Kann aus Baustellenaushub ein Baustoff der Zukunft werden? In der Urban Tech Republic in Berlin-Tegel arbeitet ein junges Unternehmen genau an dieser Idee, mit ambitionierten Plänen für nachhaltiges und zirkuläres Bauen.

Wo früher Flugzeuge starteten, sollen künftig innovative Baustoffe für die Städte von morgen entstehen. In Berlin-Tegel setzt ein neues Start-up auf Lehm, Kreislaufwirtschaft und die Vision einer Zero-Waste-City. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Die Transformation der Bauwirtschaft zählt zu den größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. In Berlin-Tegel entsteht derzeit ein Standort, an dem neue Ansätze für nachhaltiges, ressourcenschonendes und zirkuläres Bauen nicht nur diskutiert, sondern konkret erprobt und umgesetzt werden sollen. Als Entwicklerin der Urban Tech Republic bringt die TXL Management GmbH gezielt Unternehmen an den Standort, die die Transformation urbaner Systeme vorantreiben.

TXL und Earthbound hatten am Donnerstagnachmittag in einen Hangar des ehemaligen Flughafens Tegel geladen, um einen weiteren Akteur zu präsentieren, der mit seinem innovativen Ansatz auf dem Baustoffsektor die Entwicklung des zirkulären Bauens in Deutschland voranbringen will.

Urban Tech Republic in Berlin-Tegel: Fokus auf nachhaltige Technologien und Kreislaufwirtschaft

Frank Wolters, Geschäftsführer der Berlin TXL Management GmbH, die vor zwei Wochen noch Tegel Projekt GmbH hieß, eröffnete das offizielle Event und wies noch einmal auf die Namensänderung hin: Man wolle national und international als Berlin sichtbar sein und zugleich dem alten Flughafen eine Reminiszenz erweisen.

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Übrigens war es das erste Mal seit der Übernahme des Flughafens und der Gründung der Urban Tech Republic, dass in einem Hangar mit einem Launch gemeinsam die Gründung eines Unternehmens gefeiert werden konnte.

Zudem verwies Wolters noch einmal auf das Ansinnen der Urban Tech Republic, urbane Technologien zu Wertschöpfung, Kreislaufwirtschaft, Recycling, Energiemobilität und weiteren Themen zu entwickeln. „Man glaubt daran, dass dadurch viele Bereiche des städtischen Lebens zukunftsfähiger werden“, so Frank Wolters.

Ehemaliger Flughafen Tegel als Standort für Forschung, Entwicklung und urbane Innovationen

Dabei soll der Fokus auf Transformation liegen, nicht nur im Energiesektor, sondern auch im Bausektor und bei den Baumaterialien. Bereits heute sind 40 Unternehmen mit zirka 450 Beschäftigten auf dem ehemaligen Flughafenareal angesiedelt, die im Sinne der Kreislaufwirtschaft arbeiten. Im Vordergrund steht dabei das Ansinnen, dass die Unternehmen nicht nur nebeneinander, sondern miteinander in Kooperation wirken.

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Die TXL Management GmbH versteht ihre Funktion am Standort in der Weiterentwicklung der Community sowie in der Unterstützung der Start-ups und Unternehmen, die bereits auf dem Areal arbeiten. Um das zu gewährleisten, ist man auf ein breites Partnernetzwerk aus Politik, Wissenschaft und Forschung angewiesen.

Zirkuläres Bauen und urbane Technologien: Berlin TXL setzt auf Kooperation und Innovation

Die Strukturierung des gesamten Areals ist auf Forschung und Entwicklung ausgelegt, wo getestet und experimentiert werden kann und nachfolgend die Produkte auch hergestellt und vertrieben werden.

Und das sind genau die Produkte, die man für die Städte von morgen haben will; zunächst für Berlin, aber auch darüber hinaus, schloss Wolters seine Begrüßung an die zahlreich aus Architektur, Design, Forschung und Wissenschaft erschienenen Gäste.

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Bauwende und steigende Baukosten: Senat sieht dringenden Handlungsbedarf im Wohnungsbau

Der Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Sebastian Jung, betonte bei seinen Ausführungen den besonderen Anlass in mehrfacher Hinsicht. Er fand die Idee der Earthbound-Gründer überzeugend, „ein Produkt auf den Markt zu bringen, das einerseits eine sehr gute CO₂-Bilanz hat, einen Beitrag zur Bauwende liefert und gleichzeitig skaliert werden soll.“

Dabei sprach Jung die gravierenden Herausforderungen an, etwa die galoppierenden Baukosten im konventionellen Wohnungsbau mit Baukosten von EUR 3.600 bis 4.000 pro Quadratmeter – ohne den Erwerb von Grund und Boden. Die daraus resultierenden Mieten von EUR 19 bis 20 pro Quadratmeter seien nicht mehr bezahlbar.

