Der ehemalige Grenzsteg an der Spree soll zu einem neuen Kultur- und Erinnerungsort werden. Nun steht fest, welches Architekturbüro die Planung des „Grenzhafen Berlin“ übernimmt. Mit dem Projekt wird ein bedeutendes Stück Berliner Geschichte öffentlich zugänglich gemacht.

Langfristig ist der Grenzhafen als lebendiger Ort gedacht, an dem Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen stattfinden. Die historische Steganlage selbst soll Teil des Rundgangs werden, ergänzt durch restaurierte Elemente wie Kontrollpunkte oder Sperranlagen. / © Visualisierung: Wilk Salinas/XOIO
© Visualisierungen: Wilk Salinas/XOIO
Der Plan, den einstigen Grenzsteg zwischen Treptow und Kreuzberg in einen Ort der Erinnerung und Kultur zu verwandeln, ist einen Schritt weiter. Im Werkstattverfahren zur Entwicklung des Projekts setzte sich das Berliner Büro Wilk Salinas Architekten durch. Der Entwurf überzeugte nach Angaben der Jury durch größere Realisierungschancen und bessere Abstimmung mit den zuständigen Behörden.
Die Architekten sollen das Konzept nun weiter ausarbeiten, mit dem Ziel, noch 2025 einen Bauantrag einzureichen. Nach Einschätzung der Projektverantwortlichen könnte bei reibungslosem Ablauf bereits im Frühjahr 2026 eine Genehmigung vorliegen.
Über der Spree: „Grenzhafen Berlin“ soll Steg als Denkmal bewahren und neu beleben
Der rund 480 Meter lange Steg, der sich zwischen Oberbaum- und Elsenbrücke über die Spree zieht, war 1962 als Wassersperre errichtet worden. Anlass war die Flucht eines Ausflugsschiffs in den Westen, die von den DDR-Behörden unterbunden werden sollte. Auf dem Steg befand sich auch ein Wachturm. Jahrzehntelang blieb die Anlage ein Symbol der Teilung und weitgehend unzugänglich.
Das Projekt „Grenzhafen Berlin“ soll den Steg als Denkmal bewahren und zugleich mit neuen Funktionen beleben. Geplant sind ein Museum zur innerdeutschen Grenze, ein Museumshafen mit historischen Schiffen sowie Flächen für Veranstaltungen und Gastronomie. Die Stiftung Museumshafen übernimmt den Betrieb, unterstützt durch die wissenschaftliche Kompetenz des DDR-Museums.
Zwischen Denkmalschutz und Stadtraum: Landesdenkmalamt hatte Bedenken
Die Entwicklung des Projekts war bislang von Diskussionen mit den Behörden geprägt. Besonders das Landesdenkmalamt hatte Bedenken, dass das Erscheinungsbild der historischen Anlage durch bauliche Eingriffe verändert werden könnte. Auch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt äußerte sich zu Sichtachsen und Umschiffbarkeit. Der nun ausgewählte Entwurf versucht, diese Punkte zu berücksichtigen.
Die Projektverantwortlichen sehen im Grenzhafen die Chance, einen neuen öffentlich zugänglichen Stadtraum an einem bisher weitgehend verborgenen Ort zu schaffen. Besucherinnen und Besucher sollen künftig auf dem Steg nicht nur die Geschichte der Berliner Mauer nachvollziehen, sondern auch Einblicke in die Bedeutung der Binnenschifffahrt für die Stadt erhalten.
Perspektive für einen neuen Kulturort zwischen Oberbaum- und Elsenbrücke
Langfristig ist der Grenzhafen als lebendiger Ort gedacht, an dem Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen stattfinden. Die historische Steganlage selbst soll Teil des Rundgangs werden, ergänzt durch restaurierte Elemente wie Kontrollpunkte oder Sperranlagen.
Sollten die Genehmigungen erteilt werden, könnte der „Grenzhafen Berlin“ in wenigen Jahren Realität sein. Dann würde ein Ort, der einst trennte, für die Öffentlichkeit als Raum der Erinnerung, Bildung und Begegnung zugänglich.
Quellen: Grenzhafen Berlin GmbH, Tagesspiegel, Stiftung Museumshafen
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2 Kommentare
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Schade, wenn dieses schöne Projekt eventuell bald am Rande einer Autobahnbrücke liegt – Stichwort 17. Bauabschnitt. Verkehrslärm und Kultur passt schlecht.
Grundsätzlich finde ich das Projekt, vor allem den Yachthafen, sehr gut. Bei der Planung der Steganlage bitte ich die Architekten,ob der Abmessungen der Liegeplätze, mit Stegbauern, Yachthafenbetreibern oder den Wasserportverbänden zu sprechen, um die Dimensionierung den Realitäten des Berliner Wassersports anzupassen. Bei vielen Wohnprojekten der letzten Zeit ist zusehen, das die dazu gebauten Liegeplätze häufig falsch d.h. zu schmal geplant werden.