In Berlin-Mitte hat der Lieferdienst Wolt einen langfristigen Mietvertrag im BEAM Berlin unterzeichnet und damit die Vermietungsquote des Gebäudes auf über 95 Prozent gehoben. Das ist bemerkenswert, denn der Berliner Büromarkt steckt in einer handfesten Krise: Mehr als 1,87 Millionen Quadratmeter Bürofläche stehen in der Stadt derzeit leer.

Foto der Dachterrasse des BEAM Berlin mit blick auf den Fernsehturm.

Wolt wird künftig Flächen im BEAM Berlin beziehen und trägt damit zu einer Vermietungsquote von über 95 Prozent bei. Das umfassend umgebaute Gebäude in Berlin-Mitte kombiniert historische Bausubstanz mit aufgewerteten Büroflächen sowie Angeboten für Co-Working, Gastronomie und Einzelhandel im Erdgeschoss. / © Foto: Carsten Brügmann

© Fotos: Carsten Brügmann

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Der Lieferdienst Wolt hat einen langfristigen Mietvertrag im „BEAM Berlin“ in Berlin-Mitte unterzeichnet. Vermittelt wurde die Anmietung durch das Beratungsunternehmen Savills, Vertragspartner auf Eigentümerseite ist der Projektentwickler und Investmentmanager Quantum. Mit dem Abschluss steigt die Vermietungsquote des Gebäudes auf über 95 Prozent.

Wolt gesellt sich damit zu einer bereits eingezogenen Mieterschaft, die das Konzept des Hauses gut illustriert: Das HealthTech-Unternehmen Eterno ist ebenso vertreten wie der internationale Co-Working-Anbieter Industrious, der das Erdgeschoss bespielt. Ergänzt wird das Angebot dort durch Gastronomie und kleinere Läden, während die oberen Geschosse weiterhin als klassische Büroflächen genutzt werden.

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Berliner Büromarkt unter Druck: Leerstand steigt auf über 1,87 Millionen Quadratmeter

Der Vermietungserfolg im „BEAM Berlin“ fällt in ein schwieriges Marktumfeld. Laut German Property Partners (GPP) liegt der Büroleerstand in der Hauptstadt derzeit bei rund 8 Prozent. Jones Lang LaSalle (JLL) beziffert die Leerstandsquote auf 8,2 Prozent und verweist darauf, dass dieser Wert gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozentpunkte gestiegen ist. Ende 2025 standen demnach mehr als 1,87 Millionen Quadratmeter Bürofläche in Berlin leer.

Der Trend zeigt seit Monaten kontinuierlich nach oben, und ein baldiger Wendepunkt ist nicht absehbar. Vor diesem Hintergrund hebt sich die nahezu vollständige Auslastung des „BEAM Berlin“ deutlich vom Marktgeschehen ab, auch wenn das Gebäude mit seiner zentralen Lage und seinem aufgewerteten Nutzungskonzept strukturelle Vorteile mitbringt, die viele ältere Bürobauten der Stadt nicht bieten können.

Vom Schicklerhaus zum „BEAM Berlin“: Ein wilhelminisches Gebäude erfindet sich neu

Das Gebäude blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Die Firma Hiller & Kuhlmann errichtete es 1910 im wilhelminischen Stil auf einem Grundstück von rund 4.360 Quadratmetern. Ursprünglich gliederte sich der Bau in drei Haupthöfe und vier Lichthöfe, das Erdgeschoss beherbergte Läden, die oberen Etagen Büros verschiedener Firmen und Parteien. Zuletzt gehörte das damalige Schicklerhaus zum Portfolio des österreichischen Immobilienunternehmens Signa, das 2023 Insolvenz anmeldete.

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Anfang 2024 übernahm Quantum sowohl die Fertigstellung als auch das Vermietungs- und Asset Management des Hauses. Im Zuge des Umbaus wurde das Gebäude vollständig entkernt, alle Bereiche oberhalb der vierten Etage neu entwickelt und drei zusätzliche Geschosse aufgesetzt. Damit wuchs die Nutzfläche von ursprünglich 17.000 auf nunmehr 23.000 Quadratmeter. Erdgeschoss, Fassade und Gebäudetechnik wurden ebenfalls erneuert, darunter ein neuer verglaster Eingangsbereich, der die Fassade zur Straße hin öffnet.

Berliner Baukolleg griff ein: Wie die Planung am BEAM Berlin nachgesteuert wurde

Ursprünglich war eine deutlich umfangreichere Dachaufstockung vorgesehen. Das Berliner Baukolleg unter der Leitung von Regula Lüscher intervenierte jedoch und forderte eine zurückhaltendere, leichtere Lösung, eine stärkere Fassadengliederung sowie eine Orientierung am historischen Vorbild. Die Planenden passten den Entwurf entsprechend an, was dem Ergebnis letztlich eine stärkere Einbindung in das umgebende Stadtbild bescherte.

Ob das Modell des „BEAM Berlin“ als Blaupause für andere Bürogebäude in der Stadt taugt, lässt sich nicht abschließend beurteilen. Dass jedoch sanierte Bestandsbauten mit einem durchmischten Nutzungskonzept aus Co-Working, Gastronomie und klassischen Büroflächen in Berlin zunehmend Schule machen, zeigt der Blick auf den Markt: Immer mehr Projektentwickler setzen auf genau diese Kombination.

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Quellen: Quantum, RBB, Jones Lang LaSalle (JLL)

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