Die Autobahn GmbH hat einen sofortigen Ausschreibungsstopp für das Jahr 2025 verhängt. Grund sind fehlende Haushaltsmittel, mit weitreichenden Folgen für Bauunternehmen, Planungsbüros und die ohnehin marode Verkehrsinfrastruktur. Branchenvertreter warnen vor einem „verlorenen Baujahr“ und kritisieren mangelnde Planungssicherheit.

Die Ringbahnbrücke muss aufgrund schwerwiegender Bauschäden vollständig ersetzt werden. Die Autobahn GmbH dokumentierte den Rückbau und die Arbeiten an der Brücke mit einer Livekamera, so lässt sich das Baugeschehen in Echtzeit online mitverfolgen. Für andere Infrastrukturprojekte besteht mit dem Ausschreibungsstopp erstmal Unklarheit. / © Foto: IMAGO / Stefan Zeitz
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Die Autobahn GmbH des Bundes hat einen sofortigen Ausschreibungsstopp für das Jahr 2025 verhängt. Neue Projekte im Bundesfernstraßenbau sollen vorerst nicht mehr vergeben werden. Laut Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sei damit der schlimmste Fall eingetreten. Bereits seit Monaten hätten Betriebe auf neue Aufträge gewartet, erklärte Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. Er bezeichnete das Jahr 2025 als „verlorenes Baujahr“ für die Branche. Besonders im Brückenbau komme es bereits zu Kurzarbeit, wie die Allgemeine Bauzeitung berichtet.
Die Maßnahme trifft nicht nur große Baufirmen, sondern auch kleine und mittelständische Unternehmen, die fest mit neuen Ausschreibungen gerechnet hatten. Felix Pakleppa vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe kritisierte die Entscheidung scharf, so die Allgemeine Bauzeitung. Es handele sich um ein „verheerendes Signal“ für alle, die auf funktionierende Infrastruktur angewiesen seien.
Bundeshaushaltsstreit 2025 blockiert neue Vorhaben im Bundesfernstraßenbau
Hintergrund des Stopps ist die ausstehende Verabschiedung des Bundeshaushalts 2025. Bis zur geplanten Entscheidung im Herbst gilt die sogenannte vorläufige Haushaltsführung, die nur eingeschränkte Mittelbereitstellung erlaubt. Die Autobahn GmbH erklärte, dass sämtliche verfügbaren Investitionsmittel derzeit durch bereits laufende Projekte gebunden seien. Neue Maßnahmen müssten warten, oder ganz gestrichen werden, so der Tagesspiegel.
Ein Sprecher des Verkehrsministeriums betonte zwar, dass laufende Projekte fortgesetzt würden. Auch Maßnahmen zur Verkehrssicherung seien nicht gefährdet. Dennoch wurde eingeräumt, dass neue Planungen ohne zusätzliche Finanzierungszusage nicht starten könnten.
Brückensanierungen in Gefahr: Investitionsstau und Projektverschiebungen drohen in Berlin
Besonders betroffen ist die Brückensanierung, für die das Sondervermögen Infrastruktur ursprünglich zusätzliche Planungssicherheit schaffen sollte. In internen Schreiben warnen Autobahn GmbH und DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) vor einem Investitionsstau. Projekte müssten unterbrochen, gestreckt oder ganz abgesagt werden. Zeitverluste und Mehrkosten seien dabei kaum zu vermeiden.
Der Gesamtbetriebsrat der Autobahn GmbH äußerte sich besorgt über die Folgen für die Beschäftigten. Unsicherheit über die Finanzierung demotiviere die Belegschaft und gefährde langfristig Fachwissen und Arbeitsplätzen.
Kritik aus der Fachwelt: Ausschreibungsstopp bedroht Innovation und Planungssicherheit
Auch der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) äußerte deutliche Kritik. Der Ausschreibungsstopp sei eine „Vollbremsung, kein „Bauturbo“, so AIV-Vorsitzender Christian Müller. Gerade kleine Planungsbüros, die im Vertrauen auf angekündigte Projekte Personal aufgebaut hätten, stünden nun vor erheblichen Problemen.
Der AIV forderte das Bundesverkehrsministerium auf, den Kurs zu überdenken. Eine verlässliche Infrastrukturpolitik könne nur auf langfristiger Finanzierung und transparenter Kommunikation beruhen. Wer die Investitionspipeline kappe, gefährde nicht nur den Verkehrsfluss, sondern auch die Innovationskraft der Branche.
Finanzierungslücke: Branchenvertreter fordern schnelle Freigabe von Mitteln
Ob und wann der Ausschreibungsstopp wieder aufgehoben wird, ist derzeit unklar. Das Bundesfinanzministerium betonte, dass theoretisch auch während der vorläufigen Haushaltsführung Mittel bereitgestellt werden könnten. Dennoch sei mit einem Durchbruch frühestens im September zu rechnen. Branchenvertreter fordern daher eine schnelle Freigabe der Mittel, um 2025 nicht endgültig zum verlorenen Baujahr werden zu lassen.
Quellen: Autobahn GmbH, Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg, Allgemeine Bauzeitung, Tagesspiegel
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Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Es werden Rekordeinnahmen an Steuern generiert. Von den verhältnismäßig wenigen Leuten, die überhaupt noch produktiv sind und Mehrwert schaffen. Das Geld fließt in Strömen ins Ausland oder an irgendwelche internationalen Stiftungen oder „Organisationen“. Für hierzulande ist nicht mal mehr Geld für das Essentielle übrig. Infrastruktur bröckelt, Bildung unterirdisch, innere Sicherheit kaum noch durchsetzbar. Und viele weitere wichtige Themen, die schlicht vernachlässigt werden. Fast könnte man glauben, es besteht gar nicht mehr die Absicht, dieses Land wieder voran zu bringen.
Dem kann man nur wenig hinzufügen. Der Skandal ist ja schon, dass sich das Parlament aktuell eine Sommerpause gönnt. Die bestehenden Probleme sind derart gravierend, dass man jedenfalls dieses Jahr auf eine parlamentarische Sommerpause hätte verzichten müssen. Aber da gilt wieder er erste Satz des Beamtendreisatzes, den sich auch Parlamentarier und Ministerielle zu eigen machen: Sommerpause, das war schon immer so!
Statt umgehend die schwärenden Probleme anzugehen, zerstreitet man sich an Nebensächlichkeiten wie der Verfassungsrichterwahl!
Alles seltsames Stückwerk, kein wirklicher Plan. Wozu man überhaupt noch eien regierenden Bürgermeister benötigt ist mir mittlerweile schleierhaft, nur um irgendwo zu repräsentieren jedenfalls nicht. Der Zustand sorgt für Demotivation. Ist das beabsichtigt oder ist das intrinsisch….