In Hamburg verzögern sich gleich zwei bedeutende Projekte: Die Sanierung des Stadtteilkulturzentrums Motte in Ottensen und die Restaurierung des Jüdischen Friedhofs in Ohlsdorf. Beide Vorhaben sind seit Jahren geplant, doch die Fertigstellung verschiebt sich teilweise um Jahre.

Die Motte ist seit 1976 ein fester Kultur- und Bildungsort in Ottensen. Sie prägt den Stadtteil mit Projekten zu kultureller Bildung, Medienkompetenz und Nachbarschaftsarbeit. Die Sanierung verzögert sich jedoch bis Oktober 2026. / © Foto: Wikimedia Commons, Hinnerk11, CC BY-SA 4.0
© Foto: Wikimedia Commons, Hinnerk11, CC BY-SA 4.0
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Sarang, Public domain
Das Stadtteilkulturzentrum Motte in Hamburg-Ottensen begleitet seit 1976 den Wandel des Stadtteils. Es ist bekannt für kulturelle Bildung, Medienkompetenz, pädagogische Arbeit und Nachbarschaftsprojekte. Die Einrichtung betreibt Werkstätten, eine Imkerei und einen Nachbarschaftsgarten, organisiert internationale Jugendaustausche und initiiert Netzwerke. Damit ist sie ein zentraler Ort kulturellen Lebens in Ottensen.
Die geplante Sanierung des Gebäudes sollte ursprünglich Mitte 2024 abgeschlossen sein. Nun rechnet die Finanzbehörde jedoch mit einer Fertigstellung erst im Oktober 2026, fast zwei Jahre später, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Grund sind laut Behörde aufwendige Abstimmungen über die Nutzerbedarfe, zusätzliche Nachforderungen im Bauantragsverfahren sowie ein komplexes Ausschreibungsverfahren. Zudem musste die Baudurchführung eng mit den Nutzergruppen abgestimmt werden, da die Arbeiten im laufenden Betrieb stattfinden.
Stadtteilzentrum Motte in Ottensen: Barrierefreiheit und Modernisierung sollen kulturelle Rolle stärken
Geplant ist neben der Sanierung auch der Einbau barrierefreier Sanitäranlagen, um die Einrichtung besser zugänglich zu machen. Die ursprünglichen Kosten waren mit 3,5 Millionen Euro veranschlagt, eine aktualisierte Prognose liegt jedoch noch nicht vor.
Trotz der Verzögerungen bleibt die Motte für Ottensen ein wichtiger kultureller Ankerpunkt, der künftig mit verbesserten Räumen und Infrastruktur seine Rolle weiter ausbauen soll.
Jüdischer Friedhof Ohlsdorf: Sanierung von Trauerhalle und Außenanlagen verzögert sich weiter
Auch in Ohlsdorf steht ein bedeutendes Projekt bevor: Die Restaurierung des Jüdischen Friedhofs. Die Anlage wurde 1883 eröffnet und umfasst heute rund 18.000 Gräber. Sie ist der einzige Friedhof in Hamburg, auf dem noch nach jüdischem Ritus bestattet wird. Historisch bedeutend ist die Anlage auch deshalb, weil Grabsteine vom Grindelfriedhof und vom Ottenser Friedhof hierher überführt wurden. Zudem erinnert ein Mahnmal an die Opfer des Nationalsozialismus.
Für rund 4,9 Millionen Euro sollen die Trauerhalle und die Außenanlagen saniert werden, die Finanzierung teilen sich Bund und Land. Doch ein Termin für den Baustart steht weiterhin aus. Die Behörde erklärte dem Hamburger Abendblatt, dass der Zuwendungsantrag erst im vierten Quartal 2025 gestellt werde. Erst danach könne ein Zeitplan konkretisiert werden.
Mika Harari, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Hamburg, hatte gehofft, die Arbeiten bereits 2023 abschließen zu können. Die Verzögerungen begründete die Behörde mit Überarbeitungen des Konzepts in Abstimmung mit dem Denkmalschutz sowie mit Klärungen zu Eigentumsfragen. Für die Gemeinde bedeutet dies, weiter auf die dringend erwartete Restaurierung zu warten.
Verzögerungen durch Abstimmungen und Denkmalschutz: Hamburger Projekte geraten ins Stocken
Die jüngsten Beispiele zeigen, dass selbst Projekte ohne starke Kostensteigerungen von Verzögerungen betroffen sind. Besonders die umfangreichen Abstimmungsprozesse, Denkmalschutzauflagen und Verfahrensfragen führen dazu, dass Bauvorhaben später als geplant fertiggestellt werden.
Damit reiht sich die aktuelle Entwicklung in eine Serie von Projekten ein, die in Hamburg zeitlich ins Stocken geraten sind. Für die betroffenen Einrichtungen und Nutzerinnen bedeutet dies längere Wartezeiten, bevor sie die sanierten oder neu errichteten Gebäude tatsächlich nutzen können.
Quellen: Mediennetz Hamburg, Hamburger Abendblatt, Jüdischer Friedhof Hamburg (Ohlsdorf), Hamburg.de, Motte
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


