In der Europacity nördlich des Berliner Hauptbahnhofs nähern sich gleich mehrere Bauprojekte der Fertigstellung. Auf dem 61 Hektar großen Areal entstehen Wohnhochhäuser, Bürogebäude und Gewerbeflächen, die das neue Stadtquartier weiter prägen. Einige Projekte sind bereits bezogen, andere stehen kurz vor der Vollendung.
© Visualisierung Titelbild: CA Immo
Die Europacity zählt zu den größten Stadtentwicklungsgebieten Berlins und nimmt eine Schlüsselrolle in der innerstädtischen Verdichtung ein. Zwischen Moabit, Mitte und Wedding gelegen, entsteht seit 2007 auf einer Fläche von über 40 Hektar ein neues Quartier rund um den Hauptbahnhof. Während östlich der Heidestraße bereits zahlreiche Projekte abgeschlossen sind, sollen die westlichen Baufelder bis 2026 weitgehend fertiggestellt werden.
Geplant sind rund 3.000 Wohnungen, dazu kommen Büro- und Gewerbeflächen für mehr als 10.000 Arbeitsplätze sowie Gastronomie, Nahversorgung und öffentliche Räume. Insgesamt prägen über 30 Bauprojekte die Entwicklung. Dabei reicht die Palette von hochpreisigen Wohntürmen am Spreeufer bis zu neuen Bürogebäuden, doch auch Fragen nach sozialer Mischung und nachhaltiger Stadtentwicklung bleiben bestehen.
1. Fast fertig: Bürohochhaus „Upbeat Berlin“ verändert das Stadtbild am Nordhafen

Das Bürohochhaus „Upbeat Berlin“ erscheint in einer Glasfassade mit großen Fenstern. Die Außenfassade ist fast fertiggestellt. Nach Beendigung der Innenausbauarbeiten wird die DKB als Hauptmieter einziehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Seit 2021 wächst in Berlin-Moabit das Bürohochhaus „Upbeat Berlin“ in die Höhe. Der 19-geschossige Bau von CA Immo markiert den nördlichen Auftakt der Europacity und prägt mit seiner weitgehend geschlossenen Glasfassade inzwischen deutlich die Silhouette des Quartiers. Während die Fenster und gläsernen Elemente fast vollständig eingesetzt sind, richtet sich der Fokus nun auf den Innenausbau.
Geplant sind rund 34.850 Quadratmeter Bürofläche, die vollständig von der Deutschen Kreditbank (DKB) genutzt werden sollen. Neben flexiblen Grundrissen gehören auch zwei Dachterrassen sowie eine großzügige öffentliche Lobby zum Konzept. Die Fertigstellung ist für Ende 2025 vorgesehen, womit das Hochhaus rechtzeitig als neuer DKB-Campus in Betrieb gehen könnte.
2. Gewerbecampus „Berlin Decks“ in Moabit kurz vor der Fertigstellung

Die Neubauten der „Berlin Decks“ zeigen sich mit klaren Linien, großen Fensterfronten und modernen Fassaden. Offene Grundrisse sollen flexible Arbeits- und Kreativräume ermöglichen, die sich an verschiedene Nutzungen anpassen lassen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Am Friedrich-Krause-Ufer in Moabit nähert sich der Gewerbecampus „Berlin Decks“ seiner Vollendung. Während der historische Backsteinbau bereits modernisiert und genutzt wird, laufen an den Neubauten nur noch letzte Arbeiten an Innenräumen und Außenanlagen. Geplant ist ein Quartier, das Industriearchitektur mit zeitgenössischen Gebäuden verbindet.
Auf dem rund 45.000 Quadratmeter großen Areal entstehen Flächen für Büros, Gewerbe, Kultur und Gastronomie und wird von der BEOS AG für eine Investorengruppe entwickelt. Neben Unternehmen wird auch die Deutsche Film- und Fernsehakademie Ende 2025 Räume beziehen. Nachhaltige Bauweisen wie Holz-Hybrid-Konstruktionen, Gründächer und Photovoltaikanlagen sollen den Campus prägen.
3. QH Crown South: Neue Wohnungen an der Heidestraße fertiggestellt

