In der Berolinastraße in Berlin-Mitte wächst ein Bauprojekt, das weit über gewöhnlichen Wohnungsbau hinausgeht. Das queere Frauenwohnprojekt von RuT und der WBM vereint soziales Engagement, Inklusion und Nachbarschaftsarbeit unter einem Dach. Doch während der Bau gut voranschreitet, überzeugt die äußere Gestaltung bisher weniger durch Originalität.

Baustand im Herbst 2025: Der Neubau in der Berolinastraße 9-11 in Berlin-Mitte nähert sich seiner Fertigstellung. Die WBM realisiert hier gemeinsam mit der Rad und Tat Berlin gGmbH ein queeres Frauenwohnprojekt mit 72 bezahlbaren Wohnungen, Gemeinschaftsräumen und einer Pflege-Wohngemeinschaft. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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In Berlin-Mitte wächst derzeit ein Bauprojekt mit sozialem Anspruch. Auf dem Grundstück südlich der Berolinastraße 9-11 entsteht ein siebenstöckiger Neubau, der künftig 72 bezahlbare Wohnungen und ein queeres soziokulturelles Zentrum beherbergen wird. Das Projekt der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH (WBM) und der Initiative Rad und Tat Berlin gGmbH (RuT) ist eines der wichtigsten Vorhaben für gemeinschaftliches Wohnen in der Innenstadt.
Der Baufortschritt ist inzwischen deutlich sichtbar. Die erste Gebäudeseite ist vollständig verputzt und geweißt, die restliche Fassade steht kurz vor der Fertigstellung. Es scheint, als könne der Zeitplan eingehalten werden. Das Projekt soll bis Januar 2026 fertiggestellt werden.
Queeres Wohnprojekt in der Berolinastraße: Gestaltung des Neubaus mit wenig Mut
Während die bauliche Umsetzung scheinbar reibungslos verläuft, fällt die architektonische Gestaltung bislang eher zurückhaltend aus. Die Fassade zeigt sich in schlichtem Weiß und fügt sich zwar unaufdringlich in die Nachbarschaft, wirkt aber wenig lebendig. Insbesondere aufgrund seines Nutzungsangebots hätte das Gebäude durchaus gestalterische Akzente setzen können, die dem innovativen sozialen Konzept auch optisch gerecht werden.
Die WBM scheint sich jedoch bewusst für eine funktionale, pragmatische Architektursprache entschieden zu haben. Diese Zurückhaltung sorgt zwar für eine klare Linie, lässt aber gestalterischen Esprit vermissen. Dennoch überzeugt das Projekt inhaltlich, da es den Fokus auf Inklusion und soziale Teilhabe legt und so ein wichtiges Signal für die Berliner Stadtentwicklung sendet.
Gemeinschaftliches Wohnen in Berlin-Mitte: Fokus des Projekts auf sozialem Charakter
Das Haus wird nicht nur Wohnraum bieten, sondern auch ein Ort des Austauschs und der Begegnung sein. Neben den Wohnungen entstehen im Erdgeschoss ein Veranstaltungssaal, ein Kiez-Café und Beratungsräume. Sie sollen die Nachbarschaft beleben und als offener Treffpunkt für die LSBTIQ+ Community dienen. RuT Berlin plant zudem eine Pflege-Wohngemeinschaft für lesbische Frauen sowie ambulante Pflegedienste im Haus.
Mit diesem Konzept vereint das Projekt verschiedene Lebensrealitäten und schafft eine inklusive Umgebung mitten in der Stadt. Die Hälfte der Wohnungen wird gefördert, die Mieten sollen bei rund sieben Euro pro Quadratmeter liegen. Damit zeigt das Vorhaben, dass sozial orientierter Wohnungsbau auch im Zentrum Berlins möglich bleibt.
Soziale Stadtentwicklung mit Weitblick: Ein Modellprojekt für Berlin-Mitte
In seiner Gesamtheit steht das Projekt für eine neue Form des Bauens, die über reine Funktionalität hinausgeht. Es verbindet Wohnen, Pflege, Kultur und Beratung in einem inklusiven Rahmen. Damit setzt die WBM gemeinsam mit RuT ein starkes Zeichen für Diversität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Trotz der nüchternen Fassade bleibt der Neubau in der Berolinastraße ein beispielhaftes Projekt sozialer Stadtentwicklung. Er zeigt, dass Architektur nicht immer spektakulär sein muss, um gesellschaftlich relevant zu sein.

Blick auf die eingerüstete Fassade des Neubaus in der Berolinastraße. Die erste Seite ist bereits fertig verputzt und gestrichen, die anderen Seiten werden vermutlich demnächst fertiggestellt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Der siebengeschossige Bau fügt sich in die umgebende Wohnbebauung nahe des Alexanderplatzes ein. Das Gebäude bietet künftig barrierefreie Wohnungen und Flächen für gemeinschaftliche Nutzung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Der Neubau entsteht nach Plänen der WBM in Zusammenarbeit mit der RuT Berlin gGmbH. Die Bauausführung übernimmt die Ludwig Freytag Unternehmensgruppe. Neben Wohnungen entstehen ein Kiez-Café, Beratungsräume und Veranstaltungsflächen für die LSBTIQ+ Community. / © Visualisierung: GSAI
Quellen: WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte, Koordinationsbüro für Stadtentwicklung und Projektmanagement, RuT – Frauen Kultur & Wohnen
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