Frankfurt baut für die jüdische Gemeinschaft. Zwei Projekte prägen derzeit die Stadtentwicklung: das bereits eröffnete Jüdische Museum am Mainufer und die Jüdische Akademie, die Ende des Jahres öffnen soll. Beide Häuser zeigen, wie sich jüdische Institutionen heute im öffentlichen Raum positionieren und welche besonderen Anforderungen das an die Architektur stellt.

Jüdische Akademie
Jüdisches Museum Frankfurt

© Titelbild: Turkali Architekten

 

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Frankfurt nimmt in der Geschichte des jüdischen Lebens in Deutschland eine besondere Stellung ein. Die Judengasse, 1462 eingerichtet, entwickelte sich zu einem der bedeutendsten jüdischen Zentren Europas. Auch die Goethe-Universität wurde maßgeblich durch jüdische Stifter und Stifterinnen geprägt, darunter Persönlichkeiten wie Charles Hallgarten und die Familie Rothschild.

An dieses Erbe knüpfen heute zwei architektonisch und programmatisch unterschiedliche Projekte an. Das Jüdische Museum am Untermainkai und die entstehende Jüdische Akademie an der Senckenberganlage ergänzen eine Infrastruktur, zu der auch das Museum Judengasse, der alte jüdische Friedhof an der Battonnstraße und die Gedenkstätte Neuer Börneplatz gehören.

Jüdisches Museum und neue Jüdische Akademie in Frankfurt: Zwei Projekte mit architektonischem Anspruch

Das Jüdische Museum Frankfurt eröffnete seinen neuen Museumskomplex im Oktober 2020. Das Büro Staab Architekten verband das historische Rothschild-Palais aus dem frühen 19. Jahrhundert mit einem modernen Neubau, dem sogenannten Lichtbau. Dieser entstand im ehemaligen Garten des Palais und öffnet sich mit seiner Fassade zu den Wallanlagen und zur Innenstadt.

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Im Kellergeschoss bietet er mehr als 600 Quadratmeter für Wechselausstellungen, dazu kommen eine Bibliothek in Eschenholz, ein Veranstaltungssaal und ein koscheres Café. 2022 erhielt das Ensemble den Preis die „Große Nike“ des Bundes Deutscher Architekten.

Erweiterungsbau des Jüdischen Museums Frankfurt mit dem historischen Rothschild Palais im Vordergrund.

Das Jüdische Museum Frankfurt wurde 2020 nach umfassender Erweiterung wiedereröffnet. Der Neubau des Büros Staab Architekten ergänzt das denkmalgeschützte Rothschild Palais um Ausstellungs und Veranstaltungsflächen. / © Foto: Jüdisches Museum Frankfurt / Norbert Migluetz

Die Jüdische Akademie hingegen ist noch im Bau. Das Büro Zvonko Turkali Architekten errichtet an der Senckenberganlage ein Ensemble aus einer sanierten neoklassizistischen Villa aus der Zeit um 1910 und einem fünfgeschossigen Neubau, die über einen verglasten Foyer-Baukörper miteinander verbunden sind.

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Die Akademie wird als erste überregionale jüdische Bildungseinrichtung dieser Art in Deutschland seit dem Holocaust beschrieben. Sie soll Konferenzen, Vorträge und Seminare anbieten sowie jüdische Perspektiven in gesellschaftliche Debatten einbringen.

Architektur unter hohen Sicherheitsanforderungen: Wie Offenheit und Schutz zusammen gedacht werden

Beide Projekte stehen vor derselben Herausforderung. Jüdische Einrichtungen müssen erhöhte Sicherheitsanforderungen erfüllen, sollen aber gleichzeitig als einladende, öffentlich zugängliche Orte wahrgenommen werden. Zvonko Turkali beschreibt dies als planerische Gratwanderung: Schutzmaßnahmen sollten möglichst unauffällig in die Architektur integriert werden, damit das Gebäude nicht wie ein abgeschotteter Sicherheitsbau wirke. Besonders nach dem 7. Oktober 2023 und dem Anstieg antisemitischer Vorfälle in Deutschland habe sich dieser Anspruch noch einmal verschärft.

Bei der Akademie löst großflächiges Sicherheitsglas dieses Problem gestalterisch. Es schützt, wirkt aber zugleich hell, klar und transparent. Beim Jüdischen Museum setzte Staab Architekten auf eine räumliche Staffelung von Vorplatz, abgesenktem Lichthof und Caféterrasse, um Sicherheit und Zugänglichkeit miteinander zu verbinden. Beide Ansätze folgen demselben Gedanken: Schutz durch Gestaltung, nicht durch Abgrenzung.

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Die Visualisierung zeigt den Neubau der Jüdischen Akademie an der Senckenberganlage in Frankfurt.

Mit der Jüdischen Akademie entsteht in Frankfurt ein neues Bildungs und Veranstaltungszentrum des Zentralrats der Juden in Deutschland. Der Entwurf stammt vom Frankfurter Büro Zvonko Turkali Architekten. / © Visualisierung: Turkali Architekten

Neue Sichtbarkeit jüdischer Institutionen in Frankfurt: Architektur zwischen Erinnerung, Gegenwart und öffentlicher Präsenz

Der Umgang mit jüdischer Architektur hat sich in Deutschland grundlegend verändert. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden Synagogen und Gemeindezentren oft in schlichter Bauweise und abseits der Innenstädte. Architekten wie Hermann Zvi Guttmann prägten diesen Wiederaufbau der 1950er-Jahre mit Bauten, die wenig auf Außenwirkung ausgelegt waren.

Heute verfolgen beide Frankfurter Projekte einen anderen Ansatz. Das Museum bildet den Auftakt der geplanten Kulturmeile am Mainufer, die Akademie setzt am Kulturcampus nahe der Goethe-Universität ein sichtbares Zeichen im Stadtraum. Architektur wird dabei zur Haltung: nicht über symbolhafte Formen, sondern über Präsenz, Materialität und die Einladung zur Begegnung. Jüdisches Leben baut sich damit selbstbewusst und dauerhaft in das Stadtbild von Frankfurt ein.

Zu sehen ist die Bibliothek des Jüdischen Museums mit Lesebereich, Bücherregalen und großen Fensterflächen.

Die Bibliothek des Jüdischen Museums Frankfurt ist Teil des erweiterten Museumskomplexes und dient als öffentlicher Forschungs und Bildungsort zur jüdischen Geschichte und Kultur. / © Foto: Jüdisches Museum Frankfurt / Norbert Migluetz

Quellen: Zvonko Turkali Architekten, Staab Architekten, Zentralrat der Juden in Deutschland, Neues Jüdisches Museum, Stadt Frankfurt

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