Die Planungen zur Wiederinbetriebnahme der Siemensbahn in Berlin-Spandau schreiten voran. Eine vollständige Finanzierungszusage des Landes Berlin sichert die nächsten Projektschritte ab und soll einen realistischen Start der Bauarbeiten ab 2026 ermöglichen.

Verwilderte Infrastruktur der Siemensbahn: Die Gleise sind größtenteils überwuchert. Für die Wiederinbetriebnahme bis 2029 muss die Trasse freigeräumt, ökologisch ausgeglichen und vollständig neu aufgebaut werden. / © Foto: Siemensbahn / VBB, Stapf
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Siemensbahn in Berlin-Spandau soll bis Ende 2029 wieder in Betrieb gehen. Mit der Unterzeichnung neuer Verträge zwischen dem Land Berlin, der DB InfraGO AG und der DB Energie GmbH ist nun die Finanzierung der Planungsleistungen gesichert. Diese Vereinbarungen umfassen die vollständige Finanzierung der Leistungsphasen eins bis fünf. Damit steht fest, dass alle planerischen Arbeiten bis zur baulichen Ausführungsreife bezahlt werden können.
Das Land Berlin trägt diese Kosten allein. Die Reaktivierung wird nach dem Prinzip der integrierten Projektabwicklung organisiert, einem kooperativen Modell, das frühzeitig alle Projektbeteiligten einbindet. Aktuell läuft die Auswahl geeigneter Partner für verschiedene Aufgabenbereiche wie Neubauten, Instandsetzungen und die Planung der Verkehrsanlagen. Da hier europäische Vergaberichtlinien gelten, nimmt dieser Prozess einige Monate in Anspruch.
Verkehrsanbindung für neues Stadtquartier: Siemensbahn als Rückgrat der Siemensstadt Square
Die Siemensbahn ist Bestandteil eines größeren städtebaulichen Zusammenhangs. Der neue Stadtteil „Siemensstadt Square“, dessen Bau im Juni 2024 begonnen hat, soll nach seiner Fertigstellung Platz für mehrere tausend Beschäftigte schaffen. Eine funktionierende Anbindung an das Berliner S-Bahnnetz ist daher unverzichtbar. Die reaktivierte Bahnlinie soll künftig eine direkte Verbindung von Gartenfeld über Jungfernheide zur Ringbahn und darüber hinaus zum Berliner Hauptbahnhof und Flughafen BER schaffen.
Um den ambitionierten Zeitplan einhalten zu können, hatte der Berliner Senat bereits rund 36 Millionen Euro in vorbereitende Maßnahmen investiert. Dazu zählen unter anderem Umweltprüfungen, Vermessungen und die Räumung von Kampfmitteln entlang der alten Trasse. Diese Vorarbeiten sind nötig, um vor dem offiziellen Baubeginn 2026 möglichst viele Hindernisse zu beseitigen.
Historische Grundlage der Bahntrasse: Siemensbahn bleibt durch Denkmalschutz rechtlich erhalten
Die Siemensbahn wurde ursprünglich zwischen 1927 und 1929 durch die Firma Siemens und Halske gebaut, um das Werksgelände in der Siemensstadt mit dem Berliner S-Bahnnetz zu verbinden. Die elektrische Hochbahn verlief über rund viereinhalb Kilometer von Jungfernheide nach Gartenfeld. Bereits damals diente die Strecke vor allem dem Berufsverkehr der Werksbeschäftigten.
Nach ihrer Stilllegung im Jahr 1980 blieb die Strecke rechtlich bestehen, da nie ein formales Verfahren zur Aufgabe der Bahnlinie eingeleitet wurde. Teile der Trasse stehen heute unter Denkmalschutz, wodurch ein Abriss ausgeschlossen ist. Diese rechtliche Ausgangslage bildet eine wichtige Grundlage für die heutige Reaktivierungsplanung.
