Das Großprojekt FÜRST am Kurfürstendamm nähert sich nach Jahren der Verzögerungen seiner Fertigstellung. Bei einem Baustellenrundgang konnten Gäste erstmals ausführlich den neuen, rund 630 Plätze umfassenden Theatersaal der Komödie besichtigen, die 2027 an ihren traditionsreichen Standort zurückkehren soll.

Großes Interesse am FÜRST: Bei der Veranstaltung der AG City informierten sich zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur über den aktuellen Stand des Großprojekts am Kurfürstendamm, auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner war zu Gast. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Acht Jahre nach dem Abschied der Komödie am Kurfürstendamm von ihrem traditionsreichen Standort lässt sich inzwischen ziemlich konkret erahnen, wie die Rückkehr des Theaters in die City West aussehen wird.
Bei einer Veranstaltung der AG City konnten Gäste am Dienstagabend nicht nur den Baufortschritt des Großprojekts FÜRST besichtigen, sondern erstmals auch einen ausführlichen Blick in die Räume der neuen Komödie werfen.
Der Abend fand im vierten Obergeschoss des noch im Bau befindlichen Komplexes statt und war sehr gut besucht. Moderiert wurde die Veranstaltung von Christina Aue, Geschäftsführerin der AG City. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur nutzten den Abend vor allem dazu, die Bedeutung des Projekts für den Kurfürstendamm und die City West hervorzuheben.
FÜRST am Kurfürstendamm: Großprojekt soll 2027 fertiggestellt werden
Dass sich das FÜRST inzwischen auf der Zielgeraden befindet, ist angesichts der schwierigen Geschichte des Projekts keineswegs selbstverständlich. Das frühere Kudamm-Karree wird seit Jahren umfassend umgebaut und erweitert. Aus dem lange Zeit verwinkelten Gebäudekomplex soll ein rund 106.000 Quadratmeter großes Stadtquartier mit Büros, Einzelhandel, Gastronomie, Hotel, Fitnessangeboten und Kultur entstehen. Teile des Ensembles sind bereits seit 2020 in Betrieb.
Nach dem zwischenzeitlichen Stillstand wurden die Bauarbeiten im Juli 2024 wieder aufgenommen. Noch immer zeigt sich bei einem Rundgang deutlich, wie umfangreich die verbleibenden Arbeiten sind.
City West: Bis Ende 2026 sollen die neuen Gebäude des FÜRST äußerlich fertiggestellt werden
Vor allem im Innenausbau ist an vielen Stellen noch viel zu tun. Bis Ende 2026 sollen die Gebäude nach außen jedoch weitgehend fertig erscheinen. Die abschließenden Ausbauarbeiten werden sich nach Angaben der Projektverantwortlichen bis in erste Halbjahr 2027 ziehen.
Auch die neue Komödie soll dann grundsätzlich spielfertig sein. Die tatsächliche Wiedereröffnung des Theaters wird nach aktuellem Stand im Verlauf des Jahres 2027 erwartet. Mit großem Applaus wurde diese Nachricht, überbracht vom CEO des Projekts FÜRST, Josip Kardun.

Erste Bereiche des FÜRST vermitteln bereits einen Eindruck vom künftigen Erscheinungsbild: Großzügige Fensterflächen und offene Grundrisse prägen die modernen Büroflächen des Quartiers. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Kai Wegner: „Hier schlägt ein Herz der Stadt“
Zu den Gästen des Abends gehörte auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU). In seinem Grußwort erinnerte er daran, wie unsicher die Zukunft des Projekts noch Ende 2023 gewesen sei. Zugleich dankte er den Beteiligten für ihr Durchhaltevermögen. „Der Kurfürstendamm braucht genau solche Investitionen, denn hier schlägt ein Herz der Stadt“, sagte Wegner.
Die Wiedereröffnung der Komödie bezeichnete er zugleich als wichtiges Ereignis für die Kulturmetropole Berlin. Acht Jahre werde es dann her sein, dass der Spielbetrieb der Komödie an ihrem bisherigen Standort eingestellt wurde.
Auch Uwe Timm von der AG City unterstrich die Bedeutung der Immobilie für die weitere Entwicklung der City West. Entscheidend sei dabei gerade die Mischung unterschiedlicher Funktionen. Im FÜRST sollen Arbeiten, Einkaufen, Gastronomie, Hotellerie, Freizeit und Kultur miteinander verbunden werden. Seit wenigen Tagen ist das Projekt selbst Mitglied der AG City.
Komödie am Kurfürstendamm wird zum Herzstück des FÜRST
Wie wichtig die kulturelle Nutzung für das Gesamtprojekt ist, zeigte sich beim anschließenden Rundgang. Höhepunkt der Baustellenbegehung war der Besuch der zukünftigen Komödie am Kurfürstendamm, den sich auch Kai Wegner nicht entgehen ließ.
Der neue Theatersaal ist bereits deutlich erkennbar. Trotz des noch unfertigen Zustands vermitteln die geschwungene Form des Zuschauerraums, die Dimensionen der Bühne und die geplante technische Ausstattung einen Eindruck davon, welchen Stellenwert das Theater innerhalb des Quartiers erhalten soll.

