Seit Jahren wird über die Zukunft des Amtswäldchens in der Altstadt Köpenick gestritten. Nun erreicht das Verfahren einen entscheidenden politischen Punkt. Kurz vor der Abstimmung in der BVV wollen Gegner des Projekts noch einmal öffentlich Druck machen.

Der bestehende Parkplatz grenzt direkt an das Amtswäldchen in der Altstadt Köpenick. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
In der Köpenicker Altstadt geht es um eine vergleichsweise kleine Fläche, die inzwischen einen großen politischen Konflikt ausgelöst hat. Am Donnerstag, 17. September 2026, soll die Bezirksverordnetenversammlung über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan 9-30 VE am Amtswäldchen entscheiden. Umweltverbände und eine Bürgerinitiative wollen das verhindern. Vor der Sitzung sind eine Demonstration und die Übergabe einer Petition angekündigt.
- Bezirk: Treptow-Köpenick
- Adresse: Landjägerstraße 3–5, 12555 Berlin
- Bebauungsplan: 9-30 VE „Parkplatz Amtswäldchen“
- Geplant: Verbrauchermarkt mit darüber liegenden Wohnungen sowie Parkplätze
Der Konflikt um die Fläche ist keineswegs neu. Bereits 2006 begann das Bebauungsplanverfahren. 2011 wurde es als vorhabenbezogener Bebauungsplan 9-30 VE weitergeführt. Heute umfasst das Plangebiet die Grundstücke Landjägerstraße 3 und 5, das Flurstück 289 sowie Teilflächen der Grundstücke Landjägerstraße 1 und 7/9. Die jüngste Beteiligung der Öffentlichkeit lief vom 16. Februar bis 17. März 2026.

An der Ecke Amtsstraße und Landjägerstraße beginnt das Gebiet des Amtswäldchens in der Altstadt Köpenick. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Amtswäldchen Köpenick: 45 Wohnungen und ein Verbrauchermarkt geplant
Der aktuelle Plan geht über den ursprünglich im Vordergrund stehenden Parkplatz hinaus. Das Bezirksamt nennt als Ziel einen Verbrauchermarkt für die Nahversorgung mit Wohnungen in den darüberliegenden Geschossen. Hinzu kommt eine Stellplatzanlage an der Landjägerstraße. Außerdem soll der Bebauungsplan Wege und Erschließungsflächen für die benachbarte Kita und die öffentliche Grünanlage sichern.
Damit hat sich das Vorhaben über die Jahre verändert. Ältere Planungsunterlagen beschrieben vor allem einen Parkplatz für Pkw und Reisebusse. Als Grund führte der Bezirk den Parkplatzmangel rund um die Altstadt an. Dort seien Stellplätze aus städtebaulichen Gründen und wegen des Denkmalschutzes nur begrenzt möglich.
Protest gegen Rodung im Köpenicker Amtswäldchen
Im Mittelpunkt des Widerstands steht nicht die Bebauung der bereits versiegelten Fläche, sondern der geplante Eingriff in den Baumbestand. BUND Berlin und die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz erklären, für die Stellplatzanlage müssten rund 4.000 Quadratmeter Wald gerodet werden. Die Umweltverbände wenden sich insbesondere gegen ebenerdige Parkplätze auf dieser Fläche.
Nach Angaben der Verbände reichen ihre Einwände bis ins Jahr 2007 zurück. In ihrer aktuellen Stellungnahme kritisieren sie zudem die Untersuchungen zum Artenschutz. Es fehle aus ihrer Sicht weiterhin an einer vollständigen Erfassung von Brutvögeln, Fledermäusen und weiteren Säugetieren. Die Verbände sehen deshalb mögliche Verfahrensfehler und stellen infrage, ob der Bebauungsplan einer gerichtlichen Prüfung standhalten würde.
Der größere Protest gegen die Rodungen im Köpenicker Amtswäldchen hat sich seit dem Sommer organisiert. Nach Angaben von BUND und BLN unterstützen inzwischen mehr als 4.000 Menschen die Petition der Bürgerinitiative „Rettet das Amtswäldchen“. Am 17. September soll um 15.45 Uhr eine Demonstration vor dem Rathaus Treptow in der Neuen Krugallee 4 beginnen. Kurz vor Beginn der BVV-Sitzung um 17 Uhr soll die Petition an Bezirksvertreter übergeben werden.