Auch die Methoden, die man gerade in Berlin mit Initiativen wie „Einfach Bauen“, dem „Hamburger Standard“ oder der vom Bund initiierten „Gebäudeklasse E“ umzusetzen versuche, hätten bislang noch nicht zu einer grundlegenden Bauwende geführt. Nur wenn es gelinge, die Baukosten zu senken, die Mieten wieder leistbar zu machen und gleichzeitig die Bauwende voranzutreiben, käme dies der Quadratur des Kreises gleich.

Entscheidung für die Urban Tech Republic: Earthbound setzt auf den Standort Berlin-Tegel

Er freue sich jedoch darüber, dass sich die Earthbound-Gründer für den Standort Urban Tech Republic entschieden hätten; letztendlich auch eine Entscheidung für Berlin und zur Stärkung des Standortprofils.

Denn, so Sebastian Jung, „man wolle gerade urbane Technologien und Technologien im Bausektor angesiedelt sehen“ und hoffe, dass das Land Berlin das Unternehmen bestmöglich unterstütze. Ebenso verlieh er seiner Hoffnung Ausdruck, dass „solche Ideen Eingang finden in Bauvorhaben der landeseigenen Bauunternehmen, die immer wieder Ausschau halten nach neuen Methoden“.

Kreislaufgerechte Lehmbaustoffe aus Baustellenaushub: Earthbound baut Produktion in Tegel auf

Die drei Unternehmensgründer Gäth, Janotta und Kretschmann entwickeln kreislaufgerechte Lehmbaustoffe aus regionalem Baustellenaushub und haben aktuell am Standort Tegel – im ehemaligen Air-Berlin-Hangar – eine eigene Produktionsstätte aufgebaut.

Durch die Umwandlung linearer Abfallressourcen in leistungsfähige, hochwertige Baustoffe leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag dazu, den Weg Berlins hin zur Zero-Waste-City zu unterstützen.

Für das Jahr 2026 steuert das Unternehmen im Hangar eine Pilotproduktion von 50.000 tragenden Lehmsteinen an, die in innovativen Bauprojekten der Region verbaut werden sollen. Die dafür erforderlichen 500 Tonnen Baustellenaushub hat man sich bereits als Rohstoff gesichert. Earthbound plant, täglich gut zehn Tonnen dieses Aushubs zu Lehmsteinen zu verarbeiten.

IBB unterstützt Earthbound mit Frühphasen- und Forschungsfinanzierung

Ohne die Investitionsbank Berlin wäre die Firmengründung nicht möglich gewesen. Durch die Teilnahme an einem Businessplan-Wettbewerb der IBB kam die Verbindung zustande. Förderbausteine waren dabei jeweils eine Frühphasen- sowie eine Forschungsfinanzierung.

Auch die Bereitschaft vertrauter Personen, Risikokapital zur Verfügung zu stellen, habe das Pilotprojekt überhaupt erst ermöglicht.

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Pilotprojekt in Berlin: Erste Lehmsteine sollen 2026 in Klimapavillon verbaut werden

In der Pilotphase will man mit den daraus gewonnenen Erfahrungen die Anforderungen an Maschinen für eine spätere Serienproduktion selbst formulieren. Man zeigt sich zuversichtlich, den derzeitigen Produktionsausstoß von 20.000 Steinen im Monat durch Skaleneffekte, Effizienzsteigerungen, Wassergehalt, Pressdruck und weitere Optimierungen in den kommenden Jahren verzehnfachen zu können.

Wie das aussehen kann, ließ sich bei den aufgestellten Musterwänden mit jeweils drei Quadratmetern Fläche nachvollziehen, die mit den Lehmbausteinen gemauert wurden.

Erstes Projekt startet 2026: Belüfteter Pavillon aus 800 Steinen soll entstehen

Das erste Projekt ist ein Klimaturm, dessen Umsetzung tatsächlich bereits im Juni 2026 beginnen soll. Dort sollen die ersten 800 Steine für einen belüfteten Pavillon verbaut werden. Im Anschluss an die Impulsvorträge erfolgte eine Führung durch die Produktionshalle, bei der man sich unter anderem auch mit Prof. Dr. Misselwitz, Geschäftsführer von Bauhaus Erde, sowie mit Prof. Andrea Klinge, Geschäftsführerin von ZRS Architekten und Professorin am Karlsruher Institut für Technologie, zum Thema austauschen konnte.

Mit Projekten wie Earthbound zeigt sich, welches Potenzial in der Verbindung aus Forschung, Innovation und unternehmerischem Mut steckt. Der Ansatz, regionale Ressourcen intelligent weiterzuverwenden und daraus neue Baustoffe für die Städte von morgen zu entwickeln, könnte weit über Berlin hinaus zu einem wichtigen Impulsgeber für eine nachhaltigere Bauwirtschaft werden.

Quellen: TXL Projekt GmbH, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Earthbound

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