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In Berlin entstehen derzeit mehrere neue Ärztezentren und ambulante Arztpraxen, insbesondere in wachsenden Stadtteilen und bislang unterversorgten Quartieren. Gleichzeitig warnt die Kassenärztliche Vereinigung Berlin vor zunehmenden Engpässen in der ambulanten Versorgung, vor allem in den östlichen Außenbezirken. Trotz neuer Standorte, Förderprogramme und gesicherter Gesundheitszentren bleibt der strukturelle Ärztemangel damit eine zentrale Herausforderung für die wachsende Stadt.

wartende Patienten in einer Arztpraxis

Lange Wartezeiten oder die Ablehnung als Neupatientin oder Neupatient gehören für viele Menschen in Berlin inzwischen zum Alltag. In mehreren Bezirken besteht eine strukturelle Unterversorgung an Ärztinnen und Ärzten, insbesondere im ambulanten Bereich. Vereinzelte Neueröffnungen von Ärztezentren können diese Defizite bislang nur punktuell abfedern. / © Foto: depositphotos.com

© Foto Titelbild: IMAGO / Andreas Gora

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Berlin wächst, doch die ambulante medizinische Versorgung hält vielerorts nicht Schritt. Besonders im Osten der Stadt spitzen sich die Engpässe zu. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin warnt seit Längerem vor einer strukturellen Unterversorgung in mehreren Außenbezirken. Vor allem Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Lichtenberg gelten bereits heute als kritisch. Hier treffen starkes Bevölkerungswachstum, überdurchschnittliche Erkrankungsraten und eine alternde Ärzteschaft aufeinander.

Nach Einschätzung des KV-Vorstandsvorsitzenden Burkhard Ruppert verschärft sich die Lage weiter, da in den kommenden Jahren viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte altersbedingt ausscheiden werden, während gleichzeitig neue Wohnquartiere entstehen. Trotz Förderprogrammen für Neuniederlassungen und Praxisübernahmen gelingt es bislang kaum, den steigenden Bedarf auszugleichen. Vor diesem Hintergrund rücken neue Ärztezentren als möglicher Baustein zur Stabilisierung der ambulanten Versorgung zunehmend in den Fokus der Stadtentwicklung.

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Neues Ärztezentrum in Lichtenberg: MVZ MediProf stärkt ambulante Versorgung

Mit dem Ärztezentrum MediProf ist in Lichtenberg ein neues Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) an den Start gegangen. Seit Anfang Januar werden in der Landsberger Allee 131c zusätzliche ambulante Angebote geschaffen, insbesondere in der Allgemeinmedizin, Inneren Medizin und Kinderheilkunde, Bereiche, die im Bezirk seit Jahren stark nachgefragt sind.

Bei der Eröffnung betonte Bezirksstadträtin Catrin Gocksch, dass das neue Ärztezentrum die wohnortnahe Versorgung stärke und zur Entlastung der angespannten Terminlage beitragen könne. Das MVZ setzt auf moderne Praxisräume und interdisziplinäre Zusammenarbeit; insbesondere für Familien ist das Angebot relevant, da die kinderärztliche Praxis derzeit noch neue Patientinnen und Patienten aufnimmt.

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Neue hausärztliche Versorgung in Plänterwald: Arztpraxis am Dammweg schließt Versorgungslücke

Arzt Plänterwald

Seit Anfang Dezember läuft in einem Gewerbebau am Dammweg 106, unweit des Spreeparks, der aufwendige Umbau des Erdgeschosses. Dort soll nach aktuellem Stand ab Ende Januar eine Arztpraxis für Allgemeinmedizin eröffnen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Im Ortsteil Plänterwald entsteht derzeit eine neue hausärztliche Praxis, die auf bestehende Versorgungslücken im südöstlichen Berlin reagiert. In einem Gewerbebau am Dammweg 106, unweit des Spreeparks, wird das Erdgeschoss seit Dezember umfassend umgebaut; die Eröffnung ist für Ende Januar 2026 geplant.

