Hamburg geht voran: Ab 2032 sollen dort sogar große Linienbusse ohne Fahrer unterwegs sein. Auch die BVG verfolgt entsprechende Pläne, steht jedoch vor Problemen wie einem maroden U-Bahnnetz und hohem Fahrzeugverschleiß. Können neue Technologien den Berliner Nahverkehr dennoch grundlegend verändern und bietet Hamburg dabei ein realistisches Vorbild?

Auf den Linien U3 und U5 testet die BVG bereits die Teilautomatisierung der U-Bahn. Technik soll künftig das Beschleunigen und Bremsen übernehmen, während das Fahrpersonal vorerst an Bord bleibt. So lassen sich Taktung und Fahrkomfort deutlich verbessern. / © Foto: Wikimedia Commons, JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0
© Foto: Wikimedia Commons, JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0
© Foto Titelbild: depositphotos.com / Robson90
Hamburg macht Tempo beim autonomen Nahverkehr: Ab 2032 sollen auch zwölf Meter lange Linienbusse ohne Fahrer unterwegs sein. Die Hamburger Hochbahn stellte die Pläne beim internationalen UITP-Kongress 2025 vor. Bereits in diesem Jahr gehen kleinere Holon-Busse in den Testbetrieb, zunächst mit Sicherheitsfahrern an Bord.
Mittelfristig soll die Flotte komplett umgestellt werden. Laut Hochbahnchef Robert Henrich könnte der Fahrersitz in sieben Jahren ausgedient haben wie der NDR berichtet. Doch Entlassungen seien nicht geplant. Vielmehr sei der Fachkräftemangel in der Branche so groß, dass neue Aufgaben in Leitständen geschaffen würden.
Berlin zieht nach: BVG-Chef Henrik Falk plant autonome Busse bis 2027
Auch in Berlin rückt autonomes Fahren in greifbare Nähe. Henrik Falk, neuer Vorstandschef der BVG und zuvor Chef der Hamburger Hochbahn, verfolgt eine ähnliche Strategie für die Hauptstadt. Für Busse im öffentlichen Straßenverkehr will die BVG bis 2027 eine Zulassung für autonomes Fahren erreichen.
Ziel sei es, gemeinsam mit Hamburg bundesweite Genehmigungen zu erwirken. Vollautonome Fahrzeuge könnten laut Falk eine neue Mobilitätsära einleiten, auch wenn der zeitliche Rahmen offen bleibt.
Teilautomatisierung bei der Berliner U-Bahn: Erste Tests auf den Linien U3 und U5 gestartet
Neben den Buslinien will die BVG auch bei der U-Bahn neue Wege gehen. Erste Tests zur Teilautomatisierung laufen auf den Linien U3 und U5. Hierbei sollen Brems- und Beschleunigungsvorgänge von Technik übernommen werden. Fahrerinnen und Fahrer bleiben jedoch vorerst an Bord.
Vorteil der Technik: gleichmäßigere Fahrten und höhere Taktfrequenzen. Die Leistung könne so um bis zu 30 Prozent steigen, ohne zusätzliche Gleise.
Alte Technik und neue Ansprüche: BVG kämpft mit Modernisierung und Betriebskrise im U-Bahnnetz
Gleichzeitig kämpft die BVG mit altbekannten Problemen. Das Berliner U-Bahnnetz stammt teils aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Modernisierung der Infrastruktur gestaltet sich aufwendig und teuer. Falk nennt 2030 als Zieljahr für spürbare Verbesserungen.
Hinzu kommt eine Betriebskrise im U-Bahnbereich. Technische Defekte führen regelmäßig zu Ausfällen. Zwar wurden neue Fahrzeuge bestellt, doch die Zuverlässigkeit liegt aktuell nur bei 95 bis 96 Prozent, das Ziel sind 99 Prozent.
Autonome Shuttles und Zukunftsvisionen: Hamburg geht beim digitalen Nahverkehr voran
Neben der Hochbahn treibt auch der Ridesharing-Anbieter MOIA das autonome Fahren in Hamburg voran. Ab Mitte 2025 sollen elektrisch betriebene Shuttles des Unternehmens testweise fahrerlos durch die Stadt rollen, zunächst mit Sicherheitsfahrerinnen und Fahrern an Bord. Die Fahrzeuge vom Typ VW ID-Buzz bieten Platz für bis zu vier Personen und sind mit umfangreicher Sensorik ausgestattet, darunter Kameras, Radar- und Lidarsysteme.
Trotz der Herausforderungen bleibt die BVG bei ihrer Zukunftsstrategie. Autonomes Fahren, Digitalisierung und technische Modernisierung gelten als Schlüssel zu einem leistungsfähigen, klimagerechten Nahverkehr. Ob Berlin mit Hamburg Schritt halten kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Quellen: Hochbahn, MOIA, Hamburg.de, BVG, Tagesspiegel
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
One Comment
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.




Wer braucht Autonomes Fahren? Und wozu? Und wo soll da der Fortschritt liegen? Ich würde niemals ein Flugzeug, einen Zug, einen Bus oder ein Auto nutzen wollen, das autonom fährt ( ganz ohne Pilot,Führer, Fahrer). Und wenn da sicherheitshalber doch ein Person vorne drinsitzt ( zur Sicherheit, zur Kontrolle der Technik etc), dann braucht es kein Autonomes Fahren bzw dann ist es kein Autonomes Fahren.. Diese ganze Propaganda vom vermeintlichen Fortschritt des autonomen Fahrens ist Unsinn.. Es geht dabei nicht um Fortschritt, sondern um Kontrolle und Steuerung von außen, um Fern- und Fremdbestimmung. Wer ein kontrollier- und steuerbares Schaf sein möchte, der kann ja gerne autonom Auto fahren etc.. Das ist das gleiche Thema, wie beim behaupteten Fortschritt bei der Abschaffung des Bargeldes: die eigene Kontrolle über den Zugriff auf das eigene Geld ist passe. Wie gesagt: für naive und dumme Schafe, die dem Staat oder irgendwelchen Institutionen blind vertrauen möchten, kein Problem. Für alle anderen Menschen mit Hirn und Verstand und Freiheitsliebe ist das keine Option, kein Fortschritt.