Auf dem Frankfurter Industriehof werden fünf in die Jahre gekommene Wohngebäude aus den 1940er-Jahren sowie zwei Garagenkomplexe zurückgebaut, um auf der freiwerdenden Fläche die Grundlage für den Neubau von acht modernen Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 160 Wohnungen zu schaffen.

Die Projektbeteiligten der BImA, PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH, Unihouse SA und des Planungsbüros raumwerk präsentieren beim Kick-Off für das Frankfurter Neubauprojekt gemeinsam das Modell des Industriehof-Projekts. / © Foto: BImA
© Visualisierung Titelbild: Planungsbüro raumwerk, Frankfurt/M
© Foto: BImA
Seit fast acht Jahrzehnten prägen die Zeilenbauten entlang der Rossittener und Lötzener Straße das Gesicht eines Frankfurter Industrieareals. Die Gebäude aus den Jahren 1948/49 zeigen inzwischen deutliche Spuren der Zeit, ihre Fassaden sind beschädigt, und die technische Ausstattung entspricht nicht mehr modernen Standards.
Um Platz für neuen Wohnraum zu schaffen, plant die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) den Rückbau von fünf Bestandsgebäuden sowie zweier Garagenkomplexe aus den 1950er-Jahren. Auf dem freiwerdenden Gelände sollen acht moderne Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 160 Wohnungen entstehen.
Neubau in drei Abschnitten mit Tiefgarage, Holzbauweise und Rückkehroption für Mieterinnen und Mieter
Das Projekt wird in drei Bauabschnitten umgesetzt, beginnend mit der Errichtung einer Tiefgarage mit rund 100 Stellplätzen. Die Neubauten entstehen in serieller, modularer Holzrahmenbauweise und bieten Wohnungen mit ein bis vier Zimmern. Balkone, begrünte Flachdächer und Photovoltaikanlagen sollen den Wohnkomfort erhöhen und gleichzeitig die Anforderungen an Nachhaltigkeit erfüllen.
Vor rund eineinhalb Jahren informierte die BImA die Mieterinnen und Mieter über die bevorstehenden Maßnahmen. Viele von ihnen lebten seit fast 40 Jahren in den Wohnungen. Während des Rück- und Neubaus müssen die Bewohnerinnen und Bewohner das Areal vorübergehend verlassen. Sie erhalten jedoch die Möglichkeit, nach Fertigstellung der neuen Gebäude zurückzukehren.
Die BImA versicherte, dass die künftigen Mieten weiterhin unter den ortsüblichen Vergleichsmieten liegen werden. Michael Manns, Leiter des BIma-Kundencenters, betonte, dass man den Übergang für die Mieterinnen und Mieter so reibungslos wie möglich gestalten wolle.
Historisches „Flakgelände“, Straßenführung und „Lateral Towers“: Struktur und städtebauliche Bedeutung des Industriehofs

Die Torbögen an der Tilsiter Straße markierten die repräsentative Einfahrt auf das 30.000 Quadratmeter große Gelände. / © Foto: Wikimedia Commons, S. Kasten, CC BY-SA 3.0
Der gesamte Industriehof erstreckt sich über 35 Hektar und gliedert sich zu zwei Dritteln in Büro- und Gewerbeflächen, zu einem Drittel in Wohngebiete. Den Kern bilden die Bauten aus den Jahren 1948/49, umgeben von der Rossittener, Hohensteiner, Insterburger und Elbinger Straße, deren Namen an die aus Ostpreußen vertriebenen früheren Bewohnerinnen und Bewohner erinnern. Die Torbögen an der Tilsiter Straße markierten die repräsentative Einfahrt auf das 30.000 Quadratmeter große Gelände.
Die Ursprünge des Areals liegen in der 1938 errichteten „Flak-Kaserne“, die im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde. Das trapezförmige Gelände wird von der Straße Am Industriehof, der Ludwig-Landmann- und der Friedrich-Wilhelm-von-Steuben-Straße sowie der Rödelheimer Landstraße im Süden begrenzt. Neben den historischen Bauwerken prägen heute die „Lateral Towers“, die ehemalige „Neue Börse“, das Stadtbild. Der sechsstöckige Komplex mit gläserner Traverse erinnert entfernt an das von Hans Poelzig entworfene „I.G.-Farben-Haus“ und erhält durch die abendliche blaue Illumination eine markante städtebauliche Präsenz.
Öffentliche, private und gewerbliche Nutzung im Industriehof: Beräumung und Neubau der Mehrfamilienhäuser ab 2026
Das Areal wird von unterschiedlichen öffentlichen und privaten Einrichtungen genutzt. Die Commerzbank zog 2013 in die „Lateral Towers“ ein, bevor die Gebäude 2022 an einen kuwaitischen Investor verkauft wurden. Seit dem Schuljahr 2024/25 mietet die Stadt Frankfurt dort zwei Gymnasien und eine Berufsschule. Hinzu kommen das Amt für Flugsicherung der Bundeswehr, das Technische Hilfswerk sowie eine Rettungswache der Johanniter, die das Areal ergänzen.
Bevor die Neubauten entstehen, beginnt ab Februar 2026 die Beräumung des Grundstücks. Mit der Baugenehmigung, die die BImA im Spätsommer 2026 erwartet, soll anschließend der Bau der acht Mehrfamilienhäuser beginnen.
Quellen: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Stadt Frankfurt am Main, Vermieter Ratgeber, Frankfurter Neue Presse, Wikipedia
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