Das fertiggestellte Wohngebäude „QH Crown South“ im Quartier Heidestraße. Die helle Klinkerfassade mit großen Fensterfronten und klaren Linien prägt das Erscheinungsbild. Im Erdgeschoss entstehen Flächen für Gastronomie und Einzelhandel, während in den oberen Geschossen 132 Mietwohnungen mit Balkonen oder Loggien untergebracht sind. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Im Quartier Heidestraße ist mit „QH Crown South“ ein weiteres Gebäude fertiggestellt worden. Es umfasst 132 Mietwohnungen mit Größen zwischen 47 und 120 Quadratmetern, ausgestattet mit Balkon oder Loggia. Im Erdgeschoss entstehen zudem Flächen für Gastronomie und Einzelhandel, die den Standort am Nordhafenplatz beleben sollen.
Erste Inserate zeigen jedoch, dass Zwei-Zimmer-Wohnungen mit rund 60 bis 70 Quadratmetern zu Warmmieten zwischen 1.600 und 1.750 Euro angeboten werden. Gleichzeitig sorgt ein anderer Teil des Projekts für Kritik. Nach einem Vertrag mit dem Land Berlin sollten 215 Sozialwohnungen entstehen, umgesetzt wurde dies bislang jedoch nicht. Stattdessen gingen zahlreiche Flächen an den Co-Living-Anbieter Habyt, der möblierte Apartments zu hohen Preisen vermietet.
4. Anna-Lindh-Haus am Europaplatz: Bauarbeiten am Büroneubau in vollem Gange

Die ersten Etagen des Rohbaus sind bereits sichtbar, die Arbeiten schreiten zügig voran. Das Tragwerk des Anna-Lindh-Hauses kombiniert Stahlbeton und Holz: Während Untergeschosse und Gebäudekerne in Beton entstehen, werden Stützen und Unterzüge aus Holz gefertigt, um Ressourcen zu schonen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Direkt am Hauptbahnhof entsteht mit dem Anna-Lindh-Haus ein Büroneubau in Holzhybridbauweise. Bauherr ist CA Immo und laut aktuellem Stand soll der Rohbau bis März 2026 stehen. Geplant sind rund 15.000 Quadratmeter Bürofläche, ergänzt durch eine Lobby mit Café und Dachterrassen. Schon jetzt sind die ersten Etagen deutlich erkennbar.
Das Tragwerk setzt auf eine Kombination aus Beton und Holz, wodurch die CO₂-Emissionen bereits in der Bauphase reduziert werden. Gleichzeitig ist vorgesehen, das Gebäude vollständig zu elektrifizieren und im Betrieb CO₂-neutral zu betreiben. Entworfen wurde es vom dänischen Architekturbüro Dorte Mandrup.
5. Baustart auf dem ehemaligen Tankstellen-Areal an der Heidestraße

Auf dem Gelände der ehemaligen Total-Tankstelle an der Heidestraße 18 haben die Vorbereitungen begonnen, erste Baumaschinen sind bereits im Einsatz. Der Bebauungsplan erlaubt eine gemischte oder rein gewerbliche Nutzung. Mit der künftigen Bebauung wird die Entwicklung der Wasserstadt Mitte weiter vorangetrieben. / © Foto: Ivans Nikonovs
In der Europacity an der Heidestraße 18 ist der Startschuss für ein weiteres Bauprojekt gefallen. Das Areal, auf dem bis 2022 eine Tankstelle stand, wurde inzwischen abgesperrt, erste Baumaschinen sind vor Ort. Eigentümerin ist seit 2023 die Hilpert Group, die das Grundstück mit knapp 2.900 Quadratmetern von der Adler Real Estate übernommen hat. Offiziell bestätigt ist das Vorhaben bislang nicht, doch Beobachterinnen und Beobachter gehen von einer baldigen Bebauung aus.
Welche Nutzung konkret vorgesehen ist, bleibt offen. Laut Bebauungsplan ist sowohl eine gemischte als auch eine rein gewerbliche Nutzung möglich. In sozialen Medien kursieren Hinweise auf ein mögliches Hotelprojekt, bislang ohne offizielle Bestätigung.
Quellen: CA Immo, Wolff & Müller, Deutsche Baumeister & Architekten, Buro Happold, Dorte Mandrup Architects, Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Aukett & Heese, Berliner Morgenpost, Architektur Urbanistik Berlin, Immobilien Zeitung, Nöfer Architekten, Deutsches Architektur Forum, RBB, Max und Moritz Quartier Friedrichshain GmbH, Red Square GmbH, Arrow Global, hww, Thomas Klingberg, Stadtteilkoordination Mitte, BEOS AG, Berlin Decks, Berliner Immobilienmanagement GmbH, Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH, QH-Living, rbb24, taz, Konii
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
4 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



„Dabei reicht die Palette von hochpreisigen Wohntürmen am Spreeufer bis zu neuen Bürogebäuden, doch auch Fragen nach sozialer Mischung und nachhaltiger Stadtentwicklung bleiben bestehen.“
Schön auf den Punkt gebracht: Für die Normalbevölkerung bringt das neue Viertel gar nix. Für die Immobilienwirtschaft ´ne dolle Sache. Architektonisch zum Glück kein Verlust, dass der Normalberliner nicht an der Heidestraße wohnen muss.
👍
Könnt ihr aufhören diesen Unort schön zu reden? :(
Kann ich nur zustimmen. Gibt kein grottenschlechteres Bauprojekt in Berlin als diese Heidestraße. Wer kauft sich da eine Wohnung? Die Gier macht es wohl möglich!