Mehr Tageslicht, freigelegte Raumfolgen und sechsmal so viel Ausstellungsfläche: Das Bauhaus-Archiv wird umfassend erneuert. Die Eröffnung ist für den Winter 2027/28 vorgesehen. ENTWICKLUNGSSTADT konnte bereits jetzt einen Blick in die neuen Räumlichkeiten am Landwehrkanal werfen.

Beim Presserundgang erläuterten die Projektverantwortlichen die Sanierung des Bestandsbaus und die Konzeption der neuen Museumsräume. Hier spricht Archiv- und Museumsdirektorin Brigitte Franzen zu den anwesenden Gästen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Das Bauhaus-Archiv in Berlin-Tiergarten nimmt zunehmend seine künftige Gestalt an. Bei einem Presserundgang am Freitagmorgen konnte sich ENTWICKLUNGSSTADT einen Eindruck von den Neubauten sowie den sanierten und modernisierten Bestandsgebäuden am Landwehrkanal verschaffen.
- Presserundgang zeigte sanierte Bestandsbauten und neue Museumsbereiche des Bauhaus-Archivs.
- Eröffnung ist für den Winter 2027/28 geplant.
- Ausstellungsflächen sollen sich künftig versechsfachen.
- Mehr Tageslicht und freigelegte Räume machen die Gropius-Architektur neu erlebbar.
Volker Staab vom Büro Staab Architekten und Brigitte Franzen, Direktorin des Bauhaus-Archivs, erläuterten vor Ort gemeinsam die architektonischen Eingriffe und beantworteten Fragen zur komplexen Sanierung.
Die bauliche Fertigstellung ist weiterhin für Ende 2026 vorgesehen. Anschließend sollen die Sammlung einziehen und die Ausstellungen eingerichtet werden. Die Eröffnung für das Publikum ist nach Angaben beim Rundgang für den Winter 2027/28 geplant.
Bauhaus-Archiv: Ausstellungsflächen sollen sich versechsfachen
Mit der Erweiterung sollen sich die verfügbaren Ausstellungsflächen nach Angaben der Projektverantwortlichen versechsfachen. Einen wichtigen Teil davon übernimmt der von Staab Architekten entworfene Neubau. Dessen weithin sichtbarer, filigraner Turm wird künftig den Haupteingang zum Museum und Archiv markieren.
Die neuen Ausstellungsbereiche liegen größtenteils unterhalb eines neu gestalteten Plateaus. Dadurch tritt der Erweiterungsbau gegenüber dem denkmalgeschützten Bestand bewusst zurück. Zugleich soll der Turm dem Ensemble eine neue Präsenz im Stadtraum verleihen und als Orientierungspunkt am Lützowufer dienen.

Der neu gestaltete Innenhof verbindet künftig den denkmalgeschützten Gropius-Bau mit den ergänzenden Museumsbereichen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Historischer Gropius-Bau wurde von späteren Einbauten befreit
Ein Schwerpunkt des Rundgangs lag auf dem historischen Gebäude, das nach Plänen des Bauhaus-Gründers Walter Gropius errichtet und 1979 eröffnet wurde. Die Räume wurden im Zuge der Sanierung von zahlreichen später hinzugefügten Einbauten befreit. Dadurch werden die ursprünglichen Raumfolgen, Sichtachsen und Proportionen wieder deutlicher erkennbar.
Schon während des Rundgangs zeigte sich, wie stark diese Freilegung die Wahrnehmung des Gebäudes verändert. Die Architektur, entworfen in den 1960er Jahren, soll künftig nicht nur als Hülle für Archiv und Museum dienen, sondern selbst wieder stärker zum Exponat werden.
Falsche Ausrichtung sorgte in Berlin für ungünstigen Lichteinfall
Eine architektonische Herausforderung geht auf die Entstehungsgeschichte des Hauses zurück. Gropius hatte den Gebäudekomplex ursprünglich für einen Standort in Darmstadt entworfen. In Berlin wurde der Bau jedoch mit einer veränderten Nord-Süd-Ausrichtung umgesetzt.
Dadurch funktionierte der natürliche Lichteinfall nicht so, wie es der ursprüngliche Entwurf vorgesehen hatte. Im Rahmen der Sanierung wurde diese Schwäche nach Angaben des Planungsteams korrigiert. Künftig soll wieder deutlich mehr Tageslicht in die historischen Räume gelangen, ohne die konservatorischen Anforderungen des Archivs und Museums zu vernachlässigen.

