Die MIB AG hat das freie Grundstück Apels Garten 4 im Leipziger Kolonnadenviertel erworben. Dort stand einst die 1938 zerstörte Ez-Chaim-Synagoge.Welche Rolle die frühere Synagoge in den Planungen spielen wird, bleibt abzuwarten.

Der Straßenname erinnert an den Barockgarten des Leipziger Kaufmanns Andreas Dietrich Apel. Eine Zusatztafel erläutert seine Geschichte. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
An der Adresse Apels Garten 4 im Leipziger Kolonnadenviertel könnte eine der wenigen freien Flächen nahe der Innenstadt neu bebaut werden. Die MIB AG hat das Grundstück unweit des Dorotheenplatzes erworben und möchte dort nach eigenen Angaben ein besonderes Stadtquartier mitgestalten.
- Die MIB AG hat das Grundstück Apels Garten 4 im Leipziger Kolonnadenviertel erworben.
- Konkrete Pläne für Bebauung, Nutzung und Zeitplan stehen noch aus.
- Auf dem Grundstück stand bis 1938 die Ez-Chaim-Synagoge.
- Offen ist, wie das Bauprojekt die Geschichte des Ortes aufgreifen wird.
Konkrete Pläne für die Bebauung hat das Unternehmen bislang nicht vorgestellt. Damit sind sowohl die künftige Nutzung als auch die Architektur und der Zeitplan noch offen. Auf der Unternehmensseite findet sich eine Visualisierung, die das zukünftige Gebäude mit Planen verhüllt zeigt wie einst den Berliner Reichstag.
Neues Bauprojekt an der Adresse Apels Garten 4 in Leipzig
Das Grundstück liegt in einem Viertel, das über viele Jahrzehnte mehrfach verändert wurde. Auch in jüngerer Zeit kamen Neubauten hinzu: 2014 wurde an der Straße Apels Garten ein geschwungener Bau der Wohnungsgenossenschaft UNITAS mit 28 Wohnungen und einer Geschäftsstelle fertiggestellt.
Für die Fläche an der Hausnummer 4 beginnt mit dem Eigentümerwechsel nun eine neue Phase. Ihre Geschichte macht sie zu einem besonders sensiblen Bauplatz.
Ez-Chaim-Synagoge: Ein bedeutender Ort jüdischen Lebens in Leipzig
Auf dem Grundstück stand einst die Ez-Chaim-Synagoge. Das orthodoxe Gotteshaus wurde 1922 eingeweiht. Möglich wurde der Bau durch eine Stiftung des Leipziger Rauchwarenhändlers Chaim Eitingon; der Architekt Gustav Pflaume gestaltete eine zuvor dort befindliche Turnhalle zur Synagoge um.
Mit rund 1.200 Plätzen war sie die größte orthodoxe Synagoge Sachsens. Sie wurde zu einem wichtigen Ort für die jüdische Gemeinde in Leipzig, bestand jedoch nur 16 Jahre.
Zerstörung 1938: Wie der Standort heute an die Synagoge erinnert
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörten die Nationalsozialisten die Ez-Chaim-Synagoge während der Novemberpogrome. Heute weisen Schilder und historische Abbildungen vor Ort auf das frühere Gotteshaus hin.
Initiativen bemühen sich seit Jahren darum, die Geschichte der Synagoge und der Menschen, die sie besuchten, stärker sichtbar zu machen. Mit der geplanten Neubebauung stellt sich daher auch die Frage, wie dieser Erinnerungsort künftig gestaltet und zugänglich bleiben kann.

Ein großformatiges Foto an der Gebäudewand zeigt den Innenraum der Ez-Chaim-Synagoge. Das Gotteshaus wurde 1922 eingeweiht und 1938 zerstört. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Vom barocken Apels Garten zum heutigen Kolonnadenviertel
Der Straßenname verweist auf eine noch ältere Schicht der Leipziger Stadtgeschichte. Der Kaufmann Andreas Dietrich Apel ließ im 18. Jahrhundert in der heutigen inneren Weststadt einen Barockgarten anlegen. Später wurde das Gelände schrittweise bebaut.
An den Garten erinnern heute der Straßenname und das gleichnamige Gasthaus in der nahen Kolonnadenstraße. Wie die MIB AG das Grundstück Apels Garten 4 entwickeln und die Geschichte der Ez-Chaim-Synagoge dabei berücksichtigen will, wird sich wohl erst mit der Vorstellung konkreter Pläne zeigen.
Quellen: Konii, MIB Group, Stadt Leipzig, UNITAS
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