Am Ostkreuz verschwinden nach und nach die Bauzäune. Doch während ein Teil des Bahnhofsumfelds kurz vor der Fertigstellung steht, bleiben andere Vorhaben rund um den Verkehrsknoten offen. Eine aktuelle Senatsantwort zeigt, wie eng die einzelnen Projekte inzwischen miteinander verbunden sind.

Zwischen Jugendherberge und Ostkreuz entstehen neue Wege und Freiflächen im Zuge der Vorplatz-Neugestaltung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Rund um den Bahnhof Ostkreuz laufen seit Jahren mehrere Verkehrs- und Stadtentwicklungsprojekte gleichzeitig. Beim nordöstlichen Vorplatz Richtung Victoriakiez ist inzwischen ein Ende der Bauarbeiten absehbar. Anders sieht es bei der Straßenbahnstrecke, der Schlichtallee und einem möglichen Weiterbau der A100 aus. Eine aktuelle Antwort des Berliner Senats liefert dazu neue Details.
- Bezirke: Friedrichshain-Kreuzberg / Lichtenberg
- Adresse: Sonntagstraße 37, 10245 Berlin
- Projektstatus: Nordöstlicher Vorplatz in der abschließenden Bauphase
- Fertigstellung Nordostplatz: voraussichtlich Herbst 2026
Die Neugestaltung der Vorplätze am Ostkreuz ist inzwischen weit fortgeschritten. Anfang August 2026 waren die Pflasterarbeiten am nordöstlichen Vorplatz nahezu abgeschlossen. Noch fehlen unter anderem Teile der Beleuchtung, Zäune, Sitzbänke und weitere Ausstattung. Die Baumpflanzungen sollen mit Beginn der Pflanzperiode im Herbst folgen. Nach aktuellem Stand soll dann erstmals eine direkte Verbindung zwischen Victoriakiez und Bahnhof bestehen.
Ostkreuz-Umbau verzögerte sich um rund ein halbes Jahr
Beim Baustart im November 2024 hatte Grün Berlin noch das Frühjahr 2026 als Ziel genannt. Nach Angaben des Unternehmens tauchten während der Arbeiten jedoch unerwartete Leitungen und Hindernisse im Boden auf. Hinzu kamen zusätzliche Arbeiten an technischen Anlagen der Deutschen Bahn unter den Brücken. Anfang 2026 musste die Baustelle außerdem wegen gefrorenen Bodens mehr als zwei Monate ruhen.
Bereits im Dezember 2025 konnte ein erstes Teilstück geöffnet werden. Seitdem sind Treppe und Aufzug zu den Fernbahngleisen 13 und 14 wieder vollständig erreichbar. Auch die sanierte Treppe zur Kynastbrücke soll mit Abschluss des Vorplatzes erstmals regulär nutzbar werden. Der noch fehlende nordwestliche Vorplatz Richtung Travekiez hängt dagegen von weiteren Vorhaben ab, darunter die Regenwassererschließung und die geplante Straßenbahn.
Straßenbahn am Ostkreuz: Planfeststellung weiterhin nicht abgeschlossen
Gerade die Straßenbahn bleibt ein entscheidender Unsicherheitsfaktor. Die geplante rund 1,2 Kilometer lange Neubaustrecke soll von der Marktstraße direkt unter die Ringbahnbrücken führen und anschließend über den westlichen Bahnhofsvorplatz, die Sonntagstraße und den Wühlischplatz zur bestehenden Strecke verlaufen. Barrierefreie Haltestellen sind vorgesehen. Ein Planfeststellungsbeschluss steht jedoch weiterhin aus.
Neue Angaben gibt es dagegen zur Linie 22. Das dafür notwendige Kehrgleis am Blockdammweg befindet sich bereits im Bau. Die Linie 22 soll zusammen mit der Linie 21 einen Zehn-Minuten-Takt bilden, wobei jede Linie im 20-Minuten-Takt fahren soll. Schon zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 soll die Linie 21 zwischen Blockdammweg und Marktstraße auf einen Zehn-Minuten-Takt verdichtet werden.

Entlang der Straßenbahntrasse am Blockdammweg baut die BVG in Karlshorst eine neue Zwischenendstelle für die Linie 21. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Schlichtallee und A100: Weitere Termine rund ums Ostkreuz bleiben offen
Auch an anderer Stelle fehlen belastbare Zeitpläne. Für die Sanierung der Schlichtallee kann der Senat derzeit keinen genauen Baustart nennen. Ein Beginn noch 2026 sei nicht absehbar. Auch die Verkehrsführung während der Arbeiten steht noch nicht fest; die Belange des öffentlichen Nahverkehrs sollen erst im Zuge dieser Planung berücksichtigt werden.
Noch früher befindet sich der mögliche 17. Bauabschnitt der A100 im Verfahren. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums wurde bislang kein Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Die beim früheren Bahnhofsumbau bereits geschaffene Vorsorgemaßnahme unter dem Ostkreuz könnte nach Angaben des Bundes bei allen derzeit untersuchten Varianten genutzt werden – mit Ausnahme einer Variante mit Bohrtunnel. Damit bleibt die bereits vorhandene bauliche Vorbereitung für einen möglichen Weiterbau der A100 am Ostkreuz relevant.
So zeichnet sich am Ostkreuz ein zweigeteiltes Bild ab: Die Arbeiten am nordöstlichen Vorplatz stehen nach aktuellem Zeitplan kurz vor dem Abschluss. Bei Straßenbahn, Schlichtallee und A100 hängen die nächsten Schritte dagegen weiterhin von laufenden Planungen und Verfahren ab. Ein vollständiger Abschluss des Umbaus ist damit weiterhin nicht in Sicht.
Baumaßnahmen am Bahnhof Ostkreuz
Quellen: Abgeordnetenhaus von Berlin, Schriftliche Anfrage 19/26924, Grün Berlin GmbH, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
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6 Kommentare
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Sehr gewissenhafte und hochinteressante Darstellung, danke !
War nicht auch mal die Rede von einer U-Bahn-Anbindung von Warschauer Brücke zum Ostkreuz?
War nicht auch mal die Rede von einer Anbindung der U-Bahn von Warschauer Brücke zum Ostkreuz?
Was ist eigentlich mit mehr Parkplätzen vor dem Ostkreuz?
Was ist eigentlich mit mehr Parkplätzen vor dem Ostkreuz. Ich habe jedesmal Probleme dort einfach nur jemanden abzuholen.
Danke für die Zusammenfassung. Dass dort „erstmals“ ein Zugang vom Viktoriakiez entsteht, ist leider eine Falschdarstellung der städtischen Stelle. Es gab dort jahrelang einen provisorischen und überdachten Pfad, der viel genutzt wurde, bevor die Pflasterschnecken alles absperrten. Im Zusammenspiel mit der Sperrung der Linie 21 zwischen Marktstraße und Holteistraße ist die Verzögerung ein großes Ärgernis. Wie so oft in unserem öffentlichen Sektor besteht kein Verständnis mehr darüber, wie das eigene Tun und Nichttun die Bürger betrifft.