Der Berliner Architekturstreit war weit mehr als eine Debatte über Fassaden und Traufhöhen. Verhandelt wurden Identität, Geschichte und die Zukunft der wiedervereinigten Hauptstadt. Rem Koolhaas, Daniel Libeskind und Richard Meier kritisierten den damaligen Senatsbaudirektor Hans Stimmann und seine strenge Leitlinien, während andere Architekten seine Vision einer europäischen Stadt unterstützten. Der Konflikt wurde zu einer der prägendsten Architekturdebatten Deutschlands.

Hans Stimmann prägte als Berliner Senatsbaudirektor die Stadtentwicklung nach der Wiedervereinigung maßgeblich. Sein Leitbild der europäischen Stadt beeinflusst die Debatten über Architektur und Städtebau bis heute. / © Foto: IMAGO / Rolf Zöllner
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Kaum eine Phase hat das heutige Stadtbild Berlins so nachhaltig geprägt wie die Jahre nach dem Mauerfall. Innerhalb kürzester Zeit wurde aus einer jahrzehntelang geteilten Stadt wieder eine Metropole, die Hauptstadt eines vereinigten Deutschlands und zugleich einer der größten Bauplätze Europas. Grundstücke wechselten ihre Eigentümer, internationale Investoren kamen nach Berlin, Ministerien, Unternehmen und Institutionen suchten Standorte; und plötzlich stellte sich eine grundsätzliche Frage: Wie sollte dieses neue Berlin eigentlich aussehen?
Aus dieser Frage entwickelte sich in den 1990er Jahren der sogenannte Berliner Architekturstreit. Es ging um Traufhöhen und Fassadenmaterialien, Blockränder und Hochhäuser. Tatsächlich aber reichte der Konflikt viel tiefer. Verhandelt wurde, welche Vergangenheit Berlin anerkennen, welche Spuren die Stadt bewahren und welches Bild das wiedervereinigte Deutschland von seiner Hauptstadt vermitteln sollte. Ein Mammutaufgabe, fast unlösbar.
Berlin nach dem Mauerfall: Eine Stadt sucht nach einer neuen städtebaulichen Ordnung
Als 1989 die Mauer fiel, existierten in Ost- und West-Berlin vollkommen unterschiedliche städtebauliche Welten nebeneinander. Im Westen hatte die Internationale Bauausstellung 1984/87 bereits eine Rückbesinnung auf den historischen Stadtgrundriss eingeleitet. Im Osten wiederum prägten die sozialistische Stadtplanung, breite Verkehrsachsen, Großstrukturen und weitläufige Freiräume große Teile des Zentrums.
Mit der Wiedervereinigung trafen diese Systeme unvermittelt aufeinander. Gleichzeitig wuchs der Druck von außen. Internationale Konzerne und Immobilienunternehmen entdeckten Berlin als Zukunftsmarkt. Besonders am Potsdamer Platz und entlang der Friedrichstraße wurden schon früh Dimensionen sichtbar, die weit über die bisherige Berliner Baupraxis hinausgingen.
Noch 1990 zeigte die Ideenkonkurrenz „Berlin morgen“, wie offen die Zukunft erschien. Internationale Architekten entwickelten teilweise radikale Visionen für die wiedervereinigte Stadt. Jacques Herzog und Pierre de Meuron etwa schlugen großformatige Hochhausscheiben rund um den Tiergarten vor. Hans Kollhoff dagegen zeichnete bereits eine verdichtete historische Mitte und brachte sogar die Rekonstruktion des Berliner Schlosses ins Spiel. Berlin hätte in diesen Jahren also sehr unterschiedliche Wege einschlagen können.

