Der Elbtower bekommt eine neue Perspektive: Mit dem Einzug des Naturkundemuseums soll der lange stockende Bau endlich bis 2029 vollendet werden. Rund 46.000 Quadratmeter sind für das Evolutioneum vorgesehen und geben dem Hochhausprojekt neuen städtebaulichen Sinn. Für Hamburg eröffnet sich damit ein zentraler Ort für Forschung, Sammlung und Öffentlichkeit.

HAMBURG HAFENCITY ELBTOWER

Mit dem Evolutioneum erhält der Elbtower eine neue Funktion als Ausstellungsort für Biodiversität und moderne Naturforschung. Bis 2029 soll der Bau fertiggestellt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

ANZEIGE

 

Der Elbtower, eines der ambitioniertesten Hochhausprojekte Deutschlands, wird künftig das neue Evolutioneum aufnehmen. Damit zieht ein Naturkundemuseum in ein Gebäude ein, das zuletzt vor allem durch den Baustopp und offene Finanzierungsfragen für große Aufmerksamkeit sorgte.

Der Senat hat sich gegen einen eigenen Neubau entschieden und setzt stattdessen auf die Integration des Museums in den rund 199 Meter hohen Turm an den Elbbrücken. Für das naturkundliche Konzept bedeutet dies keine Einschränkung, sondern eine räumliche Neuorientierung.

ANZEIGE

Hamburger HafenCity: Ein Naturkundemuseum findet seinen Standort im Elbtower

Projektleiter Matthias Glaubrecht betont, dass Inhalte und Szenografie seit Jahren entwickelt sind, bislang jedoch ein geeigneter Standort fehlte. Der Senat sieht im Elbtower die Möglichkeit, Ausstellung, Sammlungen und Forschung in einem Gebäude zu vereinen. Rund 46.000 Quadratmeter im Sockelbereich des Turms sollen dafür genutzt werden. Der Entwurf von David Chipperfield Architects sieht ein großes Atrium und eine klar strukturierte Museumsräume vor, die wissenschaftliche und museale Anforderungen verbinden.

Glaubrecht erklärte, der Standort eigne sich auch thematisch: Die Nähe zur Hafencity und zu Grünräumen entlang der Elbe ermögliche eine direkte Verbindung zwischen urbaner Umwelt und Natur. Geplant sind daher auch Exkursionen in die Umgebung.

Entscheidung für Evolutioneum bringt Bau voran: Fertiggestellung bis 2029 geplant

Mit der Entscheidung für das Evolutioneum wird zugleich ein stadtentwicklungspolitisches Problem gelöst. Mit dem Erwerb der Museumsfläche für 595 Millionen Euro ermöglicht die Stadt die Wiederaufnahme, der seit 2023 ruhenden Bauarbeiten. Die Übernahme durch ein Konsortium um den Investor Dieter Becken soll den Bau bis 2029 fertigstellen. Laut Finanzsenator Andreas Dressel wäre das Museum im Elbtower deutlich früher realisierbar und kostengünstiger als ein eigener Neubau.

ANZEIGE

Zudem erfüllt Hamburg damit Verpflichtungen aus dem 2021 geschlossenen Staatsvertrag mit Nordrhein-Westfalen zur Gründung des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels. Die Bürgerschaft muss dem Vorhaben noch zustimmen.

Elbtower: Architektonische Anpassungen für das Evolutioneum

Im Inneren des Turms soll die Architektur an das Ausstellungskonzept angepasst werden. Glaubrecht zeigt sich zuversichtlich, dass die räumlichen Strukturen flexibel genug sind. Zugleich verweist er auf historische Bezüge, etwa zum ehemaligen Naturkundemuseum am Steintorwall, das 1943 zerstört wurde.

Die heutige Hamburger Sammlung umfasst rund zehn Millionen Objekte, die im Elbtower sichtbar präsentiert werden sollen. Besucherinnen und Besucher sollen entlang von Sammlungsschränken und offenen Vitrinen Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit erhalten.

ANZEIGE

Aufteilung des Naturkundemuseums: Evolutionsraum und Saal der Biodiversität

Zwei große Ausstellungssäle bilden die zentralen Themenräume. Im Evolutionsraum führt ein kuratierter Weg durch die Erd- und Lebensgeschichte. Der Saal der Biodiversität soll die Vielfalt des Lebens anhand von Sammlungsobjekten und digitalen Installationen wie Schwarmmodellen oder Virtual-Reality-Elementen.

Darüber hinaus sollen weitere Formate den Austausch mit der Forschung stärken. Dazu zählen kleine Klassenzimmer, Dioramen mit virtuellen Forscherfiguren oder einzelne Exponate, deren Geschichten naturkundliche Zusammenhänge vermitteln.

Evolutioneum in der HafenCity: Ein neues Forum für Wissenschaft und Öffentlichkeit

Rund 500.000 Besucherinnen und Besucher werden jährlich im künftigen „Evo-Tower“ erwartet, der als öffentliches Forum zur Auseinandersetzung mit dem weltweiten Verlust biologischer Vielfalt geplant ist. Projektleiter Matthias Glaubrecht verweist darauf, dass die Entwicklung des Menschen nur im Zusammenspiel mit allen Lebensformen verständlich werde. Ein Anspruch, den das Museum an diesem Standort einlösen soll.

Das von Chipperfield entwickelte Ausstellungskonzept verleiht dem Projekt nach der Signa-Insolvenz spürbar neue Dynamik. Ob die Bauarbeiten tatsächlich im Frühjahr 2026 wieder aufgenommen werden können, dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden.

HAMBURG HAFENCITY ELBTOWER

Mit dem Evolutioneum erhält der Elbtower eine neue Funktion als Ausstellungsort für Biodiversität und moderne Naturforschung. Bis 2029 soll der Bau fertiggestellt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Welt, Hamburger Abendblatt

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

One Comment

  1. Max 12. Dezember 2025 at 14:58 - Reply

    oh ne schon wieder wird ein Stummel Hochhaus draus wie in Berlin

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.