Ein riesiges Hotel neben Gewerbeflächen und Schrottplatz, weit entfernt von Berlins klassischen Zentren: Was Anfang der 1990er-Jahre kaum erfolgversprechend erschien, wurde zu einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte. Nun setzt Ekkehard Streletzki mit dem Estrel Tower erneut auf eine Vision, die Neukölln verändern könnte. 

Das bestehende Estrel Hotel mit seiner markanten Glasfassade an der Sonnenallee in Berlin-Neukölln.

Seit den 1990er-Jahren gehört das Estrel Berlin zu den markantesten Gebäudekomplexen an der Sonnenallee. Mit 1.125 Zimmern entwickelte sich das privat geführte Haus zum größten Hotel Deutschlands und zu einem bedeutenden Veranstaltungs- und Kongressstandort. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: Estrel Berlin, Barkow Leibinger Gesellschaft von Architekten, Renderkitchen 3D

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Als Ekkehard Streletzki Anfang der 1990er-Jahre den Plan entwickelte, an der Sonnenallee ein riesiges Hotel-, Kongress- und Entertainmentzentrum zu errichten, erschien die Standortwahl vielen Beobachtern als ausgesprochen gewagt. Neukölln galt damals kaum als erste Adresse für internationale Kongresse, Geschäftsreisende oder große Veranstaltungen. Das Grundstück lag auf einem ehemaligen Industrieareal in einem Teil Berlins, der bis zum Mauerfall praktisch am Rand der Stadt gelegen hatte.

Streletzki ließ sich davon nicht beirren. Inspiriert von großen amerikanischen Hotelkomplexen entwickelte er gemeinsam mit dem Architekten Heiner Hennes ein Konzept, das Übernachtung, Veranstaltungen und Unterhaltung miteinander verbinden sollte. Im Juni 1993 erfolgte der erste Spatenstich, bereits am 14. Oktober 1994 checkten die ersten Gäste ein. Nach Fertigstellung aller 1.125 Zimmer wurde das Estrel im Mai 1995 offiziell eröffnet.

Estrel Berlin: Ein ungewöhnliches Großprojekt wird zum Erfolgsmodell

Was zunächst wie ein riskantes Experiment wirkte, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer außergewöhnlichen Berliner Unternehmensgeschichte. 1997 eröffnete das Showtheater mit „Stars in Concert“, 1999 folgte das Estrel Congress Center. Veranstaltungen wie „Wetten, dass..?“, die Bambi-Verleihung oder ein Schwergewichts-WM-Kampf mit Vitali Klitschko machten den Standort weit über Neukölln hinaus bekannt.

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Heute bezeichnet sich das Estrel als Europas größtes Hotel-, Congress- und Entertainment-Center. Rund 1.200 Veranstaltungen finden jährlich auf dem Gelände statt. Das privat geführte Unternehmen beschäftigt derzeit rund 550 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 23 Nationen, darunter zahlreiche Auszubildende. Seit der Eröffnung haben 785 junge Menschen ihre Ausbildung im Estrel begonnen.

Visualisierung der Turmspitze des Estrel Tower mit Dachterrasse im Gegenlicht.

Der obere Abschluss des Estrel Tower in einer Visualisierung, mit Dachterrasse und Blick über Neukölln. Die charakteristischen Aluminium-Finnen prägen auch hier das Erscheinungsbild der Fassade. / © Visualisierung: Estrel Berlin/Renderkitchen 3D

Neukölln: Vom vermeintlichen Standortnachteil zum Teil der Identität

Gerade für Neukölln ist diese Entwicklung bemerkenswert. Das Estrel entstand nicht am Kurfürstendamm, am Potsdamer Platz oder in der historischen Mitte, sondern an der Sonnenallee zwischen Gewerbeflächen, Neuköllner Schifffahrtskanal und S-Bahn-Ring. Der frühere Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky erinnerte später daran, dass Streletzki Deutschlands größtes Hotel „ausgerechnet in Neukölln“ und neben einem Schrottplatz errichtet habe.

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Neukölln war lange ein Ort, dem von außen wenig zugetraut wurde und der sich gleichzeitig immer wieder neu erfunden hat. Das Estrel mag womöglich zu dieser Geschichte passen: groß gedacht, zunächst belächelt und schließlich erfolgreich. Aus dem vermeintlichen Standortnachteil wurde ein Teil der heutigen Identität Neuköllns, auch wenn die Erfolgsgeschichte des Bezirks mit der des Estrel nicht ganz mithalten kann. Aber heute gehört der Gebäudekomplex ebenso selbstverständlich zur Sonnenallee wie die dichte gründerzeitliche Bebauung weiter nördlich.