Nach 1989 stand Berlin vor einer städtebaulichen Zeitenwende: Zwei jahrzehntelang getrennte Stadthälften mussten zusammenwachsen, während Investoren, Politik und Architekten um die Zukunft der neuen Hauptstadt rangen. / © Foto: Wikimedia Commons, Bundesarchiv, B 145 Bild-F086693-0012 Lemmerz, Wolfgang CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE
Hans Stimmann wird 1991 Senatsbaudirektor: „Berlin nicht neu erfinden“
Mitten in diese Situation hinein wurde 1991 Hans Stimmann zum Berliner Senatsbaudirektor berufen. Das Amt war zuvor jahrelang nicht besetzt gewesen und erhielt nun in einer Phase enormer Bautätigkeit wieder erhebliches Gewicht.
Stimmann, 1941 in Lübeck geboren, hatte zunächst eine Maurerlehre absolviert, Architektur studiert und später an der Technischen Universität Berlin Stadt- und Regionalplanung betrieben. Von 1986 bis 1991 war er Bausenator seiner Heimatstadt Lübeck gewesen, deren historische Altstadt während seiner Amtszeit UNESCO-Welterbe wurde.
Stimmann favorisierte die Tradition der europäischen Stadt
Seine Haltung für Berlin formulierte er früh und unmissverständlich: Die Stadt müsse nicht neu erfunden werden. Stattdessen sollte sie sich auf die Tradition der europäischen Stadt zurückbesinnen.
Dahinter stand eine grundlegende Vorstellung: Einzelne spektakuläre Gebäude ergeben noch keine Stadt. Straßen, Plätze, Parzellen und Häuser sollten wieder zusammenhängende Stadträume bilden. Architektur hatte sich aus Stimmanns Sicht deshalb nicht allein als autonomes Kunstwerk zu verstehen, sondern als Bestandteil eines größeren städtischen Gefüges.

Blockrandbebauung, Berliner Traufhöhe und steinerne Fassaden wurden zu zentralen Elementen der „Kritischen Rekonstruktion“. Das Konzept sollte die zerrissene Innenstadt wieder als zusammenhängenden europäischen Stadtraum lesbar machen. Das Bonmot der „Stadtreparatur“ wurde geboren, und zu reparieren gab es tatsächlich viel. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
„Kritische Rekonstruktion“: Blockrand, Traufhöhe und das steinerne Berlin
Zum zentralen Leitbild wurde die „Kritische Rekonstruktion“. Der Begriff war bereits im Umfeld der Internationalen Bauausstellung der 1980er Jahre und insbesondere durch Josef Paul Kleihues geprägt worden.
Gemeint war keine originalgetreue Rekonstruktion des Vorkriegsberlins. Vielmehr sollten historische Straßen- und Platzräume, Blockstrukturen und Parzellierungen als Orientierung für eine zeitgenössische Stadt dienen.
In der Berliner Praxis verband sich dieses Leitbild zunehmend mit konkreten gestalterischen Regeln. Typisch wurden geschlossene Blockränder, eine Orientierung an der traditionellen Berliner Traufhöhe von rund 22 Metern und eine Vorliebe für massive, häufig steinerne Fassaden.
Architekten wie Hans Kollhoff, Josef Paul Kleihues oder später Christoph Mäckler unterstützten diese Haltung. Sie sahen darin die Möglichkeit, nach Jahrzehnten städtebaulicher Brüche wieder zusammenhängende Straßen und Plätze entstehen zu lassen.

Im Laufe der 1990er Jahre entwickelte sich aus der Debatte über Fassaden, Traufhöhen und Blockstrukturen ein grundsätzlicher Architekturstreit. Dabei ging es längst nicht mehr nur ums Bauen, sondern auch um Geschichte, Identität und das Selbstbild des vereinigten Deutschlands. Ein Resultat dieser Debatten ist auch die heutige Friedrichstraße. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Potsdamer Platz: Der erste große Schauplatz des Berliner Architekturstreits
Zum frühen Testfall wurde der Potsdamer Platz. Nirgendwo trafen nach dem Mauerfall die Interessen internationaler Investoren, weltbekannter Architekten und der Berliner Planungspolitik so unmittelbar aufeinander.
Der einstige Verkehrsknoten war durch Krieg, Abriss und Mauerbau zur riesigen innerstädtischen Brache geworden. Nun sollte dort praktisch aus dem Nichts ein neues Stadtquartier entstehen.

