Erst DDR-Bürobau, dann Technisches Rathaus, anschließend Wohnprojekt: Das Gebäude an der Prager Straße 20–28 hat bereits mehrere Nutzungen und Pläne erlebt. Nun will die Stadt den Rohbau erhalten und für ihre Verwaltung umbauen. Doch die geschätzten Kosten von rund 300 Millionen Euro bremsen das Vorhaben bislang aus.

Blick entlang der Prager Straße auf ein flaches Gebäude mit Fensterband und den dahinter aufragenden Rohbau des Alten Technischen Rathauses.

Auch das frühere Kantinengebäude neben dem Alten Technischen Rathaus gehört zu den Plänen für das neue Verwaltungszentrum. Wann der Umbau beginnt, ist offen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Seit Jahren steht an der Prager Straße 20–28 unweit des Leipziger Ostplatzes ein entkernter Rohbau. Das ehemalige Technische Rathaus sollte längst zu Wohnungen umgebaut sein. Inzwischen gehört das Grundstück wieder der Stadt Leipzig, die dort ein neues Verwaltungszentrum schaffen möchte. Doch auch dieser Plan kommt vorerst nicht voran.

  • Das Gebäude an der Prager Straße diente bis 2009 als Technisches Rathaus.
  • Der geplante Umbau zu 296 Wohnungen im Projekt „FourLiving“ blieb unvollendet.
  • Leipzig kaufte das Areal 2024 und will den Rohbau für ein neues Verwaltungszentrum erhalten.
  • Wegen der angespannten Haushaltslage ruht die Planung; ein Baubeginn ist nicht absehbar.

Altes Technisches Rathaus in Leipzig: Vom DDR-Bürobau zum Verwaltungssitz

Der rund 171 Meter lange Bau entstand für das Kombinat Chemieanlagenbau Leipzig-Grimma und wurde 1983 eröffnet. Nach der Wiedervereinigung nutzte die Leipziger Stadtverwaltung das Gebäude als Technisches Rathaus.

Im Jahr 2009 zogen die Ämter in einen anderen Komplex weiter südlich an der Prager Straße. Zurück blieb ein großer Bürostandort ohne dauerhafte Nutzung. Für das markante Gebäude nahe dem Leipziger Stadtzentrum begann damit eine lange Phase wechselnder Pläne.

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Wohnprojekt „FourLiving“: 296 Wohnungen waren in vier Türmen geplant

Ein privater Entwickler wollte den früheren Verwaltungssitz in Wohnungen umwandeln. Unter dem Namen „FourLiving“ sollten aus dem lang gezogenen Baukörper vier Wohntürme mit insgesamt 296 Wohnungen entstehen. Ergänzend waren Flächen für Büros und Gastronomie vorgesehen.

Für diesen Umbau wurde das Gebäude weitgehend entkernt und teilweise aufgetrennt. Die Arbeiten kamen jedoch zum Stillstand. Seither prägt das offene Stahlbetonskelett das Bild der Prager Straße und gilt als eine der bekanntesten Bauruinen Leipzigs.

Stadt Leipzig kaufte 2024 die Bauruine an der Prager Straße zurück

Im April 2024 kaufte die Stadt Leipzig das Areal für rund 27 Millionen Euro von der Adler Group. Sie wollte damit den städtebaulichen Missstand beheben und zugleich einen eigenen Standort für Teile ihrer Verwaltung schaffen.

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Zunächst stand ein Abriss des Rohbaus mit anschließendem Neubau im Raum. Darüber wurde politisch kontrovers diskutiert: Ein Neubau hätte größere Freiheiten bei der Planung eröffnet, zugleich wäre mit dem vorhandenen Stahlbetonskelett viel Bausubstanz verloren gegangen. Allein der Abriss hätte nach Angaben der Stadt rund elf Millionen Euro gekostet.

Neues Verwaltungszentrum: Stadtrat entscheidet sich für den Erhalt des Rohbaus

Im Juni 2025 beschloss der Stadtrat, die bestehende Konstruktion weitgehend zu erhalten. Das ehemalige Technische Rathaus soll für eine erneute Verwaltungsnutzung umgebaut und durch einen Neubau ergänzt werden. Auch die Sanierung des früheren Kantinengebäudes gehört zum vorgesehenen Projekt.

