Am Freitagabend wird ein Abschnitt der Torstraße zur politischen Versammlung mit Musik. Initiativen, Gewerbetreibende und Umweltverbände wollen kurz vor der Berlin-Wahl für den Erhalt von Stadtbäumen demonstrieren. Im Mittelpunkt steht ein Konflikt, der in Mitte seit Monaten für Protest sorgt.

Visualisierung Torstraße mit Radweg

Die Visualisierung des Senats zeigt, wie die Torstraße in Berlin-Mitte nach dem geplanten Umbau aussehen könnte – mit neuen Radwegen, neu geordneten Fahrspuren und mehr Grünflächen. / © Visualisierung: bloomimage

© Titelbild: Wikimedia Commons, Mbzt, CC BY-SA 4.0

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Am Freitag, 18. September 2026, treffen auf der Torstraße politische Reden, Protest und elektronische Musik aufeinander. Unter dem Motto „S(R)AVE OUR TREES“ wollen zahlreiche Initiativen und Verbände auf den Schutz von Stadtbäumen aufmerksam machen. Der sogenannte BaumRave findet dabei nicht zufällig in Berlin-Mitte statt: Gerade hier hat sich der Streit um den geplanten Umbau der Torstraße in den vergangenen Monaten deutlich zugespitzt.

  • Bezirk: Berlin-Mitte
  • Ort: Höhe Torstraße 138
  • Termin: Freitag, 18. September 2026
  • Uhrzeit: 18 bis 22 Uhr

Die Veranstalter rechnen nach eigenen Angaben mit 1.000 bis 3.000 Teilnehmenden. Zwischen 18 und 22 Uhr soll die Torstraße auf Höhe der Hausnummer 138 zum Veranstaltungsort werden. Auf dem Programm stehen politische Gespräche, Beiträge verschiedener Bauminitiativen sowie Musik.

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BaumRave in Berlin-Mitte: Initiativen erwarten bis zu 3.000 Menschen

Zugesagt haben laut Presseeinladung unter anderem Mittes Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne), die SPD-Abgeordnete Linda Vierecke und Pankows Bezirksbürgermeisterin Cordelia Koch (Grüne). Außerdem sollen Vertreter von BaumEntscheid, Deutscher Umwelthilfe und weiteren Organisationen auftreten.

Zum Kreis der Aufrufenden gehören unter anderem BUND Berlin, Deutsche Umwelthilfe, Grüne Liga Berlin, Changing Cities, ADFC Berlin, VCD Nord-Ost, der Bund deutscher Baumschulen und der Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen. Auch Gastronomiebetriebe und Gewerbetreibende aus der Torstraße unterstützen die Veranstaltung.

Torstraße: Baumfällungen sind seit Monaten umstritten

Der konkrete Hintergrund liegt nur wenige Meter vom Veranstaltungsort entfernt. Die Senatsverkehrsverwaltung will die rund zwei Kilometer lange Torstraße zwischen Chausseestraße und Karl-Liebknecht-Straße grundlegend erneuern. Zunächst geht es um den Abschnitt zwischen Chausseestraße und Rosenthaler Platz. Der aktuelle Zeitplan sieht den Baubeginn im vierten Quartal 2026 vor. Für diesen ersten Abschnitt kalkuliert die Verwaltung wegen umfangreicher Leitungsarbeiten mit rund dreieinhalb Jahren Bauzeit.

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Besonders umstritten bleibt der Umgang mit den vorhandenen Straßenbäumen. Eine im August veröffentlichte Senatsantwort nennt 32 zu fällende Bäume und ebenso viele Ersatzpflanzungen, davon 26 an der Torstraße und sechs in angrenzenden Straßen. In aktuellen Aufrufen zum BaumRave sprechen BUND und BaumEntscheid von 27 ausdrücklich gesunden Bäumen, die im Zuge des Umbaus betroffen seien.

Zwei Männer stehen vor einer großen Planskizze im Freien und sprechen zu einer sitzenden Zuhörerschaft, einer von ihnen zeigt mit der Hand auf den Plan.

In der Dialogveranstaltung mit Ephraim Gothe und Christopher Schriner wurde besonders deutlich, wie sehr sich der Umbau der Torstraße inzwischen zu einem Wahlkampfthema entwickelt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Torstraßen-Umbau beschäftigt auch den Bezirk

Die Kritik richtet sich zugleich gegen die geplante Straßenaufteilung. Die Senatsverwaltung will die Fahrbahn mit einer Breite von bis zu 15,25 Metern ausführen und neue Radverkehrsanlagen, Lieferzonen sowie bessere Querungsmöglichkeiten schaffen. Sie begründet das Vorhaben auch mit dem schlechten baulichen Zustand der Straße und fehlender Radverkehrsinfrastruktur.

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Der Bezirk Mitte kann die Planung nicht selbst stoppen, weil die Torstraße in diesem Bereich in der Zuständigkeit des Landes liegt. Das Bezirksamt hatte jedoch bereits Änderungen und eine stärkere Beteiligung gefordert.

Senat hält am Torstraßen-Umbau fest – Protest geht weiter

Damit stehen sich zwei unterschiedliche Vorstellungen gegenüber. Initiativen, Teile des Bezirks sowie Umwelt- und Verkehrsverbände verlangen eine Neuplanung mit stärkerem Baumerhalt. Die Senatsverwaltung hält dagegen an der Erneuerung fest. Verkehrssenatorin Ute Bonde erklärte bereits im Frühjahr im Umweltausschuss, dass auch bei der Planung der Vorgängerverwaltung mindestens 32 Bäume hätten gefällt werden müssen. Sie verwies zugleich auf das Ziel, die Belange aller Verkehrsarten zu berücksichtigen.

Der Konflikt hat inzwischen mehrere Demonstrationen ausgelöst. Die Bürgerinitiative „Lebendige Torstraße“ organisiert seit Monaten Protestaktionen; noch am 16. September war bei der Berliner Versammlungsbehörde ein Aufzug gegen die geplanten Baumfällungen registriert. Bei einer Dialogveranstaltung zum Umbau der Torstraße Ende August standen ebenfalls die Bäume und die Verkehrsplanung im Zentrum.

Berlins Stadtbäume sind längst ein Thema über die Torstraße hinaus

Der BaumRave erweitert die Debatte allerdings bewusst über die Torstraße hinaus. Die Veranstalter fordern ein vorläufiges Moratorium für Fällungen erhaltenswerter Bäume bei öffentlichen Vorhaben. Zugleich hat Berlin den Schutz des Stadtgrüns bereits gesetzlich stärker verankert: Das im November 2025 in Kraft getretene Klimaanpassungsgesetz nennt ausdrücklich den Erhalt und die Neupflanzung von Bäumen als Teil der Anpassung an Hitze und andere Klimafolgen.

Auch der Senat beschreibt die Lage vieler Straßenbäume als schwierig. Verdichtete Böden, versiegelte Flächen, Hitze und Trockenheit belasteten den Bestand, erklärte die Umweltverwaltung im Juni 2026. Wie weit zusätzlicher Baumschutz bei konkreten Straßenbauprojekten gehen soll, bleibt dagegen Gegenstand politischer Auseinandersetzungen.

BaumRave auf der Torstraße
Am 18. September 2026 findet auf der Torstraße der BaumRave für den Erhalt von Berliner Stadtbäumen statt.

 

Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Bezirksamt Mitte von Berlin, Abgeordnetenhaus von Berlin, BUND Berlin, BaumEntscheid e.V., Bürgerinitiative Lebendige Torstraße

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