Europas größte Baustelle: Am Potsdamer Platz prallten die Vorstellungen der Nachwendezeit besonders heftig aufeinander. Internationale Investoren und Stararchitekten trafen dort auf eine Berliner Planungspolitik, die klare städtebauliche Regeln durchsetzen wollte. / © Foto: IMAGO
Gerade hier setzte Stimmann darauf, die enormen Investitionsinteressen in einen definierten Stadtgrundriss zu zwingen. Statt einer Ansammlung frei stehender Solitäre sollte ein dichtes Quartier aus Straßen, Blöcken und Plätzen entstehen.
Der Konflikt eskalierte früh. Rem Koolhaas, einer der prominentesten Vertreter einer radikal zeitgenössischen Architektur, gehörte zu den schärfsten Kritikern dieser Strategie und verließ im Zusammenhang mit dem Planungsverfahren zeitweise demonstrativ die Jury. Der Potsdamer Platz wurde damit zur ersten großen Bühne eines Konflikts, der Berlin fast ein Jahrzehnt beschäftigen sollte.
Rem Koolhaas, Daniel Libeskind und Richard Meier gegen Stimmanns Berliner Regeln
Denn die Kritik kam zunehmend von international renommierten Architekten. Neben Koolhaas wandten sich unter anderem Daniel Libeskind, Richard Meier, Günter Behnisch und Michael Wilford gegen eine Planungspolitik, die sie als zu restriktiv empfanden.
Aus ihrer Sicht drohte Berlin eine historische Chance zu verspielen. Gerade die Brüche, Leerstellen und widersprüchlichen Zeitschichten hätten eine außergewöhnliche Ausgangslage für experimentelle Architektur geboten. Ein enges Regelwerk aus Traufhöhe, Blockrand und Fassadenvorgaben könne diese Vielfalt ersticken.
Damit standen sich schließlich zwei grundlegend verschiedene Stadtvorstellungen gegenüber: Auf der einen Seite die Idee einer reparierten europäischen Stadt, auf der anderen eine Metropole, die ihre Brüche sichtbar lässt und daraus neue Formen entwickelt.

Im Laufe der 1990er Jahre entwickelte sich aus der Debatte über Fassaden, Traufhöhen und Blockstrukturen ein grundsätzlicher Architekturstreit. Dabei ging es längst nicht mehr nur ums Bauen, sondern auch um Geschichte, Identität und das Selbstbild des vereinigten Deutschlands. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Architektur wird zur politischen Debatte über die Identität des neuen Deutschland
Die Auseinandersetzung blieb deshalb nicht auf Fachkreise beschränkt. Zeitungen und Architekturzeitschriften diskutierten leidenschaftlich über das „steinerne Berlin“, Glasfassaden, Monumentalität und historische Rekonstruktion.
Dabei wurden architektonische Positionen zunehmend politisch aufgeladen. Stimmanns Gegner warfen seinen Vorstellungen Konservatismus und eine Einschränkung architektonischer Freiheit vor. Besonders heftige Kritiker stellten sogar historische Bezüge zu autoritären oder klassizistischen Architekturvorstellungen her.
Blockrandstruktur gegen gestalterische Freiheit: Verspielte Berlin eine historische Chance?
Die Gegenseite hielt dagegen, dass Moderne keineswegs automatisch demokratisch und historische Stadtstrukturen keineswegs automatisch reaktionär seien. Josef Paul Kleihues versuchte beispielsweise bewusst, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden, etwa am Liebermann-Haus am Pariser Platz.
Gerade dieses Gebäude zeigte, wie aufgeladen die Debatte inzwischen war: Traditionalisten erschien es zu modern, Modernisten zu historisch.