Estrel: Ein wichtiger Arbeitgeber und Botschafter des Bezirks

Dabei ist das Estrel für Neukölln weit mehr als ein weithin sichtbares Hotel. Als großer Arbeitgeber, Ausbildungsbetrieb, Kongressstandort und Veranstaltungsort bringt das Unternehmen internationale Gäste in einen Bezirk, der über Jahrzehnte vor allem mit sozialen Problemen in Verbindung gebracht wurde. Auch gesellschaftlich engagiert sich das Haus, unter anderem als Gastgeber des traditionellen Weihnachtsessens für obdachlose Menschen.

Gleichzeitig blieb das Estrel lange eine Art Stadt in der Stadt. Viele Kongressgäste kamen direkt vom Flughafen oder von der Autobahn, übernachteten, arbeiteten und feierten innerhalb des Komplexes und verließen Neukölln anschließend wieder. Dennoch hat das Haus die Wahrnehmung des Standorts verändert und gezeigt, dass internationale Hotellerie und große Kongresse auch jenseits der klassischen Berliner Zentren funktionieren können.

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Blick auf den Estrel Tower und das bestehende Estrel Hotel an der Sonnenallee in Berlin-Neukölln.

Der 176 Meter hohe Estrel Tower prägt inzwischen die Kreuzung von Sonnenallee und Ziegrastraße in Berlin-Neukölln. Direkt gegenüber steht der bestehende Estrel-Komplex, mit dem vor mehr als 30 Jahren die Erfolgsgeschichte des Unternehmens begann. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Estrel Tower: Streletzki denkt Neukölln erneut größer

Mit dem Estrel Tower soll diese Geschichte nun fortgeschrieben werden. Wieder handelt es sich um ein Projekt, dessen Dimensionen für diesen Standort lange kaum vorstellbar erschienen. Bereits in den 2010er-Jahren wurden die Planungen vorangetrieben, den Wettbewerb gewann das Berliner Architekturbüro Barkow Leibinger.

Inzwischen ist der Turm Realität: 176 Meter hoch, 45 Geschosse und weithin sichtbar über dem Süden Berlins. Vorgesehen sind 522 Hotelzimmer, Suiten und Serviced Apartments, rund 3.800 Quadratmeter Veranstaltungsflächen und 9.300 Quadratmeter Coworking-Flächen. Hinzu kommen Gastronomie, Wellnessangebote, Büros sowie ein Restaurant mit Skybar in luftiger Höhe. Die Eröffnung ist nach aktuellem Stand für Ende 2026 vorgesehen.

Vom einstigen Berliner Stadtrand zum neuen Hochhausstandort

Damit verändert der Estrel Tower nicht nur das bestehende Hotel, sondern auch die Wahrnehmung Neuköllns. Wo die Sonnenallee einst wenige Kilometer weiter an der Berliner Mauer endete, wächst nun eines der markantesten Hochhäuser der Hauptstadt empor.

Es ist letztlich dieselbe Haltung, mit der Streletzki bereits vor mehr als drei Jahrzehnten das Estrel begann: nicht dort investieren, wo Erfolg selbstverständlich erscheint, sondern einen Standort durch ein außergewöhnliches Projekt selbst verändern.

Dass ausgerechnet Neukölln nun einen der spektakulärsten Hochhausneubauten Berlins erhält, wirkt deshalb weniger wie ein Bruch als wie die konsequente Fortsetzung einer Geschichte, die 1993 auf einer Industriebrache an der Sonnenallee begann. Ob das ambitionierte Hochhausprojekt auch eine Erfolgsgeschichte wird, bleibt natürlich abzuwarten.

Begrünte Dachterrasse mit Sitzbänken und Glasgeländer, im Hintergrund die Stadt.

Visualisierung der Dachterrasse im Estrel Tower mit Bepflanzung und Blick über die Stadt. / © Visualisierung: Estrel Berlin / EVE

Quellen: BauNetz, competitionline Verlag, Barkow Leibinger Gesellschaft von Architekten, Estrel Berlin, Wikipedia, Deutsches Architektur Forum, Bauwelt

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One Comment

  1. Löwe 18. August 2026 at 10:19 - Reply

    Zitat:“..eines der markantesten Hochhäuser der Hauptstadt..“

    Dieses Hochhaus sieht auch am besten aus, einzige was da ran kommt wäre das Europa Center ll, sowas sieht man sonst nur in Singapur etc. Gerne mehr davon an den zentralen Plätzen Berlin’s.

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