Am Spreeufer in Charlottenburg ist der Umbau des Heizkraftwerks derzeit nicht zu übersehen: Bagger, Kräne und schwere Bauarbeiten prägen das Gelände. Hinter dem Baulärm steckt eine der größten Modernisierungen der Berliner Energieinfrastruktur.

Die Sanierung des Heizkraftwerks Charlottenburg verändert derzeit das Bild am Spreeufer. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Wer derzeit am Spreeufer in Charlottenburg unterwegs ist, hört die Baustelle schon aus einiger Entfernung. Auf dem Gelände des Heizkraftwerks Charlottenburg sind Bagger im Einsatz, Bauteile werden abgetragen und Materialien über das Areal bewegt. Der Grund für den Lärm: Der umfangreiche Umbau des Kraftwerksstandorts hat eine neue Phase erreicht.
Noch vor wenigen Wochen ragte eine große Stahlkonstruktion über den bestehenden Gebäuden auf. Inzwischen ist davon nur noch ein deutlich kleinerer Teil vorhanden. Die grünen Netze am Gerüst sind verschwunden und der Blick auf Teile der historischen Anlage ist wieder freier geworden.
Der Uferweg entlang der Spree bleibt während der laufenden Arbeiten gesperrt. Ein Hinweis am Bauzaun informiert über die Umleitung.

Während der Bauarbeiten am Heizkraftwerk Charlottenburg ist der Uferweg entlang der Spree gesperrt. Ein Hinweisschild informiert über die aktuelle Umleitung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Traditionsstandort wird für neue Energieversorgung umgebaut
Das Heizkraftwerk Charlottenburg gehört zu den wichtigen Standorten der Berliner Fernwärmeversorgung. Die landeseigene BEW Berliner Energie und Wärme GmbH modernisiert die Anlage derzeit umfassend. Geplant sind unter anderem drei neue gasgefeuerte Gasturbinenanlagen, vier Elektro-Heißwassererzeuger sowie weitere technische Einrichtungen.
Der Standort blickt auf eine lange Geschichte zurück. Das Kraftwerk nahm im Jahr 1900 den Betrieb auf und prägte die Energieversorgung der damals eigenständigen Stadt Charlottenburg. Heute dient die Anlage vor allem der Fernwärmeerzeugung und ist Teil des Berliner Wärmenetzes, über das rund 700.000 Wohnungen versorgt werden.

Der Rückbau am Heizkraftwerk Charlottenburg schreitet voran: Teile der bisherigen Anlagen werden entfernt, um Platz für die neue Kraftwerkstechnik zu schaffen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
HKW Charlottenburg: Rückbau schafft Platz für neue Kraftwerkstechnik
Die Arbeiten erfolgen in mehreren Schritten. Neben dem Rückbau bestehender Gebäudeteile laufen vorbereitende Maßnahmen für die künftige technische Ausstattung. Die frühere Rauchgasentschwefelungsanlage aus dem Jahr 1989 wurde bereits entfernt. Weitere Strukturen sollen Platz für die neuen Anlagen schaffen.
Gleichzeitig sollen historische Bestandteile des Areals erhalten bleiben. Dazu gehört insbesondere das denkmalgeschützte Maschinenhaus nach einem Entwurf des Architekten Georg Klingenberg, das in das zukünftige Konzept integriert werden soll.

Das Heizkraftwerk Charlottenburg wird umfassend modernisiert: Der aktuelle Rückbau ist ein wichtiger Schritt für den Umbau des Standorts. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Neue Anlagen sollen Fernwärme klimaverträglicher machen
Eine zentrale Rolle im Umbau spielen die geplanten Gasturbinenanlagen. Die dafür erforderliche immissionsschutzrechtliche Genehmigung wurde im Frühjahr 2026 erteilt. Vorgesehen ist eine Gesamtfeuerungswärmeleistung von bis zu 627 Megawatt. Die Inbetriebnahme der neuen Technik ist nach aktueller Planung für Oktober 2028 vorgesehen. Die Investitionskosten liegen bei rund 750 Millionen Euro.
Die neuen Anlagen sollen den Berliner Kohleausstieg unterstützen und die Fernwärmeversorgung langfristig klimaverträglicher machen. Vorgesehen ist eine Technik, die perspektivisch auch mit Wasserstoff betrieben werden kann. Ergänzend sollen Elektro-Heißwassererzeuger überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien nutzen. Kurzfristig bleibt Erdgas jedoch der wichtigste Energieträger am Standort.

Die Arbeiten am Heizkraftwerk Charlottenburg sind schon aus der Ferne deutlich sichtbar. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Streit um Kastanien am Spreeufer begleitet den Umbau
Der Umbau des Heizkraftwerks sorgt nicht nur wegen der sichtbaren Bauarbeiten für Aufmerksamkeit. Für Diskussionen sorgte zuletzt auch der Umgang mit den Bäumen am Spreeufer. Im Zuge der Baustelleneinrichtung war zunächst geplant, zehn gesunde Rosskastanien auf der Mierendorffinsel zu fällen, um Platz für Container und weitere Infrastruktur der Baustelle zu schaffen. Die Pläne stießen auf Kritik von Anwohnerinnen und Anwohnern sowie aus dem Bezirk.
Der Streit eskalierte, nachdem Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger das Vorgehen von Senat und BEW kritisiert hatte. Nach Gesprächen wurde schließlich eine Lösung gefunden: Die Kastanien sollen erhalten bleiben.
Heizkraftwerk Charlottenburg
Quellen: BEW Berliner Energie und Wärme GmbH, Landesamt Berlin, rbb24, BaumEntscheid Berlin, Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
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