Am Baakenhafen in der Hamburger HafenCity sind eine neue Kita und eine Grundschule entstanden, die sich deutlich vom umgebenden Stadtraum abheben. Begrünte Fassaden, elegante Baukörper und durchdachte Nutzungskonzepte verleihen dem Quartier neue architektonische und soziale Qualitäten.

Am Hamburger Baakenhafen sind eine Kita und eine Grundschule entstanden, die architektonisch aus dem Rahmen fallen. Die begrünte Fassade des Kitagebäudes wirkt spektakulär. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Wer durch die neu entstandene und noch immer werdende Hamburger HafenCity wandert, kann nur wenige Gebäudeensembles entdecken, die sich architektonisch wirklich abheben vom doch recht nüchtern und sachlich gestalteten neuen Stadtraum. Eine absolute Ausnahme allerdings bilden zwei Gebäude, die am Baakenhafen liegen und den Stadtraum dort völlig neu definieren.
Die Rede ist von einem begrünten Kitagebäude einerseits und dem direkt daneben liegenden Bau einer neuen Grundschule, die mittlerweile beide fertiggestellt worden sind, trotz mehrfacher Verzögerungen vor allem beim Kitabau.
Hamburger Baakenhafen: Neuentwicklung durch den Bau der HafenCity
Das Hafenbecken, an dem die beiden Neubauten entstanden sind, liegt östlich der Einfahrt zum Magdeburger Hafen, parallel nördlich der Norderelbe und gegenüber dem Moldauhafen. Mit einer Breite von rund 130 Metern war der Baakenhafen ursprünglich knapp 1,5 Kilometer lang.
Im Zuge der Entwicklung der HafenCity wurde das Becken jedoch durch Aufschüttungen in Länge und teilweise auch in der Breite verkleinert. Heute erstreckt es sich über drei Teilquartiere der HafenCity: vom Elbtorquartier im Westen über den Baakenhafen bis zum Elbbrückenquartier im Osten.
HafenCity: Neue Kita mit begrünter Fassade wurde von PORR Hochbau realisiert
Die PORR Hochbau Region Nord errichtete im Auftrag des sozialen Trägers SterniPark GmbH auf dem Baufeld 94c in den vergangenen Jahren eine Kindertagesstätte, deren Erscheinungsbild bemerkenswert ist. Das achtgeschossige Gebäude bietet Platz für bis zu 250 Kinder von null bis sechs Jahren.
Die Kita nutzt den begrenzten Raum effizient und teilt sich mit der benachbarten Grundschule gemeinsame Einrichtungen, wie ein Lehrschwimmbecken und eine Sporthalle.
Baubeginn 2017 und Verzögerungen bei der Fertigstellung der Kita Baakenhafen
Der Ausschreibungsprozess, der unter der HafenCity GmbH stattfand, zog fünf Bewerber an, von denen drei zugelassen wurden. SterniPark konnte sich schließlich mit seinem Konzept durchsetzen, die Bauarbeiten für die Kita begannen bereits im Jahr 2017.
Ursprünglich war die Fertigstellung der Kita für Dezember 2023 geplant, zuletzt verzögerte eine Baustelle auf dem Flachdach die Fertigstellung des nachhaltigen Gebäudes. Nun aber ist der Neubau in Betrieb und bildet für Familien, die neu in die HafenCity gezogen sind einen wichtigen Bildungsstandort.
Kindertagesstätte im Elbbrückenquartier mit Hafenblick und organischer Form
Das dänische Architekturbüro Werk Arkitekter interpretierte das Konzept des Kindergartens wörtlich und entwarf zwei „Baumstämme“ als feste Funktionsbereiche, die den organischen Kern des Gebäudes bilden. Um diese herum entstanden 13 Gruppenräume. Im Warftgeschoss befindet sich ein höhenverstellbares Lehrschwimmbecken, das Kindern frühe Wassergewöhnung und kostenlosen Schwimmunterricht ermöglicht.
Das Konzept umfasst auch begrünte Spielflächen von insgesamt 120 Quadratmetern, die sich durch das gesamte Gebäude ziehen und bis zur 800 Quadratmeter großen Dachterrasse mit zwei Outdoor-Spielplätzen und Kinderrestaurant reichen.
Ein dritter Outdoor- Spielplatz befindet sich im ersten Obergeschoss auf der Dachfläche des Nachbargebäudes. Limbrock Tubbesing Architekten entwickelten diesen Entwurf weiter, indem sie alle Fassaden der Obergeschosse mit wandgebundener Begrünung versehen.
Kindertagesstätte mit Sprachkursen, Beratungsangeboten und Zentrum für Familienbildung
Im Erdgeschoss wurde ein Zentrum für Familienbildung und -beratung eingerichtet, das kostenfreie Beratungsdienste anbietet. SterniPark will dort sukzessive integrative Angebote wie Sprachkurse sowie Beratung zu Schwangerschaft und Konflikten bereitstellen.
Als weitere Nutzungen des Neubaus sind eine Erzieherfachschule, Verwaltung, eine Produktionsküche und ein Indoor- Spielplatz vorgesehen. SterniPark betreibt nach eigenen Angaben aktuell mehr als 20 Kitas in Hamburg und in Schleswig-Holstein.
Klare und elegante Gebäudestruktur: Neue Grundschule am Baakenhafen
Direkt nebenan ist auch die neue Grundschule in Betrieb gegangen. Diese ist aus einem Wettbewerb hervorgegangen und musste unter engen städtebaulichen Rahmenbedingungen realisiert werden. Siegreich war der Entwurf des Teams LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei (Stuttgart).
Das Büro entwickelte dafür ein kompakt organisiertes, vertikal geschichtetes Bauvolumen, das funktional angelegt ist und sich zugleich differenziert in seine Umgebung einfügt. Das Erdgeschoss ist durch eine Gewerbeeinheit mit dem Quartier verknüpft; die separate Erschließung der Sporthalle sowie die Option, den Schulgarten mit öffentlichen Freiflächen zu verbinden, zeugten für die Jury von einer vorausschauenden Planung.
Die klare, einfache Gebäudestruktur sorgt für gute Orientierung und lässt sogar spätere Umnutzungen zu. Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler nutzen jeweils gemeinsame Etagen, was ein gleichberechtigtes Miteinander im Schulalltag unterstützen soll.
Große Dachterrasse und Bogenfenster: Die Architektur des Grundschulgebäudes sticht heraus
Die gestalterische Qualität verleiht dem Gebäude eine Identität, die über die eines reinen Zweckbaus hinausgeht. Besonders das Haupttreppenhaus ist als zentraler, stark frequentierter Raum sorgfältig ausgearbeitet und überzeugt durch einfache, sinnlich erfahrbare Materialien.
Auch die Dachterrasse setzt einen Akzent: Bogenfenster rahmen den Blick in die Umgebung und betonen die besondere Lage über dem Stadtraum. Insgesamt gelingt dem Bau eine ausgewogene Verbindung von robuster Funktionalität und architektonischer Atmosphäre, die ihn in der modernen HafenCity architektonisch abhebt.
Quellen: LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei, PORR, DIE WELT, Werk Arkitekter, SterniPark GmbH
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