Im Berliner Stadtquartier „Am Tacheles“ ist ein neuer Mietvertrag über rund 8.000 Quadratmeter Bürofläche abgeschlossen worden. Ein Unternehmen aus dem europäischen Health-Bereich zieht in das Gebäude „Scape“ ein und übernimmt Flächen des Onlinehändlers AUTODOC. Während sich die Büronutzung weiterentwickelt, steht das Quartier gleichzeitig wegen Leerstands bei Wohnungen und Gewerbeflächen in der Kritik.

Das neu entwickelte Areal an der Oranienburger Straße verbindet Wohnungen, Büroflächen und Einzelhandel. Entworfen wurde das Ensemble vom Architekturbüro Herzog & de Meuron und entstand auf dem Gelände des ehemaligen Kunsthauses Tacheles. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY-SA 4.0
Das Quartier „Am Tacheles“ an der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte hat in den vergangenen Jahren einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Wo einst das besetzte Kunsthaus Tacheles ein international bekanntes Zentrum der Subkultur bildete, entstand bis 2023 ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, Büros und Einzelhandel. Entworfen wurde das Ensemble vom Architekturbüro Herzog & de Meuron.
Das Areal liegt in zentraler Innenstadtlage und verbindet verschiedene Nutzungen miteinander. Neben Eigentumswohnungen und Büroflächen gehört auch eine Einkaufspassage zum Quartier. Zudem wurde das ehemalige „Kunsthaus Tacheles“ revitalisiert. Dort befindet sich heute das Museum Fotografiska. Insgesamt soll das Quartier moderne Arbeitswelten mit einem urbanen Umfeld verbinden und zugleich eine hohe Aufenthaltsqualität schaffen.
Neue Bürovermietung im Gebäude „Scape“ in Berlin-Mitte: AUTODOC untervermietet rund 8.000 Quadratmeter
Im Bürogebäude „Scape“, das Teil des Quartiers „Am Tacheles“ ist, wurde nun ein langfristiger Untermietvertrag abgeschlossen. Rund 8.000 Quadratmeter Bürofläche gehen an ein führendes europäisches Unternehmen aus dem Health-Bereich. Der Onlinehändler für Autoersatzteile AUTODOC tritt dabei als Untervermieter auf. Die Vermittlung übernahm die FlexOfficeAgency.
AUTODOC hatte die Flächen erst 2023 langfristig angemietet. Insgesamt nutzt das Unternehmen mehr als 14.000 Quadratmeter Bürofläche im Gebäude. Nun gibt es einen Teil dieser Flächen weiter. Die neuen Büroflächen verteilen sich auf vier Etagen im nördlichen Bauteil „Scape“. Der Einzug des neuen Mieters ist für Mitte 2026 vorgesehen.
Zusammenlegung von Bürostandorten in Berlin-Mitte: Health-Unternehmen bündelt seine Mitarbeitenden im Quartier
Mit dem neuen Mietvertrag verfolgt das Unternehmen aus dem Health-Bereich ein klares Ziel. Es führt seine bislang zwei Berliner Standorte zusammen. Dadurch arbeiten künftig alle Mitarbeitenden an einem zentralen Standort in Berlin-Mitte.
Das Bürogebäude erfüllt hohe Nachhaltigkeits- und Technologiestandards und richtet sich an moderne Arbeitskonzepte. Mit dem Vertragsabschluss sichert sich das Unternehmen einen langfristigen Unternehmensstandort in zentraler Lage. Der Standort gilt sowohl als funktional als auch als identitätsstiftend für die weitere Entwicklung des Unternehmens.
Kritik an Leerstand im Quartier „Am Tacheles“ in Berlin-Mitte: Wohnungen und Gewerbeflächen teilweise ungenutzt
Während sich die Büronutzung im Quartier offenbar entwickelt, steht das Areal gleichzeitig wegen Leerstands in der Kritik. Beobachter berichten, dass zahlreiche Wohnungen im neu errichteten Tacheles-Quartier unbewohnt wirken. Auch in der Einkaufspassage stehen mehrere Ladenflächen leer.
