Das Hans-Carossa-Gymnasium in Spandau bekommt einen neuen Namen. Ab dem Schuljahr 2026/27 soll die Schule an die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer erinnern. Der Schritt folgt einer längeren Auseinandersetzung der Schulgemeinschaft mit der bisherigen Namensgeberfigur.

Margot Friedländer, Berliner Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin, setzte sich zeitlebens für Aufklärung über den Nationalsozialismus und für Demokratiebildung ein. Künftig wird ein Gymnasium in Spandau ihren Namen tragen. / © Foto: Wikimedia Commons, European Parliament, CC BY 2.0
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Das Hans-Carossa-Gymnasium im Bezirk Spandau wird künftig den Namen der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer tragen. Das Bezirksamt folgte in seiner Sitzung am 17. Februar 2026 dem Votum der Schulkonferenz. Ab dem Schuljahr 2026/27 soll die Schule offiziell als Margot-Friedländer-Gymnasium auftreten.
Der Entscheidung ging eine längere Diskussion innerhalb der Schulgemeinschaft voraus. Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern hatten sich intensiv mit der bisherigen Namensgeberfigur auseinandergesetzt. Auslöser war eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum, die die Biografie des Arztes und Schriftstellers Hans Carossa neu beleuchtete.
Hans-Carossa-Schule: Auseinandersetzung mit der eigenen Schulgeschichte
Carossa war zwar als Mediziner tätig, stand literarisch jedoch in enger Nähe zum NS-Regime. Diese Erkenntnisse führten innerhalb der Schule zu einer kritischen Neubewertung des bisherigen Namens. Die Debatte mündete schließlich in einen formellen Prozess zur Namenssuche.
Die Schulkonferenz unter Leitung von Schulleiter Henning Rußbült entschied sich schließlich einstimmig für eine Umbenennung. Der neue Name soll an Margot Friedländer erinnern, die die Schule mehrfach besucht hatte. Zu Lebzeiten hatte sie sich darüber geehrt gezeigt, dass das Gymnasium ihren Namen tragen möchte.
Schulumbenennung würdigt Berliner Zeitzeugin Margot Friedländer
Bezirksstadträtin Carola Brückner begrüßte den Beschluss. Der Name Friedländers erinnere an ihren Appell an junge Menschen, „Vernunft, Menschlichkeit und Verständnis für andere“ zu zeigen. Diese Botschaft solle auch künftig Teil des schulischen Selbstverständnisses bleiben.
Mit dem Tod Friedländers am 9. Mai 2025 verlor Berlin eine der bekanntesten Stimmen der Erinnerungskultur. Die 1921 geborene Zeitzeugin hatte den Holocaust überlebt und sich nach ihrer Rückkehr aus dem Exil jahrzehntelang für Aufklärung und Demokratiebildung eingesetzt.
Vor dem Abgeordnetenhaus: Auch ein Platz soll ihren Namen tragen
Neben der Schulumbenennung soll auch der Stadtraum an Friedländer erinnern. Der Berliner Senat beschloss im Dezember 2025, den bisher namenlosen Platz vor dem Abgeordnetenhaus künftig Margot-Friedländer-Platz zu nennen.
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner bezeichnete den Ort als künftigen Platz des Erinnerns und Mahnens. Die Umbenennung soll möglichst bis zum ersten Todestag der Zeitzeugin erfolgen. Dann würde auch die Adresse des Landesparlaments offiziell Margot-Friedländer-Platz 1 lauten.
Quellen: Bezirksamt Spandau, Abgeordnetenhaus Berlin
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