Architekten wie Rem Koolhaas, Daniel Libeskind oder Richard Meier kritisierten die Berliner Vorgaben als zu eng. Ihnen gegenüber standen Vertreter einer Stadtplanung, die Ordnung, Kontinuität und historische Bezüge stärker gewichten wollte. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Planwerk Innenstadt: Stimmanns Stadtmodell wird auf Berlin übertragen
Ab 1996 erhielt Stimmanns städtebauliches Konzept einen noch größeren Maßstab. Als Staatssekretär für Planung entwickelte er maßgeblich das „Planwerk Innenstadt“, das zahlreiche Bereiche zwischen City West und historischem Zentrum untersuchte.
Es ging um Nachverdichtung, die Wiederherstellung von Straßenräumen und eine stärkere Orientierung am historischen Stadtgrundriss. Auch die riesigen Freiflächen zwischen Fernsehturm, Rotem Rathaus und Spree gerieten damit wieder in den Fokus.

Mit dem Planwerk Innenstadt übertrug Hans Stimmann seine städtebaulichen Vorstellungen auf größere Teile des Berliner Zentrums. Nachverdichtung und die Wiedergewinnung historischer Straßenräume rückten damit erneut in den Mittelpunkt. / © Foto: Wikimedia Commons, Wolkenkratzer, CC BY-SA 4.0
Gerade dort zeigte sich jedoch, dass die Auseinandersetzung keineswegs nur zwischen Traditionalisten und Modernisten verlief. Viele Ost-Berliner verteidigten die nach dem Krieg entstandenen Freiräume als Teil ihrer Stadtgeschichte. Andere sahen darin vor allem das Ergebnis der Abrisse und Umgestaltungen der DDR-Zeit und plädierten für eine Rückkehr dichterer Stadtstrukturen.
1999 wurde das Planwerk Innenstadt schließlich vom Senat beschlossen und vom Abgeordnetenhaus zur Kenntnis genommen.
Das Erbe des Architekturstreits: Warum die 1990er Jahre Berlin bis heute prägen
Hans Stimmann kehrte 1999 ins Amt des Senatsbaudirektors zurück und blieb dort bis 2006. Insgesamt prägte kaum ein einzelner Stadtplaner die bauliche Entwicklung des wiedervereinigten Berlin stärker.
Seine Bilanz bleibt ambivalent. Kritiker sehen in vielen Quartieren der Nachwendezeit eine gewisse architektonische Gleichförmigkeit und führen sie auch auf die engen städtebaulichen Vorgaben jener Jahre zurück. Befürworter halten dagegen, dass Stimmann einen weitgehend ungezügelten Immobilienboom in verbindliche städtische Strukturen gelenkt und damit verhindert habe, dass zentrale Bereiche Berlins zu einer Ansammlung isolierter Großprojekte wurden.

Hans Stimmann prägte die Stadtentwicklung des wiedervereinigten Berlins wie kaum ein anderer Planer. Seine Leitidee der „Kritischen Rekonstruktion“ beeinflusst bis heute das Erscheinungsbild der historischen Mitte und vieler zentraler Stadtquartiere. / © Foto: IMAGO
Berlins Architekturstreit: Warum die Debatten der 1990er Jahre bis heute nachwirken
Zentrale und vielbesuchte Orte wie der Pariser Platz, die Friedrichstraße, der Leipziger Platz sowie der Potsdamer Platz zeigen heute, wie weitreichend die damaligen Entscheidungen waren.
Vor allem aber ist der Berliner Architekturstreit nie vollständig beendet worden. Die Diskussionen um Molkenmarkt, Alexanderplatz, historische Mitte, Stadtschloss oder die Zukunft großer Nachkriegsräume kreisen bis heute um dieselben Fragen: Soll Berlin seine historischen Strukturen zurückgewinnen oder seine Brüche bewahren? Wie viel Freiheit braucht Architektur – und wie viele Regeln braucht die Stadt?
Der Streit um das neue Berlin dauert bis heute an
Die Antworten haben sich verändert. Die Fragen stammen noch immer aus jener außergewöhnlichen Zeit, in der Berlin nach dem Mauerfall nicht nur zusammengebaut werden musste, sondern erst entscheiden musste, welche Stadt es sein wollte.
Der Berliner Architekturstreit war weit mehr als eine Auseinandersetzung über Fassaden, Traufhöhen oder Straßenverläufe. Er markierte den Beginn einer bis heute andauernden Diskussion darüber, wie Geschichte, Identität und zeitgenössische Architektur in einer wachsenden Metropole miteinander in Einklang gebracht werden können. Gerade deshalb bleibt der Blick auf die Nachwendejahre ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis des heutigen Berlin.