Das Amtswäldchen erstreckt sich direkt hinter der Landjägerbrücke in der Altstadt Köpenick. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Köpenicker Altstadt verändert sich derzeit an mehreren Stellen
Der Streit fällt in eine Zeit, in der sich die Altstadt ohnehin stark verändert. Rund um Alt-Köpenick, Kirchstraße und Lindenstraße laufen umfangreiche Arbeiten an Straßenbahngleisen, Haltestellen und Leitungen. Die Großbaustelle in der Köpenicker Altstadt soll nach aktuellem Projektplan bis ins Frühjahr 2028 dauern.
Das Amtswäldchen liegt zwischen bestehendem Parkplatz, Kita, Spielplatz und dem Bereich am Wasser. Der Bezirk führt den Spielplatz Landjägerstraße/Amtswäldchen weiterhin in seinem öffentlichen Spielplatzverzeichnis. Ob daneben künftig das geplante Bauvorhaben entsteht, hängt nun vom weiteren Bebauungsplanverfahren ab. Die für den 17. September angekündigte Abstimmung ist dabei ein zentraler Schritt; eine tatsächliche Rodung oder ein Baubeginn folgt daraus nicht automatisch.
Amtswäldchen Köpenick: Bebauungsplan 9-30 VE
Quellen: Bezirksamt Treptow-Köpenick, BUND Berlin
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5 Kommentare
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Ehrlich …. warum müssen immer die Wäldchen und Grünflächen daran glauben …. Köpenick ist eines der letzten Bezirke in Berlin die noch an das Alte Berlin erinnert, und wenn Ihr immer mehr Grünflächen abgerodet , wird unsere Stadt bald ein Heizkessel sein wie in Dubai …. seid dem die Deutsche Bahn ihre Grünflächen an die Stadt verkauft hat , verschwinden immer mehr Wäldchen … also das grün was Berlin mal schön gemacht hat …. zum kotzen sorry ,aber ist so …
Stimmt nicht!
Das ist kein „Wäldchen“ sondern nur eine wild und eh zu dicht bewachsenen Freifläche.
Vor dem Krieg stand dort einmal eine Brauerei. Es wird also notwendig, dort wieder etwas zu bauen und „keine Untersuchung auf Fledermausbestände durchzuführen.
Wer hat sich bloß soetwas ausgedacht!!!
Gerade die Köpenicker Altstadt verträgt mehr baulichen Zusammenhang. Und einen Verbrauchermarkt an dieser Stelle finde ich sehr nützlich.
Lasst die Kirche im Dorf! Köpenick ist mit 40 % Waldfläche der am meisten bewaldete (Alt)-Bezirk. Auf dem Plangebiet befand sich bis in die 1990er Jahre eine chemische Fabrik. Die Altstadt braucht dringend Bus-Parkplätze. Für die dortigen Bewohner gibt es keine fußläufige Nahversorgung. Und auf den Markt sollen 45 Wohnungen. Ich finde die Mehrheitsentscheidung der BVV verantwortungsvoll für unsere Stadt.
300 Meter (5 Minuten zu Fuß) von dem geplanten neuen Supermarkt und Parkplatz entfernt, für die der Wildwald abgeholzt werden soll, befindet sich eine bereits leerstehende, 3.750 m² große Gewerbeimmobilie mit zwei Etagen und einer Tiefgarage, die an Einzelhändler vermietet werden kann. Sie liegt in der Wendelschlossstraße in der Nähe des neuen Schlossberg-Quartiers. Sie steht seit mindestens zwei Jahren leer. Daneben befindet sich ein großes Parkhaus. Ich komme jeden Tag daran vorbei und kann die Male, bei denen ich jemanden ein- und ausfahren gesehen habe, an einer Hand abzählen. Es stimmt zwar, dass es in Köpenick reichlich Wald gibt. Diese Grünfläche liegt jedoch in einem Gebiet, in dem viele Menschen leben und arbeiten, und ist kein Erholungsziel. Angesichts der Hitzewellen, die diesen Sommer sogar das feuchte England und Belgien heimgesucht haben, müssen wir unsere Vorstellungen darüber überdenken, was nötig ist, um weitere Hitzetote zu verhindern.