Die Finanzierung läuft über Gesellschafterdarlehen, Landesbürgschaften und Forfaitierung.

Effiziente Holzmodulbauweise ermöglicht schnelle Fertigstellung neuer Schulgebäude

Die Zahlen zeigen, dass Berlin im Neubau schneller vorankommt als viele andere Großstädte. Auch, weil durch den Einsatz effizienter, industrieller Holzmodulbauweise Schulgebäude mitunter in eineinhalb Jahren fertiggestellt werden können.

Gleichzeitig löst der Neubau allein nicht alle Probleme. Denn der Bedarf ist noch lange nicht gedeckt. PwC nennt aktuell ein Defizit von 26.000 Schulplätzen in Berlin. Damit steht die Hauptstadt trotz hoher Neubauzahlen weiter unter Druck. Und parallel zu den neuen Schulgebäuden müssen auch die entsprechenden Kapazitäten für neue Lehrkräfte geschaffen werden.

 

Quellen: Aktueller Sachstand Berliner Schulbauoffensive (BSO), IBB, HOWOGE, GeoMap, PwC Studie, Die Berliner Schulbauoffensive

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

One Comment

  1. Max H. 14. Mai 2026 at 17:24 - Reply

    Das ist ja auch mal eine schöne Abwechslung, dass Berlin in der Bildungspolitik auch mal Vorreiter sein kann. Das ganze ist aber auch extrem wichtig, Berlin ist ein Hafen für Flüchtlinge und Migranten, die Integration ist ein gigantischer Kraftakt. Schulen sind für die Integration der mit astronomischem Abstand wichtigste Teil. Wenn man sich in Berlin also das Ziel setzt, migrantisch geprägte Parallelgesellschaften in Zukunft besser zu verhindern, muss die Integration auf Bildungsebene gelingen und ein sozioökonomisches Ankommen in unserer Gesellschaft ermöglicht werden. Das geht nur mit intakten, modern ausgerüsteten und leistungsfähigen Schulkapazitäten überall in der Stadt.

    Dass die Berliner Schulbauoffensive so langsam ihre Stärken zeigt, ist extrem wichtig und an der Zeit. Spitzenforschung in Mitte, Dahlem, Adlershof, Charlottenburg oder Buch ist wichtig, schön und gut, aber was Berlin wirklich ganz dringend braucht, ist grundständige und erweiterte Bildung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Breite und das auf einem Niveau, das sich sukzessive dem Bildungsniveau der deutlich stärkeren Bundesländer annähert.

    Die Schulbauoffensive ist das physische Fundament dafür, dass das gesamte Berliner Schulbildungssystem sich langfristig modernisiert und qualitativ verbessert. Ich bin zuversichtlich.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.