Die neue Praxis für Allgemeinmedizin soll künftig ein wohnortnahes Angebot für das Quartier schaffen. Mit Blick auf zusätzliche Neubauvorhaben in Treptow-Köpenick und den Zuzug neuer Bewohnerinnen und Bewohner gewinnt der Standort als medizinischer Anlaufpunkt weiter an Bedeutung.

Gesundheitszentrum Gropiusstadt in Neukölln bleibt vorerst bis 2035 gesichert

Gesundheitszentrum Gropiusstadt

Die neuen Mietverträge sichern diese wichtige Funktion nun für mindestens zehn weitere Jahre. / © Foto: IMAGO / Emmanuele Contini

Für den Bezirk Neukölln gab es kürzlich die freudige Nachricht, dass das Gesundheitszentrum Gropiusstadt langfristig gesichert ist. Neue Mietverträge stellen den Fortbestand des Standorts an der Lipschitzallee mindestens bis 2035 sicher. Damit endet eine monatelange Phase der Unsicherheit, in der Befürchtungen über Verkauf, Verdrängung und den Verlust medizinischer Angebote den Stadtteil beschäftigt hatten.

Das Gesundheitszentrum bündelt zahlreiche Facharztpraxen sowie ergänzende Angebote wie Apotheke, Physiotherapie, Schwangerenberatung und Sanitätshaus unter einem Dach. Gerade für die rund 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner der Gropiusstadt, darunter viele ältere Menschen, bleibt damit eine zentrale Anlaufstelle für die ambulante Versorgung im Quartier erhalten.

Gesundheitszentrum Friedrichshain-Kreuzberg: Sanierter Standort in der Koppenstraße seit 2025 in Betrieb

Die Visualisierung zeigt einen neu gestalteten Platz mit Bäumen, Sitzmöglichkeiten und Spielflächen, auf dem Kinder spielen, Erwachsene spazieren und Anwohnerinnen und Anwohner die Aufenthaltsqualität im Grünen nutzen.

Neben den bisherigen Diensten wie dem Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, dem Zahnärztlichen Dienst und dem Sozialpsychiatrischen Dienst sind in der Koppenstraße neue Angebote entstanden, die stärker auf Prävention ausgerichtet sind. / © Visualisierung: TREIBHAUS Landschaftsarchitektur – Hamburg, Willner Visualisierung

In Friedrichshain-Kreuzberg wurde das sanierte Gesundheitsamt in der Koppenstraße im September 2025 als Gesundheits- und Beratungszentrum neu eröffnet. Ziel ist es, Verwaltung, Prävention und Beratung in einem barrierefreien, niedrigschwelligen Angebot zusammenzuführen.

Neben bestehenden Diensten entstehen neue präventive und psychosoziale Angebote, darunter auch eine umweltmedizinische Ambulanz. Ab 2026 soll zudem das Umfeld mit entsiegelten Flächen, Grünbereichen und Bewegungsangeboten städtebaulich aufgewertet werden.

KV Berlin fordert Systemwechsel: Warum neue Ärztezentren allein den Ärztemangel nicht lösen

Aus Sicht der Kassenärztliche Vereinigung Berlin reichen punktuelle Neueröffnungen oder Standort­sicherungen wie in der Gropiusstadt jedoch nicht aus, um den wachsenden Versorgungsdruck spürbar abzufedern. Die KV fordert einen grundlegenden Systemwechsel, der Neuniederlassungen, Anstellungen und Praxisübernahmen zwar weiter fördert, die ambulante Versorgung aber stärker steuert.

Künftig müsse der Zugang zu ärztlichen Leistungen intelligenter organisiert werden, nach dem Prinzip „digital vor ambulant vor stationär“. Nur mit zusätzlichen strukturellen Reformen lasse sich die Gesundheitsversorgung langfristig flächendeckend sichern.

 

Quellen: Deutsches Ärzteblatt, Bezirksamt Lichtenberg, WGLI, Bezirksamt Neukölln, Gesundheitszentrum Gropiusstadt, Gropiusstadt Berlin, Berliner Zeitung, Bebauungsplan 8-114 („Gesundheitszentrum Gropiusstadt“)

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