Der Potsdamer Platz im Jahr 1990, kurz bevor die große Neuerfindung beginnen sollte. / © Foto: IMAGO

Die alte und neue Hauptstadt Berlin nach der Wende: Im Laufe der 1990er Jahre entwickelte sich aus der Debatte über Fassaden, Traufhöhen und Blockstrukturen ein grundsätzlicher Architekturstreit. Dabei ging es längst nicht mehr nur ums Bauen, sondern auch um Geschichte, Identität und das Selbstbild des vereinigten Deutschlands. / © Foto: IMAGO

Wo einst Mauer und Todesstreifen das Stadtbild prägten, entstand in den 1990er Jahren eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Der Potsdamer Platz wurde damit zum Symbol für den architektonischen Neuanfang des wiedervereinigten Berlin. Heute wird die städtebauliche Vision der Nachwendezeit weitergedacht und weiterentwickelt. / © Foto: IMAGO
Quellen: Portal Kunstgeschichte, Der Spiegel, Der Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, Wikipedia, Dokumentation „Babylon Berlin“ (2000), Architektenkammer Berlin, Buch von Florian Hertweck: „Der Berliner Architekturstreit. Stadtbau, Architektur, Geschichte und Identität in der Berliner Republik 1989-1999.“, Gebr. Mann Verlag 2010
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Gerade der Potsdamer Platz zeigt doch, dass Stimmann hoffnungslos gescheitert ist. Weder passt der Begriff der „Blockrandbebauung“, noch kann die Mehrzahl der dort entstandenen Fassaden überzeugen – trotz namhafter internationaler Architekten. Und die „verzweifelte“ Einhaltung der Traufsteinhöhe war schon in Ansehung der zu DDR-Zeiten entstandenen Hochhäuser an der Leipziger Straße, der Fischerinsel, Friedrichstraße usw. ad absurdum geführt, wurde dann ja auch mit Rücksicht auf die Investoreninteressen überhaupt nicht eingehalten, indem Stimmann selbst die Häuser höher bauen ließ, nur oberhalb der „vorgeschriebenen“ Traufhöhe mit gestaffelt zurückgesetzten Geschossen (neben den Hochhäusern am Potsdamer Platz).
Und das Adlon mit seiner historisierenden Fassade, die mit der des früheren Adlons nichts gemein hat und damit schon mal als solches „Fake“ ist, mit dem daneben stehenden Glaskasten der AdK und daneben dem Steinklotz der DZ-Bank hat mit einer „kritischen Rekonstruktion“ schlicht überhaupt nichts zu tun. In der Friedrichstraße sind mit den Quartieren 205 bis 207 absolute Solitäre entstanden, bei dem der eine nicht zum anderen passt.
Letztlich ist Stimmann mit seinen Vorgaben herausragend verantwortlich für die Ansammlung von Schuhkartons mit Rasterfassade, man sehe sich nur die fürchterlich langeweiligen Bauten, wenn man von der mexidanischen und den nordischen Botschaften absieht, in der Klingelhöferstraße an. Das Kleihues, der ja lange Zeit mit seinen Entwürfen das „Diktat des Rechtecks“ betrieb, mit Stimmann d’accord war, ist aus dessen gestalterischer Sicht plausibel. Deswegen hat Berlin auch diesem Architektenbüro einige gestalterische Zumutungen zu verdanken.
Aufgrund all dieser Entwürfe hatte nicht zuletzt Regula Löscher als Nachfolgerin Stimmann noch zu dessen Amtszeiten die Befürchtung geäußert, dass Berlin die gleiche gesichtslose Architektur erhalte wie Washington D.C., um es dann später auch nicht sehr viel besser zu machen.
