Der Bezirk Lichtenberg arbeitet an einem neuen Stadtteilzentrum für Neu-Hohenschönhausen. Der Masterplan zeigt ambitionierte Ziele, doch die Realisierung wird noch Zeit benötigen.

Zwischen Falkenberger Chaussee und Wartenberger Straße soll in den kommenden Jahren ein modernes Stadtquartier entstehen. / © Visualisierung: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen / superwien urbanism zt gmbh / studio boden Landscape Architecture + Urban Design
© Visualisierungen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen / superwien urbanism zt gmbh / studio boden Landscape Architecture + Urban Design
Der Masterplan für das neue Stadtteilzentrum rund um den Bahnhof Hohenschönhausen wird seit seiner Vorstellung im Dezember 2024 weiter konkretisiert. Der Bezirk arbeitet derzeit an der finalen Redaktion des Konzepts, an einem ergänzenden Gestaltungshandbuch sowie an Grundstücksstrategien, die die kommenden Bau- und Genehmigungsprozesse vorbereiten sollen. Der Anspruch besteht darin, die städtebauliche Qualität langfristig zu sichern und belastbare Grundlagen für die nächsten Schritte zu schaffen.
Als nächstes soll das Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. Die dafür erforderlichen Abstimmungen mit Senatsverwaltung und Landesplanungsabteilung sind bereits abgeschlossen, sodass das Bezirksamt den formalen Start vorbereiten kann. Ein verbindlicher Zeitplan liegt jedoch weiterhin nicht vor.
Verkehrskonzept im Fokus: Einbahnstraße statt Sperrung in Lichtenberg
Besonders relevant für die weitere Entwicklung ist die Verkehrssituation entlang der Wartenberger Straße. Ein Verkehrsgutachten der Hoffmann-Leichter Ingenieursgesellschaft vom Juli 2024 prüfte mehrere Varianten. Während der ursprüngliche Masterplan eine vollständige Sperrung des Straßenabschnitts nördlich der Falkenberger Chaussee vorsah, zeigte die Analyse, dass dies bei aktuellem Verkehrsaufkommen nicht empfohlen werden kann.
Daraufhin wurden alternative Lösungen geprüft, darunter eine Einbahnstraßenregelung. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass sowohl eine Sperrung als auch eine Einbahnführung grundsätzlich möglich wären. Aus Gründen der Verkehrssicherheit wird jedoch eine Einbahnstraße in westlicher Richtung favorisiert. Ergänzend soll ein Mobilitätsangebot entstehen, darunter ein neues Gebäude zwischen Wartenberger Straße und Falkenberger Chaussee mit integrierter Quartiersgarage.
Neu-Hohenschönhausen: Ein Stadtteilzentrum, das nie gebaut wurde
Mit dem Projekt soll eine Lücke geschlossen werden, die seit den frühen 1990er Jahren besteht. Damals war ein Stadtteilzentrum für Neu-Hohenschönhausen vorgesehen, wurde jedoch nach der Wende nicht mehr umgesetzt. Bei einer Informationsveranstaltung im vergangenen Jahr hatte Christian Junge, Leiter des Stadtentwicklungsamts, erklärt, dies sei eine direkte Folge der politischen Umbrüche jener Zeit.
Der aktuelle Masterplan knüpft an frühere Planungen an und geht zugleich weit darüber hinaus. Er basiert auf einem zweiphasigen Wettbewerb, den zwei österreichische Büros gewannen. Vorgesehen ist eine Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Kultur und sozialer Infrastruktur. Bis zu 500 Wohnungen, mehrere Hochhäuser, ein Kultur- und Bildungszentrum sowie eine Kita sollen das neue Zentrum prägen.
Stadtteilzentrum Lichtenberg: Neue Freiräume und klimafreundliche Gestaltung
Das Gebiet zwischen Falkenberger Chaussee, Wustrower Straße und dem Bahnhof Hohenschönhausen soll zu einem urbanen Raum mit vielfältigen Nutzungen entwickelt werden. Ein Boulevard entlang der Wartenberger Straße bildet das Zentrum des neuen Quartiers. Geplant sind außerdem breite Geh- und Radwege, Grünflächen und potenzielle Außenbereiche für Cafés und Restaurants.
Das Planungsbüro Studio Boden hebt hervor, dass der Freiraumentwurf stark auf Klimaanpassung ausgerichtet ist. Vorgesehen sind Regenspeicher, begrünte Dächer und neue Grünflächen. Ergänzend entstehen Spielplätze und Sportanlagen. Auf dem heutigen Parkplatz südlich des Bahnhofs ist ein Gebäudekomplex mit Wohnungen, Büros, Gastronomie und dem Kultur- und Bildungszentrum vorgesehen. Ein 85 Meter hohes Hochhaus soll das neue Stadtteilzentrum zudem städtebaulich markieren.
Umsetzung des Projekts in Neu-Hohenschönhausen bleibt offen: Realisierung erfordert Geduld
Nach Angaben des Bezirksamts soll im nächsten Schritt das Bebauungsplanverfahren starten. Anschließend folgen weitere Prüfungen und Beteiligungsverfahren. Zudem müssen sich Flächeneigentümer und Investoren zur Finanzierung und Realisierung des Projekts bekennen. Wann die Bauarbeiten beginnen können, bleibt weiterhin unklar.
Trotz vieler offener Fragen setzt der Masterplan einen wichtigen Impuls für die Weiterentwicklung Neu-Hohenschönhausens. Der langwierige Prozess verdeutlicht jedoch auch die Relevanz des Schneller-Bauen-Gesetzes, das komplexe Verfahren künftig beschleunigen soll.
Quellen: Newsletter Neu-Hohenschönhausen, superwien urbanism zt gmbh, studio boden Landscape Architecture + Urban Design, Bezirksamt Lichtenberg
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