Der Reichstag in Berlin ist eines der bekanntesten Gebäude Deutschlands. In den 1990er Jahren wurde er innerhalb von nur vier Jahren umfassend umgebaut und zum Sitz des Deutschen Bundestages transformiert. Heute gilt die von Norman Foster entworfene Glaskuppel als Symbol der geeinten Republik und zieht Millionen Besucherinnen und Besucher an.

Reichstagsgebäude Berlin (1990), Deutschland - vor dem Umbau zum heutigen Bundestag

Vor Beginn des Umbaus war das Reichstagsgebäude zwar in den 1960er Jahren saniert, doch wurde es nicht als Parlament genutzt. Erst nach dem Hauptstadtbeschluss von 1991 wurde entschieden, den Bau umfassend für den Bundestag zu modernisieren. / © Foto: Wikimedia Commons, Dietmar Rabich

© Titelbild: IMAGO / Rüttimann

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Der Umbau des Reichstagsgebäudes zählt zu den bedeutendsten Bauprojekten der Nachwendezeit, denn in nur vier Jahren wurde aus dem historischen Monument ein modernes Parlamentsgebäude. Als der Bundestag 1991 beschloss, seinen Sitz von Bonn nach Berlin zu verlegen, stand die Frage nach dem künftigen Parlamentsgebäude im Raum. Der Reichstag, 1894 eröffnet, war seit dem Zweiten Weltkrieg beschädigt und nur eingeschränkt genutzt worden. In den 1960er Jahren hatte Paul Baumgarten ihn zwar saniert, doch er diente nicht als Parlament.

Mit der Wiedervereinigung sollte das Gebäude nun zum zentralen Ort der neuen Republik werden. Es war klar, dass der Umbau nicht Jahrzehnte dauern durfte, sondern in kurzer Zeit umgesetzt werden musste. Damit begann ein Planungsprozess, der von Anfang an unter großem Zeitdruck stand und international Aufmerksamkeit erregte.

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Wettbewerb und Entscheidung für den Ausbau des Reichstags: Architekten im Spannungsfeld von Politik und Symbolik

1992 wurde ein internationaler Wettbewerb ausgelobt, um den Reichstag für seine neue Rolle zu gestalten. Drei Büros kamen in die engere Auswahl: Norman Foster aus London, Santiago Calatrava aus Valencia und Pi de Bruijn aus Amsterdam. Während Calatrava eine neue Kuppel vorschlug und de Bruijn eine Erweiterung plante, sah Foster zunächst ein großflächiges Glasdach ohne Kuppel vor.

Die Jury konnte sich nicht auf einen Sieger festlegen, sodass die Politik entscheiden musste. Im Jahr 1993 sprach sich der Ältestenrat des Bundestages für Foster aus, allerdings unter der Bedingung, dass doch eine Kuppel errichtet wird. Foster entwickelte daraufhin zahlreiche Varianten, bis eine Lösung gefunden war. Diese politische Einflussnahme verkürzte zwar den Entscheidungsprozess, machte aber auch deutlich, wie stark Symbolik und Zeitdruck den Umbau prägten.

Bauzeit des Bundestagsgebäudes von 1995 bis 1999: Ein Mammutprojekt in nur vier Jahren

Der eigentliche Umbau begann im Juli 1995. Innerhalb von nur vier Jahren wurde der Reichstag vollständig entkernt und neu aufgebaut. Die Bauarbeiten umfassten hochkomplexe Eingriffe, da historische Teile wie die Außenmauern erhalten werden sollten, während im Inneren moderne Büroflächen, Technik und ein neuer Plenarsaal entstanden.

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Trotz der enormen Aufgaben gelang es, den straffen Zeitplan einzuhalten. Bereits im April 1999 konnte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse den Schlüssel entgegennehmen. Damit war der Umzug des Bundestages offiziell abgeschlossen, und das Parlamentsgebäude stand pünktlich zum Regierungsumzug bereit. Die Geschwindigkeit des Projekts war bemerkenswert, wenn man die Größe, Komplexität und Bedeutung des Bauwerks bedenkt.

Architektur und Technik im Bundestagsgebäude am Platz der Republik: Historische Spuren und moderne Lösungen

Norman Fosters Entwurf setzte auf eine Verbindung von Geschichte und Moderne. Außen blieb der wilhelminische Charakter des Baus erhalten, innen entstanden moderne Strukturen für ein Arbeitsparlament. Besonders hervorzuheben ist, dass Spuren der Vergangenheit bewusst sichtbar gelassen wurden, etwa die kyrillischen Inschriften sowjetischer Soldaten von 1945.

Die bekannteste Neuerung ist die Glaskuppel, die 23,5 Meter hoch und 40 Meter breit ist. Sie dient sowohl der Belichtung als auch der Belüftung des Plenarsaals und wurde zu einem zentralen Symbol. Besucherinnen und Besucher können über spiralförmige Rampen auf die Aussichtsplattform steigen und dabei den Blick auf Berlin und ins Innere des Parlaments genießen.

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Der Umbau des Reichstagsgebäudes in Zahlen: Kosten, Bauzeit und städtebauliche Folgen für Berlin

Der Umbau kostete rund 319 Millionen Euro und umfasste eine Bruttogrundfläche von 61.000 Quadratmetern. Im Zentrum des Baus entstand der neue Plenarsaal mit Platz für Abgeordnete und Gäste. Ergänzt wurde er durch Büros, Fraktionsräume und eine Presselobby. Im April 1999 nahm Bundestagspräsident Wolfgang Thierse den Schlüssel entgegen und vollzog damit den offiziellen Umzug von Bonn nach Berlin.

Das Reichstagsgebäude bildet seitdem den Mittelpunkt des neu gestalteten Regierungsviertels. In direkter Nachbarschaft entstanden das Paul-Löbe-Haus und das Bundeskanzleramt, die zusammen ein architektonisches Ensemble bilden.

Während die Neubauten Macht und Funktionalität betonen, steht der Reichstag für Transparenz und Bürgernähe. So ist er bis heute nicht nur Arbeitsplatz für Abgeordnete, sondern auch eines der meistbesuchten Wahrzeichen Berlins.

Berlin, Reichstag

© Foto: IMAGO / Gueffroy

Plenarsaal im Bundestag, Berlin

Im Zuge des Umbaus erhielt der Reichstag einen völlig neuen Plenarsaal mit 1.200 Quadratmetern Fläche. Die halbrunde Sitzordnung und moderne Technik verbinden Funktionalität mit der Idee einer offenen, demokratischen Architektur. / © Foto: Wikimedia Commons, Steffen Prößdorf

Kuppel des Bundestagsgebäudes, Berlin

Die 23,5 Meter hohe Glaskuppel von Norman Foster wurde zwischen 1995 und 1999 errichtet. Sie ist nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern auch ein Symbol für Transparenz, da Besucherinnen und Besucher von den Rampen aus direkt in den Plenarsaal blicken können. / © Foto: Wikimedia Commons, Ank Kumar

Quellen: wa wettbewerbe aktuell, Deutscher Bundestag, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, BauNetz

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