Perspektivische Erweiterung: Siemensbahn soll langfristig bis Hakenfelde verlängert werden
Derzeit konzentrieren sich alle konkreten Planungen auf die Reaktivierung der ursprünglichen Siemensbahn-Strecke zwischen Jungfernheide und Gartenfeld, die rund 4,5 Kilometer lang ist. Für eine mögliche Verlängerung bis Hakenfelde liegt bislang keine verbindliche Planung vor. Allerdings wurde im Rahmen des Infrastrukturprojekts „i2030“ eine europaweite Machbarkeitsstudie ausgeschrieben, um mögliche Streckenverläufe und neue Haltepunkte über Gartenfeld hinaus zu prüfen. Ergebnisse dieser Untersuchung sind bislang nicht veröffentlicht worden.
Der offizielle Baubeginn ist für das Jahr 2026 vorgesehen. Vorher müssen umfangreiche Vorbereitungen abgeschlossen werden. Neben der Sanierung oder dem Neubau von rund 30 Brücken müssen Gleise auf zehn Kilometern Länge erneuert und drei Bahnhöfe modernisiert werden. Auch die Naturausgleichsmaßnahmen sind bereits angelaufen, denn die Trasse ist in den letzten vier Jahrzehnten stark verwildert.
Kostenentwicklung im Großprojekt: Gesamtausgaben werden ursprüngliche Schätzungen deutlich übersteigen
Die ursprünglich kalkulierten Kosten von rund 500 Millionen Euro aus dem Jahr 2021 gelten inzwischen als überholt. Infolge steigender Preise im Bauwesen rechnet man heute mit deutlich höheren Summen. Dennoch stuft der Bund das Projekt weiterhin als förderfähig ein. Ein Teil der bislang vom Land Berlin vorgestreckten Mittel soll daher künftig durch Bundeszuschüsse ersetzt werden.
Mit der gesicherten Planung und den bereits gestarteten vorbereitenden Arbeiten gewinnt das Projekt nun an Fahrt. Für Berlin und insbesondere für den Bezirk Spandau bedeutet die Siemensbahn nicht nur ein Stück Industriegeschichte, sondern auch einen wichtigen Impuls für nachhaltige Stadtentwicklung und moderne Mobilität.
Quellen: i2030, VBB, Architektur Urbanistik Berlin, Deutsche Bahn Netz AG, Deutsche Bahn AG
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4 Kommentare
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Vollkommen unnötig. Fahren Busse und u Bahn
Offensichtlich fahren sie aber nicht damit, sonst wüssten sie dass die alle jetzt schon extrem überlastet sind
Und in gartenfeld ziehen demnächst 10000 Menschen ein
Das ist natürlich ein Totschlag-Argument, denn in Berlin verkehren ja überall mindestens Omnibuslinien und es dürfte in der Stadt nirgends zu Streckenausbauten im U- oder S-Bahn-Netz oder bei der Straßenbahn kommen.
Sie haben jedoch in Teilen recht. Die Einzugsgebiete des S-Bahnhofs Wernerwerk und des U-Bahnhofs Siemensdamm sind nahezu deckungsgleich. Selbiges gilt für den S-Bahnhof Siemensstadt und den U-Bahnhof Rohrdamm.
Die Vorteile der Siemensbahn werden jedoch deutlich, wenn es um die (hoffentlich nur vorläufige) Endstation Gartenfeld geht und erst recht bei einer geplanten Verlängerung über die Wasserstadt Oberhavel nach Hakenfelde.
Leider wurde unmittelbar nach der Wiedervereinigung ständig darüber debattiert, ob man über die Siemensbahn wirklich wieder eine S-Bahn fahren lassen solle oder doch nicht lieber eine Straßenbahn oder gar eine Magnetbahn. Diese unsägliche Diskussion hat dazu geführt, dass sich die Siemensbahn nicht im Wiederaufbau-Programm befand und 35 Jahre nach der deutschen Einheit noch immer kein Zug auf der Strecke unterwegs ist.
Am Anfang des Artikels steht 2 mal Gartenstadt anstatt gartenfeld