In Berlin-Mitte hat die WBM zwei neue Bauprojekte auf den Weg gebracht. Mit einem symbolischen Spatenstich starteten die Arbeiten an der Neuen Jakobstraße und der Melchiorstraße. Bis 2028 sollen dort 89 Wohnungen entstehen, fast die Hälfte davon gefördert. In der Nachbarschaft gibt es Proteste.

So soll das achtgeschossige Wohn- und Geschäftshaus an der Neuen Jakobstraße aussehen. Bis Herbst 2028 entstehen dort 35 Wohnungen. / © Visualisierung: roedig.schop Architekten + partner mbB
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
An der Neuen Jakobstraße in Berlin-Mitte kamen am Mittwochmorgen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Bauwirtschaft zusammen. Sie feierten den Start zweier neuer Bauprojekte. Anwesend waren der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Bausenator Christian Gaebler (SPD) sowie Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (SPD). Auch die WBM Geschäftsführer Lars Dormeyer und Steffen Helbig nahmen teil. Mit einem symbolischen Spatenstich beginnen die Arbeiten an zwei Standorten, der Neuen Jakobstraße und der Melchiorstraße.
Für die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin Mitte ist es bereits der vierte und fünfte Baustart in diesem Jahr. Insgesamt plant das Unternehmen acht Baustarts. Beide Vorhaben gehören zu den Zusagen der WBM gegenüber dem Land Berlin im Rahmen der sogenannten Roadmap 2.0. Damit will das Unternehmen den angespannten Wohnungsmarkt stabilisieren. Zusammen entstehen durch die zwei Neubauten 89 Wohnungen, davon fördert das Land Berlin fast die Hälfte.

Auf dem Grundstück an der Neuen Jakobstraße sollen rund 2.300 Quadratmetern Wohnfläche sowie rund 265 Quadratmeter Gewerbefläche entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Nachverdichtung in Berlin-Mitte: 89 Wohnungen in Holzhybridbauweise entstehen
An der Neuen Jakobstraße plant die WBM 35 barrierefreie Wohnungen sowie zwei Gewerbeeinheiten. Beide könnten zusammen auch als Gastronomiefläche dienen. Das Land Berlin fördert die Hälfte der Wohnungen, das Gebäude entsteht in Holzmodulbauweise mit Holzfassade. Nach der Fertigstellung im Herbst 2028 soll die Fläche grüner werden. Der ehemalige Parkplatz war bereits im Besitz der WBM. Auf der Fläche entstehen neben dem Neubau außerdem Grünflächen mit Spielplatz und einer Außenterrasse.
An der Melchiorstraße errichtet die WBM zusätzlich 54 Wohnungen in einem Innenhof zwischen bestehenden Gebäuden, 31 davon gefördert. Jede Wohnung erhält einen Balkon oder eine Terrasse. Nach dem Bau begrünt die WBM den Innenhof neu. Für beide Projekte sind dieselben Partner verantwortlich: Das Architekturbüro roedig.schop hat die Neubauten entworfen, der Totalübernehmer B&O übernimmt den Bau.

In der Melchiorstraße entstehen 54 neue Wohnungen in einem Innenhof. 31 davon werden gefördert. / © Visualisierung: roedig.schop Architekten + partner mbB
Protest beim Spatenstich: Anwohnerinnen und Anwohner fordern mehr Mitsprache
Während der Feier versammelte sich eine kleinere Gruppe von Anwohnerinnen und Anwohnern vor dem Baugelände. Sie kritisierten, dass ihnen zu wenig Mitspracherecht im Planungsprozess bleibe. Zudem forderten sie mehr Transparenz und Beteiligung, bevor die zuständigen Behörden Baugenehmigungen für Nachverdichtungen erteilen.
Im Mittelpunkt des Protests stand das geplante Bauvorhaben an der Melchiorstraße. Dort soll ein begrünter Garten im Innenhof bebaut werden, der nach Angaben der Anwohnerinnen und Anwohner auch Lebensraum für Igel, Füchse und Fledermäuse bietet. Auf der Fläche stehen demnach 32 größere Bäume, von denen rund 30 Prozent für den Neubau weichen müssten. Die Anwohnerinnen und Anwohner stellten dabei klar, dass sie neuen Wohnraum grundsätzlich befürworten. Sie wünschen sich jedoch eine kleinere Bebauung, die stärker auf den Erhalt der bestehenden Grünfläche Rücksicht nimmt.
Auch Senator Gaebler ging in seiner Rede indirekt auf den Widerstand ein. Er räumte ein, dass Nachverdichtung fast immer auf Kritik vor Ort treffe. Diesen Widerstand hielt er hier aber für vergleichsweise gering.