Die Situation verweist auf ein strukturelles Problem vieler neu entstandener Luxusquartiere. Häufig gelingt es nicht, eine lebendige Mischung aus Wohnen, Arbeiten und öffentlichem Leben zu schaffen. Wenn Wohnungen und Flächen vor allem im hochpreisigen Segment entstehen, bleibt ein Teil der Gebäude trotz zentraler Lage zunächst ungenutzt.
Quellen: pwr development, Der Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, Deal Magazin
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4 Kommentare
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Zitat: „Insgesamt soll das Quartier moderne Arbeitswelten mit einem urbanen Umfeld verbinden und zugleich eine hohe Aufenthaltsqualität schaffen.“
Aufenthaltsqualität ist stark eingeschränkt durch den Umstand einer baulichen Begebenheit der Gasse mit hohen Wänden, der kleine Platz den man auf dem untersten Foto sieht bietet hier die Ausnahme. Insgesamt bleibt nach dem Umbau ein Ort in bester Lage und Anbindung, der nur noch eine kleine private Community anspricht, im Gegensatz zu der früheren breiten öffentlichen.
„Wenn Wohnungen und Flächen vor allem im hochpreisigen Segment entstehen, bleibt ein Teil der Gebäude trotz zentraler Lage zunächst ungenutzt.“
Ein ehemaliger sehr lebendiger Ort der wegen einem Neubaukonzept völlig anderer Art zerstört wurde muß sich die Frage gefallen lassen ob eine solche Neuausrichtung nicht Kriterien erfüllen sollte um der gewachsenen städtischen Lage zu entsprechen.
Seitdem die vielen Veranstaltungen und der großzügige Hof verloren sind, bleiben auch die vielen Gäste aus und damit eine Kaufkraft – was sich negativ auf viele der Betriebe in der Nachbarschaft auswirkt und das gesamte flair.
Früher war man hier um zu feiern, zu erleben, zu erkunden, Heute bei etwas was es so in der ein oder anderen Form überall gibt, einkaufen oder arbeiten.
Richtig! Es ist eine Schande, dass immer noch behauptet wird, Luxuswohnungen leisteten irgendeinen Beitrag zur Behebung von Wohnungsnot. Durch neoliberale Politik müssen sich immer mehr Familien in Mini-Wohnungen wohnen, müssen ungewollt möbliertes Wohnen für Wucherpreise nutzen, während in den Bestlagen der Stadt Edelappartements leer stehen.
Das ist wirklich Politikversagen auf ganz hohem Niveau!
Zitat: „..ist wirklich Politikversagen..“
Oder es ist so gewollt, wenn Mieten nicht bezahlbar sind ziehen wohl viele auch weg aus der Stadt.
Zitat: „Als Gentrifizierung (von englisch gentry „niederer Adel“) wird die Verdrängung einkommensschwacher Haushalte durch einkommensstarke Haushalte in innerstädtischen Quartieren bezeichnet.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Gentrifizierung
Paradebeispiel für völlig verfehlte Stadtentwicklung, das als solches Eingang in die Universitäten finden wird. Dem Projektinvestor, der ausschließlich in Assets denken kann und nicht verstanden hat, wie Innenstadt funktioniert, kann man nur alles erdenklich Schlechte wünschen. Und diese Leute wundern sich, warum sie populistisch als „Heuschrecken“ verunglimpft werden. Wenn man wirklich, wirklich alles dafür tut, um diesem Ruf als Investor gerecht zu werden und wirklich auch jeden Rat und Input hinsichtlich einer nachhaltigen Stadtentwicklung ignoriert, dann ist das die hochverdiente Quittung.
Wer nicht hören will, muss fühlen…