Auch das historische, eng geschwungene Treppenhaus des Bauhaus-Archivs wurde denkmalgerecht saniert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Denkmalpflege: Welche Fassade ist das historische Original?
Auch die Fassade des Bestandsbaus stellte die Projektbeteiligten vor eine grundsätzliche denkmalpflegerische Frage. Ursprünglich war das Gebäude als Sichtbetonbau ausgeführt worden. Bereits wenige Jahre nach der Eröffnung erhielt die Fassade jedoch einen schützenden Anstrich.
Gemeinsam mit dem Berliner Landesdenkmalamt musste daher geklärt werden, welcher Zustand als erhaltenswert gelten sollte: der ursprüngliche Sichtbeton oder die später aufgebrachte Farbfassung. Nach dem Entfernen der alten Beschichtung zeigte sich, dass der Beton deutliche Korrosionsschäden aufwies und zudem vergilbt wirkte.
Architekten und Denkmalamt entschieden sich dafür, Anstrich aus den 80er Jahren beizubehalten
Letztlich entschieden sich die Beteiligten erneut für eine schützende Farbschicht, wie auch der anwesende Landeskonservator Christoph Rauhut bestätigen konnte. Dass es auf dem Weg zur Entscheidung einige Diskussionen gegeben hat, konnten Volker Staab und Rauhut mit einem Augenzwinkern bestätigen.
„Aber irgendwann muss man sich ja dann auf eine Lösung einigen“, so Rauhut. Das Ergebnis überzeugt nun immerhin sowohl die verantwortlichen Architekten als auch das Berliner Landesdenkmalamt.

Der Neubau des Bauhaus-Archivs mit dem filigranen Eingangsturm und dem langgestreckten Museumsgebäude während des Presserundgangs. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Weltweit größte Bauhaus-Sammlung erhält in Berlin-Tiergarten deutlich mehr Raum
Das Bauhaus-Archiv besitzt die weltweit umfangreichste Sammlung zur Geschichte der berühmten Kunstschule. Dazu gehören Fotografien, Möbel, Zeichnungen, Architekturmodelle, Dokumente, Kunstwerke und Nachlässe bedeutender Bauhaus-Persönlichkeiten.
Seit 2018 wird das Ensemble saniert und erweitert. Der Rundgang zeigte, dass sich das langjährige Bauprojekt inzwischen einer entscheidenden Phase nähert. Bis zur geplanten Eröffnung im Winter 2027/28 bleibt jedoch noch viel zu tun: Nach Abschluss der Bauarbeiten müssen die Sammlungen einziehen und die neuen Ausstellungsräume eingerichtet werden.
Neues Bauhaus-Archiv: Bereicherung für den Kulturstandort Berlin
Dann wird ein Projekt, das ein ganzes Jahrzehnt umfasst, abgeschlossen werden. Auf das Ergebnis darf man sehr gespannt sein. Am Freitagvormittag ließ sich bereits erahnen, wie neu und anders der erweiterte und runderneuerte Komplex am Landwehrkanal wirken wird.
Für den Berliner Kulturstandort wird das neue Archiv und Museum mit großer Wahrscheinlichkeit eine Bereicherung darstellen.
Quellen: Der Tagesspiegel, Bauhaus-Archiv, Museum für Gestaltung, Architektur Urbanistik Berlin, Stern, Berliner Woche, berlin.de
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