Während des Termins protestierte eine kleinere Gruppe von Anwohnerinnen und Anwohnern gegen die Nachverdichtungen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Wohnungspolitik in Berlin: Neubau als Antwort auf steigende Mieten
Bürgermeister Wegner bezeichnete Wohnungsmangel und steigende Mieten als die soziale Frage der Gegenwart. Nur durch tatsächlichen Neubau lasse sich die Problematik lösen, betonte er, wofür die Stadt starke Partner wie die WBM brauche. Insbesondere der geförderte Wohnraum soll den Wohnungsmarkt entspannen. Das Land Berlin fördert deshalb beide Projekte zur Hälfte, wodurch Mieten ab sieben Euro pro Quadratmeter möglich werden.
Senator Gaebler nannte als Ziel dieser Legislaturperiode 80.000 neue Wohnungen für rund 160.000 Menschen. Das Ziel von 400.000 Wohnungen hätten die landeseigenen Unternehmen bereits erreicht. Gothe ergänzte, für die kommende Legislatur plane der Senat berlinweit 100.000 weitere Wohnungen. Mitte trage davon mit rund 9.300 Wohnungen einen überdurchschnittlichen Anteil bei. Diese Wohnungen befänden sich bereits in Planung oder Umsetzung.
Mit den beiden Baustarts bekräftigt die WBM ihre Rolle als einer der zentralen Akteure im Berliner Wohnungsbau. Trotz wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen treibt das städtische Unternehmen sein Bauprogramm weiter voran. Damit leistet es einen konkreten Beitrag zur Schaffung von neuem, bezahlbarem Wohnraum in der Hauptstadt.
Quellen: WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH, roedig . schop architekten + partner
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4 Kommentare
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Ja, Proteste wird es in Deutschland immer geben, aber ein Parkplatz klingt für mich nach einen sehr kleinen Opfer um sich wirklich aufzuregen.
Gibt es irgendwie ignorierten Input welcher das Projekt verbessert hätte?
Die Anwohner wurden nicht informiert. PUNKT.
Die Feier fand an einem Vormittag statt, wo die meisten Anwohner vielleicht arbeiten?! Sonst wäre die Gruppe der Protestierenden sicher größer gewesen.
Immer mehr wird nachverdichtet in unserem Kiez. Und auf dem Parkplatz gab es noch einige alte Bäume. Aber es wird ja alles schön neu begrünt.
Es interessiert niemanden in der Stadtverwaltung. Wieder ein neuer großer Klotz. Im Sommer ist so schon alles aufgeheizt, ein neuer Wohnblock macht es nicht besser.
Nimbylism vom Feinsten, zum Glück hat die WBM das Projekt vorangeschoben. Bei einem akuten Wohnungsmangel in der Stadt und der Chance auf Schaffung von geförderten Wohnraum, kann man auf die Bedürfnisse von Anwohnern wenn es sich um EINEN Parkplatz und ein paar Bäume handelt mit normalen Menschenverstand leider keine Rücksicht nehmen, sonst geht hier gar nichts mehr voran.
Der Beitrag enthält leider einen sachlichen Fehler. Die Anwohnerinnen und Anwohner stören sich nicht am Wegfall eines Parkplatzes zugunsten eines Neubaus.
Es geht vielmehr um den geplanten Neubau Melchiorstraße/Engeldamm.
Dort soll brutal in die städtische Natur eingegriffen werden. Mitten im gewachsenen 50er-Jahre-Ensemble soll ein fast 50 Meter langer, sechsgeschossiger Neubauriegel entstehen, der den Bestand um zwei Etagen überragt.
Dafür sollen jahrzehntealte Großbäume gefällt, gewachsene Freiräume versiegelt und ein intaktes Biotop mit artenreicher Tierwelt zerstört werden. Geplant wurde das überJahre hinweg – ohne Beteiligung der Menschen, die hier leben.
Weitere Informationen hier:
https://nachbarschaft-engeldamm-melchior.my.canva.site/