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Berlin altert zwar langsamer als andere Metropolen, doch der Anteil der über 65-Jährigen wächst stetig. Damit steigt auch der Bedarf an seniorengerechtem, barrierefreiem Wohnen. Die Leitlinien der Berliner Seniorenpolitik geben einen Rahmen vor, doch der Bestand ist teilweise unzureichend erfasst.

Im BUWOG-Quartier „Speicherballett“ in Berlin-Spandau entstand ein Wohngebäude für Seniorinnen und Senioren mit 90 Apartments im Betreuten Wohnen sowie Pflege- und Tagespflegeangeboten. Um den Bedarf angesichts des demografischen Wandels zu decken, sind in Berlin jedoch deutlich mehr barrierefreie Wohnungen nötig. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Berlin gilt mit einem Durchschnittsalter der Bevölkerung von 42,8 Jahren weiterhin als eine der jüngeren Metropolen Deutschlands. Doch die Altersstruktur der Stadt verändert sich spürbar: Der Anteil der über 65-Jährigen ist seit dem Jahr 2000 von 15 auf 19 Prozent gestiegen und wächst weiter. Prognosen gehen davon aus, dass sich dieser Trend bis mindestens 2040 fortsetzt.

Damit rückt auch das Thema seniorengerechtes Wohnen zunehmend in den Fokus der Stadtentwicklung. Denn viele ältere Berlinerinnen und Berliner leben in Wohnungen, die nicht barrierefrei sind – in einer Stadt, in der Wohnraum insgesamt knapp ist. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer verstärken diesen Druck zusätzlich. Bereits 2023 hatte der Sozialverband VdK vor einem deutlichen Mangel an seniorengerechtem Wohnraum in Berlin gewarnt.

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Leitlinien der Berliner Seniorenpolitik: Wohnen als Teil sozialer Stadtentwicklung

Vor diesem Hintergrund beschloss der Berliner Senat die „Leitlinien der Berliner Seniorenpolitik“. Ziel ist es, Zugehörigkeit und Teilhabe der Generation 60plus langfristig zu sichern. Die Leitlinien formulieren politische Ziele und benennen zentrale Handlungsfelder für Verwaltung und Politik.

Eine besondere Rolle spielt dabei die dritte Leitlinie. Sie definiert die Schaffung räumlicher Bedingungen für Teilhabe ausdrücklich als Aufgabe der Stadtentwicklung. Wohnen wird damit nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit Mobilität, öffentlichem Raum und quartiersbezogener Infrastruktur. Ergänzt wird dies durch einen Maßnahmenkatalog, dessen Umsetzung regelmäßig überprüft wird.

Umsetzung im Wohnungsbereich bleibt eingeschränkt möglich: Fortschritte im Neubau und Lücken im Bestand

Die Umsetzung im Wohnungsbereich zeigt derzeit jedoch Lücken und Steuerungsprobleme. Eine Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Carsten Schatz und Niklas Schenker (LINKE) offenbart, dass der Senat zwar erstmals systematisch den Bestand an barrierefreiem Wohnraum erfasst hat, die Datengrundlagen für eine zielgenaue Bedarfsplanung aber weiterhin unzureichend sind. Eine konsequente Steuerung der Wohnungsversorgung für Ältere bleibt damit eingeschränkt.

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Verbindlicher sind die Regelungen im Neubau. Seit dem 1. Januar 2025 gelten neue Vorgaben der Berliner Bauordnung. Bei aufzugspflichtigen Gebäuden müssen drei Viertel der neu errichteten Wohnungen barrierefrei erreichbar sein. In Wohngebäuden mit mehr als 100 Wohnungen ist mindestens eine rollstuhlgerechte Wohnung je angefangene 100 Wohnungen herzustellen.

Neubau und Umnutzung in den Bezirken: Konkrete Projekte in Berlin für das Wohnen im Alter

An diesen Stellen zeigen konkrete Neubau- und Umnutzungsprojekte in den Bezirken, dass Berlin durchaus erste Schritte in die richtige Richtung unternimmt. Etwa im Ortsteil Kaulsdorf-Nord entstehen am Teterower Ring 360 barrierefreie Wohnungen für ältere Menschen. Realisiert wird das Projekt von der Berlinovo Immobilien Gesellschaft mbH. Die Wohnungen werden durch Gemeinschaftsflächen ergänzt, die Begegnung und Austausch im Quartier ermöglichen sollen.

Auch in Buckow entstehen 147 barrierefreie Wohnungen für Seniorinnen und Senioren mit ergänzenden Gemeinschaftsangeboten. Zudem zeigt die Umnutzung eines Bürogebäudes an der Bundesallee, wie leerstehende Gewerbeflächen für altersgerechte Wohnformen genutzt werden können. Der Bedarf bleibt jedoch weiterhin hoch.

Seniorengerechtes Wohnen als langfristige Aufgabe der Stadtentwicklung

Auch wenn die „Leitlinien der Berliner Seniorenpolitik“ einen ersten Rahmen für seniorengerechtes und barrierefreies Wohnen setzen, wird durch die Schriftliche Anfrage deutlich, welche Lücken beim Bestand, bei Neubauprojekten und bei der Koordination zwischen den zuständigen Stellen bestehen. Neubau-Vorgaben sorgen zwar für Fortschritte, sie decken jedoch nur einen kleinen Teil des Wohnungsbestands ab.

Damit seniorengerechtes Wohnen in Berlin dauerhaft gelingt, sind deshalb bessere Datengrundlagen, klare Zuständigkeiten und eine engere Verzahnung von Wohnungsbau, Pflege und Stadtentwicklung dringend erforderlich. Angesichts des demografischen Wandels bleibt dies eine zentrale Aufgabe für die zukünftige Stadtentwicklung Berlins.

Berlinovo baut 360 Seniorenwohnungen
Seniorenwohnen am Dröpkeweg
Ehemaliges Bürogebäude wird zur betreuten Wohngemeinschaft
Seniorenwohnen im Speicherballett

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, Berlinovo Immobilien Gesellschaft, Wentz Planungsgesellschaft, BUWOG, advita Pflegedienst GmbH, Sozialverband VdK Deutschland, Feddersen Architekten

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One Comment

  1. Andy P 6. Februar 2026 at 08:16 - Reply

    Tja, alles schön und gut, das das Seniorenheim in der Spandauer Speicherstadt in Hakenfelde aber seit Jahren leer steht, obwohl dort schon ein neuer Nutzer in den Startlöchern stand und dann wohl doch „abgesprungen“ ist, wird nicht berichtet.
    Wir leben seitdem mit einem eiligst aufgebautem Bauzaun um das Gebäude mit umfangreicher Videoüberwachung, regelmäßig unregelmäßig finden kleine Arbeiten im Innern statt, wann oder was daraus wird, weiß wohl nicht einmal der Bauträger so genau.
    Auch eine seit Jahren dahinsiechende Baugrube ggü. des Seniorenheimes, wird offensichtlich lediglich durch Fuchs und Hase genutzt, statt Wohnraum zu schaffen.
    Dies ist nur ein kleines Beispiel, wo Chancen für Wohnraum in meinen Augen offensichtlich und willentlich (?) verpasst wird….kein Wunder also, das die Senatsvorgaben an zu schaffenden Wohnraum so nicht zu schaffen sein wird.

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