In der High-Deck-Siedlung in Neukölln läuft eines der größten Sanierungsprogramme der HOWOGE. Nun hat ein Schadstofffund die Arbeiten überschattet. Für zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner änderte sich die Lage innerhalb weniger Stunden.

Die Wohnblöcke der High-Deck-Siedlung in Neukölln sollen schrittweise modernisiert werden. In den ersten Häusern des Programms sorgt nun ein Asbestfund für Einschränkungen. / © Foto: Wikimedia Commons, Lienhard Schulz, CC BY-SA 3.0
© Titelbild: Wikimedia Commons, Lienhard Schulz, CC BY-SA 3.0
Die Modernisierung der High-Deck-Siedlung sollte sich über viele Jahre erstrecken und die Wohnungen schrittweise erneuern. Doch in den ersten drei Häusern des Programms ist die Situation nun deutlich ernster geworden. Nach einer Schadstoffmessung mussten zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner kurzfristig ihre Wohnungen verlassen.
- Bezirk: Neukölln
- Adresse: Michael-Bohnen-Ring 12, 14 und 16, 12057 Berlin
- Wohnungen: 241 in den drei Gebäuden
- Von der aktuellen Räumung betroffen: rund 100 noch bewohnte Wohnungen
Im Michael-Bohnen-Ring 12, 14 und 16 hat die HOWOGE rund 100 noch bewohnte Wohnungen vorsorglich räumen lassen. Bei laufenden Sanierungsarbeiten hatte eine Baufirma in einem Hausflur eine Schadstoffmessung vorgenommen. Dabei wurde eine Asbestbelastung festgestellt. Die verbliebenen Bewohner mussten ihre Wohnungen daraufhin kurzfristig verlassen. Die HOWOGE stellte ihnen Apartments und Hotelzimmer zur Verfügung.
Die drei miteinander verbundenen Gebäude umfassen insgesamt 241 Wohnungen. Allerdings waren zum Zeitpunkt der Räumung nicht mehr alle bewohnt: Ein Teil der Mieterschaft lebte wegen der laufenden Sanierung bereits in Ersatzwohnungen, andere Wohnungen standen leer. Deshalb betrifft die aktuelle Räumung nach Angaben der HOWOGE rund 100 bewohnte Einheiten.
Asbest war bei der Sanierung der High-Deck-Siedlung bereits ein Thema
Dass in den Gebäuden asbesthaltige Baustoffe vorhanden sind, war grundsätzlich bekannt. Auf ihrer Informationsseite zur Modernisierung der High-Deck-Siedlung erklärt die HOWOGE, dass bei der Strangsanierung in einigen Gebäuden asbesthaltige Abwasserrohre entfernt und ersetzt werden.
Arbeitsbereiche sollten dabei staubdicht abgeschottet werden. Während solcher Arbeiten dürften betroffene Wohnungen zeitweise nicht betreten werden. Erst nach Reinigung und Kontrolle sollten sie wieder freigegeben werden.
Neukölln: Asbestbelastete Balkonkästen müssen entfernt und ersetzt werden
Auch an den Balkonen sind Schadstoffe bekannt. In der Modernisierungsankündigung für die Häuser weist die HOWOGE ausdrücklich darauf hin, dass vorhandene Balkonkästen Asbest enthalten und fachgerecht entfernt werden müssen.
Vorgesehen sind darüber hinaus Arbeiten an Dach und Fassade, Heizungen, Elektrik, Sanitärsträngen, Fenstern, Aufzügen, Treppenhäusern, Brandschutz und Kellern.

Die High-Deck-Siedlung ist nach ihrem erhöhten Fußwegenetz benannt. Die HOWOGE modernisiert einen großen Teil des Wohnungsbestands des Quartiers. / © Foto: Wikimedia Commons, Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0
Mehr als 1.900 Wohnungen sollen in der High-Deck-Siedlung modernisiert werden
Der aktuelle Vorfall trifft damit den Auftakt eines langfristigen Programms. Die HOWOGE will in der High-Deck-Siedlung innerhalb von zwölf bis 15 Jahren mehr als 1.900 Wohnungen mit knapp 127.000 Quadratmetern Wohnfläche modernisieren.
Die Häuser am Michael-Bohnen-Ring 12 bis 16 bilden den Anfang. Die Wohnungsbaugesellschaft hatte große Teile der Siedlung 2022 übernommen. Nach eigener Darstellung bestand bereits damals erheblicher Instandhaltungs- und Sanierungsbedarf.
Erinnerungen an die komplizierte HOWOGE-Sanierung in Berlin-Wittenau
Die Entwicklung erinnert in Teilen an ein anderes großes Bestandsprojekt der landeseigenen Gesellschaft. In Wittenau müssen Bewohner für den umfassenden Umbau eines HOWOGE-Wohnblocks ausziehen.
Dort war die High-Deck-Siedlung noch als Gegenbeispiel genannt worden, weil die Bewohner während der dortigen Modernisierung grundsätzlich in ihren Wohnungen bleiben könnten. Der Asbestfund am Michael-Bohnen-Ring hat diese Situation zumindest für die aktuell betroffenen Häuser verändert.
Wann können die Mieter der High-Deck-Siedlung in ihre Wohnungen zurück?
Wann die betroffenen Mieter zurück in ihre Wohnungen können, bleibt bislang offen. Die HOWOGE hat weitere Schadstoffmessungen in Wohnungen und Gemeinschaftsflächen veranlasst. Solange die Untersuchungen und Begehungen laufen, nennt das Unternehmen keinen verlässlichen Termin für die Rückkehr. Damit ist derzeit auch nicht gesichert, ob der ursprünglich vorgesehene Ablauf der Sanierung am Michael-Bohnen-Ring eingehalten werden kann.
Für die gesamte High-Deck-Siedlung bleibt das Modernisierungsprogramm dennoch auf viele Jahre angelegt. Die aktuelle Räumung betrifft zunächst die drei Häuser, in denen die Sanierung begonnen hat. Wie sich der Asbestfund auf die nächsten Bauabschnitte auswirkt, hat die HOWOGE bislang nicht öffentlich konkretisiert.
High-Deck-Siedlung: Asbestfund am Michael-Bohnen-Ring
Quellen: rbb24, HOWOGE, Tagesspiegel, Bezirksamt Neukölln
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