Damit hat das Areal immerhin eine neue Perspektive: Statt der geplanten Wohnungen könnten an der Prager Straße wieder städtische Arbeitsplätze entstehen. Wie der Umbau im Detail aussehen und welche Flächen sich im vorhandenen Rohbau sinnvoll nutzen lassen, ist allerdings noch zu klären.

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Der mehrgeschossige Rohbau des Alten Technischen Rathauses steht hinter einem Bauzaun entlang der Prager Straße; davor verlaufen Straßenbahngleise und Fahrbahnen.

Aus dem früheren Verwaltungssitz sollten im Projekt „FourLiving“ Wohnungen entstehen. Nach dem Baustopp blieb das Stahlbetonskelett an der Prager Straße zurück. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Rund 300 Millionen Euro geschätzt: Haushaltslage bremst das Leipziger Bauprojekt

Die größte Schwierigkeit ist derzeit, wenig überraschend, die Finanzierung. Für den Weiterbau des Rohbaus, den Erweiterungsbau und die Kantine veranschlagt die Stadt nach einer ersten Schätzung rund 300 Millionen Euro. Eine Machbarkeitsstudie sollte die Planung konkretisieren. Ihre Vorbereitung wurde wegen der angespannten Haushaltslage jedoch ausgesetzt.

Auch zeitlich besteht für die Verwaltung vorerst kein unmittelbarer Umzugsdruck. Der Mietvertrag für das derzeit genutzte Technische Rathaus läuft zwar 2029 aus, kann nach Angaben der Stadt aber bis 2037 verlängert werden.

Gerüst abgebaut: Wann verschwindet Leipzigs Bauruine?

Während die Planung ruht, muss die Stadt den offenen Rohbau sichern und die laufenden Kosten senken. Im Frühjahr 2026 wurde das Gebäude gesichert und das Baugerüst abgebaut. Ein Baubeginn für das Verwaltungszentrum ist derzeit dennoch nicht absehbar.

So hat sich die Zukunft der Prager Straße 20–28 zwar politisch geklärt, praktisch aber noch nicht. Aus dem einstigen Bürohaus sollten Wohnungen werden, nun soll es wieder Verwaltung beherbergen. Wann aus dem Stahlbetonskelett tatsächlich ein nutzbares Gebäude wird, hängt vor allem davon ab, ob Leipzig das kostspielige Vorhaben finanzieren kann.

Technisches Rathaus Leipzig

Quellen: Leipziger Volkszeitung, Deutsche Architektenkammer, MDR, Leipziger Zeitung, Stadt Leipzig, Wikipedia, Ostdeutsche Allgemeine

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2 Kommentare

  1. Erika Krause 25. September 2026 at 07:20 - Reply

    Der Bau wurde eingestellt, weil am 03.10.2019 einige Bagger abgebrannt wurden von Linken Extremisten. Das wird nicht mehr erwähnt. Hat man denn die Täter ermittelt?

    • Maik S. 29. September 2026 at 03:04 - Reply

      Das ist Blödsinn, nur weil ein paar Bagger abfackeln stellt ein 3stelliges Millionenunternehmen nicht einfach die Bauarbeiten komplett ein.
      Die Adler Group wird wohl gemerkt haben, dass sich der extrem teuere Aus- und Umbau nicht lohnt und um künftige Mietpreise weiter in die Höhen zu peitschen, lässt man lieber das Gelände für einige Jahre brach liegen, bevor man noch teurere Wohnungen daraus machen kann. Währenddessen hat man dann aber doch die einfachere und günstigere Variante gewählt und verkauft sicher an die Stadt (deren Zahlung kann schließlich nicht ausfallen.), die sich inzwischen reingequetscht hat.

      Die alte Schwiderskie Fabrik in Plagwitz ist seit fast zwei Jahrzehnten in privater Investorenhand und wird als Spekulationsobjekt solange gehalten, bis man es entweder sehr teuer verkaufen oder exorbitant teure „Wohnprojekte“ damit errichten kann.

      PS: Natürlich hat man die Täter nicht ermittelt. Diese fühlen sich in Leipzig nicht nur Sicher, sie werden aktiv von der Politik geschützt.

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