Man sehe sich doch allein mal die grauenhaften Bauten zwischen Köthener Straße und Tilla-Durieux-Park an, bei denen noch hinzukommt, dass die gesamte dortige Stadtlandschaft ohne jedes Leben ist, obwohl die Bauten im Zentrum der Stadt stehen!
Die stimmannschen Vorgaben behinderten die Investoren, die trotz der Traufsteinhöhe dann versuchten, aus den Bauwerken durch Geschossdeckenhöhen des sozialen Wohnungsbaus ausreichend Rendite herauszuholen. Das führte dann ja zu den wenig schönen Bauten am Leipziger Platz. Das alles ist so besonders traurig, weil Berlin eben weltweit aufgrund der bestandenen Teilung und der daraus erwachsenen riesigen Leerflächen wie auch aufgrund von noch vorhandenen Kriegsbrachen völlig herausragende städtebauliche Möglichkeiten hatte.
Der größte bauliche Blödsinn sind die Hochhäuser am Fernsehturm.Stadtplaner und Architektekten wären in Frankreich aus dem Land gejagt worden hötten sie so etwas rund um den Eiffelturm, je in Erwögung gezogen hätten.
Schamlose Bausünden mit Langzeitspötfolgen.
Sorry, nicht nachvollziehbar. Mal unabhängig davon, dass der Berliner Fernsehturm nicht der Eiffelturm ist, ist das erste Hochhaus am Alexanderplatz ein Bau aus DDR-Zeiten. Erklären Sie mir mal, weshalb dieses Hochhaus den Fernsehturm nicht stört, aber weitere Hochhäuser jetzt eine Störung darstellen sollten?!?
Stimmanns Weg war im Nachhinein betrachtet der Richtige: Die durch Krieg und Nachkriegsstadtplanung zerstörte, dann auch noch zerrissene Stadt, brauchte für eine Neuentwicklung insbesondere ihrer Brachflächen ein Korsett zum Zusammenwachsen, dass zumindest die vorher als Berliner Stadt kennzeichnenden Strukturen und Höhenentwicklungen wieder aufnehmen konnte ohne dabei nur gesichtlosen Kasernencharakter hervorzubringen.
„… ohne dabei nur gesichtlosen Kasernencharakter …“ Der Satz ist gut. Durch Stimmann ist im wesentlichen nur Kasernenarchitektur herausgekommen!
Man muss einmal trennen von der Stimmanschen Forderung der Blockrandbebauung … und dem was dann dort konkret gebaut worden ist.
Es ist alles gut gegangen. Nur wird nach wie vor nicht genug gebaut in der Stadt. Man hätte am Rande Berlins, vielleicht Adlershof ein Hochhausviertel projektieren sollen.
Eine kritische Rekonstruktion ist der richtige Weg, und eine Rückbesinnung auf Berlins Traditionen ist erst recht absolut richtig.
Für Berlin ist es am wichtigsten, sich von dem osteuropäischen Charakter kommunistischer Städte zu befreien und wirklich nach Europa zurückzukehren, zurück zu den traditionellen Wegen Berlins.
Das Berlin vor dem Ersten Weltkrieg war wunderschön. Es war eine organisch gewachsene europäische Stadt mit dichten Straßennetzen und Läden an den Straßenecken. Das war eine menschenzentrierte Stadtidee, die das Leben der Bürger sehr begünstigte.
Niedrige Hofhäuser und unzählige aufragende Kirchtürme bildeten die einzigartige Skyline Berlins – wie schön das war.
Als Hauptstadt Preußens und Hauptstadt Deutschlands hätte Berlin niemals so hässlich werden dürfen wie in der DDR. Letztendlich hat die DDR bei ihrem Stadtmodell nur die Sowjetunion nachgeahmt. Das war eine Zerstörung deutscher Traditionen und auch eine Verletzung der menschenzentrierten Stadtidee.