Das Herzstück des Kulturangebots nimmt Gestalt an: Im geschwungenen Zuschauerraum der neuen Komödie am Kurfürstendamm sollen künftig rund 630 Besucherinnen und Besucher Platz finden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Charlottenburg: 630 Plätze entstehen im unterirdischen Theatersaal des FÜRST
Nach Angaben der Projektverantwortlichen wird der Saal künftig rund 630 Plätze bieten; insgesamt sind im FÜRST etwa 6.700 Quadratmeter für Kultur und Unterhaltung vorgesehen. Christoph Brzezinski (CDU), stellvertretender Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, sprach euphorisch von einer Bühne, um die viele Theater in Deutschland und Europa die Komödie beneiden würden.
Josip Kardun verwies ebenfalls auf die Dimension des Vorhabens und erklärte, dass derzeit europaweit kaum ein vergleichbares Kultur- beziehungsweise Theaterprojekt realisiert werde.
Martin Woelffer: Rückkehr nach Jahren der „Diaspora“
Sichtlich erleichtert zeigte sich Martin Woelffer, Direktor der Komödie am Kurfürstendamm. Die vergangenen Jahre seien für das Theater von zahlreichen Höhen und Tiefen geprägt gewesen. Seit dem Abschied vom alten Haus habe die Komödie an verschiedenen Orten gespielt, darunter im Schillertheater, in Reinickendorf, im Berliner Ensemble und am Potsdamer Platz. Woelffer sprach rückblickend von Jahren „in der Diaspora“.
Entsprechend groß ist seine Freude darüber, dass die Rückkehr an den Kurfürstendamm nun tatsächlich absehbar ist. Woelffer dankte ausdrücklich auch dem Berliner Senat für dessen Unterstützung. Eine derart große politische Hilfe habe er in dieser Form zuvor nicht erlebt.
Am Kurfürstendamm scheint der Optimismus zurückgekehrt zu sein: Vorfreude auf die Wiedereröffnung
Bemerkenswert war dabei auch der veränderte Ton zwischen Theater und Projektentwicklern. Nachdem die Entwicklung des Areals und die Zukunft der Komödie über Jahre von Konflikten begleitet worden waren, erklärte Woelffer, er könne inzwischen „mit gutem Gewissen Werbung“ für das FÜRST und die neue Komödie machen.
Das Theater bezeichnete er als spektakuläres und wichtiges Berliner Kulturprojekt mit Strahlkraft über den Bezirk hinaus und dankte zugleich seinem Team, das über Jahre darauf gehofft habe, tatsächlich an den Kurfürstendamm zurückkehren zu können.

Auch hinter den Kulissen sind die Dimensionen des Theaterneubaus bereits sichtbar: Die neue Komödie erhält eine großzügige Bühne und umfangreiche technische Einrichtungen für den künftigen Spielbetrieb. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
FÜRST: Hotel „A by Adina“ kommt erstmals nach Deutschland
Neben der Komödie nimmt auch der übrige Nutzungsmix des Quartiers zunehmend Konturen an. Rund 58.000 Quadratmeter Büroflächen, etwa 4.600 Quadratmeter Gastronomie, rund 4.700 Quadratmeter Einzelhandel sowie umfangreiche Fitness-, Freizeit- und Hotelflächen sind vorgesehen. Im Inneren des Komplexes entsteht zudem ein begrünter Stadtplatz.
Zu den neuen Nutzern gehört das Premium-Apartmenthotel „A by Adina“. Die Marke wird im FÜRST erstmals einen Standort in Deutschland eröffnen. Vorgesehen sind 161 Studios und Apartments sowie Restaurant-, Bar- und Wellnessangebote. Bislang ist „A by Adina“ in Sydney und Wien vertreten.
Josip Kardun: „Die vielleicht bestfinanzierte Baustelle der Bundesrepublik“
Dass das Großprojekt nach den erheblichen Schwierigkeiten der vergangenen Jahre mittlerweile wieder sichtbar vorankommt, war eines der bestimmenden Themen des Abends. Kardun würdigte insbesondere die Gläubiger und Investoren, die sich zusammengeschlossen hätten, um das zeitweise stillstehende Vorhaben zu Ende zu führen. Augenzwinkernd sprach er von der „vielleicht bestfinanzierten Baustelle der Bundesrepublik“.
Der Rundgang durch das FÜRST machte gleichzeitig deutlich, dass bis zur Eröffnung noch erhebliche Arbeiten bevorstehen. Rohbauflächen, offene Installationen und zahlreiche unfertige Innenbereiche bestimmen weiterhin große Teile des Komplexes. Dennoch hat das Projekt einen Stand erreicht, an dem seine spätere Struktur zunehmend sichtbar wird.
Baustellenrundgang zeigt: Noch viel Arbeit, aber die Rückkehr wird konkret
Vor allem der Rundgang durch Zuschauerraum und Bühnenbereich der neuen Komödie vermittelte erstmals einen konkreten Eindruck davon, wie das traditionsreiche Theater künftig funktionieren soll. Die Erleichterung darüber, dass das jahrelang von Unsicherheiten und Stillstand geprägte Projekt inzwischen so weit fortgeschritten ist, war den Beteiligten auf der Bühne deutlich anzumerken.
Für den Kurfürstendamm könnte die Fertigstellung des FÜRST damit weit mehr bedeuten als den Abschluss einer langwierigen Baustelle. Mit der Rückkehr der Komödie, neuen gastronomischen Angeboten, Büros, Einzelhandel, Fitness und einem neuen Hotel soll an einem der prominentesten Standorte der City West ein Nutzungsmix entstehen, der auch außerhalb klassischer Geschäftszeiten für Frequenz sorgt.
Die Rückkehr des Theaters an seinen alten und zugleich vollkommen neuen Standort dürfte dabei eines der sichtbarsten Zeichen dafür werden, dass die jahrelange Transformation des früheren Kudamm-Karrees tatsächlich ihrem Ende entgegengeht.

Noch ist das FÜRST in weiten Teilen eine Großbaustelle: Der Rundgang durch durch den Gebäudekomplex endete auf dem zukünftigen Theaterplatz der Komödie. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Newmark, CELLS, AG City, Komödie am Kurfürstendamm
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