Das Kreuzberger Bezirksparlament hat in einer Sondersitzung doch für das Hochhaus „WoHo“ am Anhalter Bahnhof gestimmt. Der Bebauungsplan macht den Weg für das Holzhybridprojekt an der Schöneberger Straße frei.

So soll das „WoHo“ einmal aussehen: Das Gebäude ist als rund 100 Meter hohes Holz-Hybridhochhaus mit begrünten Dachflächen, öffentlichen Nutzungen und überwiegend gefördertem Wohnraum vorgesehen. / © Visualisierung: UTB Projektmanagement GmbH / Mad Arkitekter
© Titelbild: Mad Arkitekter
Nach einer gescheiterten Abstimmung hat die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg das Hochhaus-Projekt „WoHo“ nun doch gebilligt. Die Entscheidung fiel in einer Sondersitzung am 4. Juni 2026. Damit erhält das geplante Holzhybrid-Hochhaus an der Schöneberger Straße eine zentrale planungsrechtliche Grundlage.
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Ort: Schöneberger Straße 21/22, 10963 Berlin
- Höhe: rund 98 Meter
- Geschosse: 29
- Nutzung: 60 Prozent Wohnen, 25 Prozent Gewerbe, 15 Prozent soziale Infrastruktur
Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg hat in einer Sondersitzung doch für das Hochhaus „WoHo“ am Anhalter Bahnhof gestimmt. Am 28. Mai hatten Linke, SPD und FDP gegen das Projekt votiert, die CDU enthielt sich. Weil zwei Grünen-Verordnete fehlten, beantragte die Fraktion eine Vertagung. In der neuen Sitzung waren alle Grünen anwesend. Zudem wechselte die CDU ihre Linie und stimmte dem Vorhaben zu.
Mit dem Beschluss kann das Areal an der Schöneberger Straße planungsrechtlich neu geordnet werden. Der Bebauungsplan schafft die Grundlage dafür, das bisher gewerblich geprägte Grundstück als Mischgebiet zu entwickeln. Damit rückt das „WoHo“ deutlich näher an die Umsetzung. Ein Baustart folgt daraus aber noch nicht automatisch. Die konkrete Ausführung, weitere Planungsschritte und mögliche Auflagen bleiben Teil des Verfahrens.

Die Visualisierung zeigt das begrünte Holzhochhaus „WoHo“, das einmal am Tempodrom in Berlin-Kreuzberg entstehen soll. / © Mad Arkitekter
Hochhaus „WoHo“: 98 Meter, 29 Geschosse und vier Baukörper
Das „WoHo“ soll rund 98 Meter hoch werden und 29 Geschosse umfassen. Der Entwurf stammt vom Osloer Büro Mad Arkitekter, das 2021 den Realisierungswettbewerb gewann. Geplant ist kein einzelner Solitär, sondern ein Ensemble aus vier Baukörpern unterschiedlicher Höhe. Der höchste Turm steht im Zentrum des Grundstücks und rückt von der Schöneberger Straße ab. Das Projekt öffnet sich zugleich in Richtung Anhalter Steg.
Von den rund 18.000 Quadratmetern Nutzfläche sollen 60 Prozent auf Wohnen entfallen. Ein Viertel ist für Gewerbe vorgesehen, 15 Prozent für soziale Infrastruktur. Im Wohnanteil sieht die Planung mietpreisgebundene Wohnungen, genossenschaftliche Angebote und Eigentumswohnungen vor. Hinzu kommen Wohnformen für soziale Träger, Studierende, Jugendliche und demenzkranke Menschen. Auch sogenannte „Jokerzimmer“ für kurzfristigen zusätzlichen Platzbedarf gehören zum Konzept.

Visualisierung: So könnte der Neubau „WoHo“ wirken, wenn man von der Schöneberger Straße darauf blickt. / © Mad Arkitekter
Öffentliche Nutzungen im Hochhaus „WoHo“ geplant
Das Erdgeschoss soll öffentlich zugänglich bleiben. Geplant sind unter anderem Nahversorgung, Cafés, Ateliers, Werkstätten und gemeinschaftliche Räume. In den sieben Sockelgeschossen sollen soziale und öffentliche Angebote entstehen, darunter Kita, Hort, Kiezkantine, Jugendeinrichtungen und ein Indoor-Spielplatz. Auf den Dächern sind Außenflächen und Urban-Gardening-Bereiche vorgesehen.
Auch die Spitze des Hochhauses spielt im Nutzungskonzept eine Rolle. Vorgesehen sind ein öffentlicher Dachgarten im 29. Geschoss, eine 360-Grad-Aussicht über Berlin sowie ergänzende Angebote wie Bar und Sauna.
Politischer Streit um Hochhaus-Höhe und Verfahren
Die Zustimmung beendet den Streit um das „WoHo“ jedoch nicht vollständig. Linke und SPD wollen an dem Standort ebenfalls Wohnungen, lehnen aber das „WoHo“ in dieser Form weiter ab. Sie sprechen sich für eine niedrigere Bebauung aus, die 60 Meter nicht überschreiten soll. Kritisch sehen sie zudem das Verfahren und die städtebauliche Wirkung des Hochhauses im Umfeld des Anhalter Bahnhofs.
Baustadtrat Florian Schmidt von den Grünen wirbt dagegen seit längerem für das Projekt. Er verweist auf Wohnraum, Gewerbeflächen, geförderte Wohnungen und die soziale Mischung. Nach den bisherigen Angaben sollen bis zu 90 Prozent der Wohnungen gefördert oder gemeinwohlorientiert organisiert werden.
WoHo am Anhalter Bahnhof
Quellen: Tagesspiegel, UTB Projektmanagement GmbH, Informationsdienst Holz
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4 Kommentare
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Verstehe ich das richtig, der jahrelange Streit drehte sich bisher nur darum ob dort überhaupt Wohnungen gebaut werden dürfen, die Einigung besteht lediglich darin? Die haben echt den Schuss nicht gehört, ich denke wir brauchen Wohnungen. Und jetzt wollen die weiter streiten wie die Wohnbebauung aussehen soll und wie hoch gebaut werden darf?! Unfassbar ist das. Die Überschrift ist in diesem Zusammenhang irreführend.
Kleine Schritte, Marcel. Es ist ein Wunder dass die Verhinderungspartei überhaupt zugestimmt hat.
In diesem Verfahren waren Verhinderungsparteien ja eher CDU & FDP. Die reden zwar immer von Wohnbebauung sind aber tatsächlich fast ausschließlich für Bürotürme.
90 m passt nicht da rein? Aber im Umfeld sind doch schon viele mittel Hohe Gebäude verstreut. Muss man nicht vestehen.