Frankfurt sucht nach neuen Wegen, um dem wachsenden Wohnraummangel in der Stadt zu begegnen. Innovative Nutzungsmix-Projekte verbinden Wohnen mit Bildung, Handel oder Kultur und möchten den städtischen Raum effizienter und lebendiger machen.
Wohnen + Schule
Wohnen + Supermarkt
Wohnen + Feuerwache
Wohnen + Kunst
Wohnen + Tourismus
© Titelbild: depositphotos, ingus.kruklitis.gmail.com
Frankfurt steht vor einer der größten Herausforderungen deutscher Großstädte: Der Wohnraummangel nimmt weiter zu, während die Nachfrage nach zentral gelegenen Wohnungen kontinuierlich steigt. Um diesem Engpass zu begegnen, ergreift die Stadt verschiedene Maßnahmen. Neben Neubauten und Nachverdichtungen entstehen auch innovative Wohnkonzepte. Besonders im Trend liegen aktuell Nutzungsmix-Projekte, bei denen Wohnen mit anderen Lebensbereichen kombiniert wird.
Solche Projekte boomen, weil viele Gebäude in klassischen Nutzungen oft nur stundenweise genutzt werden. Durch die Kombination von Wohnen mit Schule, Handel, Kultur oder Dienstleistungen lassen sich Flächen effizient auslasten und Quartiere über den gesamten Tagesverlauf beleben. Fünf spannende Projekte zeigen, wie Frankfurt derzeit unterschiedliche Nutzungsmixe erprobt.
Wohnen und lernen: Die erste Hybridschule Deutschlands entsteht in Bockenheim

Frankfurt-Bockenheim bekommt ein neues städtebauliches Modell: Über der ersten hessischen Hybridschule entstehen 134 Mietwohnungen, die von Land Hessen und Stadt Frankfurt mit insgesamt 22,9 Millionen Euro gefördert werden. / © Visualisierung: moka Studio / NHW
Im Frankfurter Stadtteil Bockenheim entsteht die erste Hybridschule Deutschlands. Im Schönhof-Viertel kombiniert das Gebäude Bildung und Wohnen unter einem Dach. Im Erdgeschoss wird eine Grundschule für bis zu 500 Kinder eingerichtet, darüber entstehen 134 Mietwohnungen, davon 123 öffentlich gefördert.
Die neuen Wohnungen bieten 1,5 bis 5 Zimmer und private Freibereiche. Technisch und funktional ist das Gebäude so gestaltet, dass Schule und Wohnen parallel betrieben werden können. Der Grundstein wurde im April 2025 gelegt, die Fertigstellung und der Bezug sind für Mitte 2027 geplant. Das Projekt gilt als Pilot für innerstädtische Nutzungsmix-Lösungen.
Über dem Supermarkt: ALDI realisiert 83 Wohneinheiten in Sachsenhausen

Die ALDI SÜD Projektentwicklungs GmbH realisiert aktuell auf einem Grundstück an der Oskar-Sommer-Straße in Frankfurt-Sachsenhausen ein gemischt genutztes Gebäude mit einer neuen ALDI-Filiale im Erdgeschoss und Wohnungen darüber. Die Bauarbeiten schreiten sichtbar voran. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
In Frankfurt-Sachsenhausen wird ein ehemaliges Bürogebäude zu einem Nutzungsmix aus Wohnen und Handel umgebaut. Auf der Oskar-Sommer-Straße 15–17 entsteht ein Gebäude mit einer neuen ALDI-Filiale im Erdgeschoss und 83 Wohnungen darüber. Die Wohnungen bieten 45 bis 130 Quadratmeter und richten sich an Singles, Paare und Familien.
Der Gebäudekomplex besteht aus vier diagonal gestaffelten Baukörpern, das bestehende sechsgeschossige Ensemble wurde um ein Staffelgeschoss in Holzbauweise ergänzt. Die Fassadenarbeiten laufen aktuell, mit der Fertigstellung ist voraussichtlich im August 2026 zu rechnen. Dieses Nutzungsmix-Projekt zeigt, wie Wohnraum mit Handelsflächen kombiniert werden kann, um Quartiere über den gesamten Tagesverlauf zu beleben.
Wohnungen über der Feuerwache sollen bis Herbst 2026 fertiggestellt werden

Die Bauarbeiten sind in vollem Gange: Bis Ende 2026 soll hier eine neue Feuer- und Rettungswache mit 14 Wohneinheiten entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Grundstücksgesellschaft BKRZ GmbH & Co. KG der Branddirektion Frankfurt und die ABG FRANKFURT HOLDING realisieren aktuell in Frankfurt-Bockenheim eine neue Feuer- und Rettungswache inklusive 14 neuer Mietwohnungen. Der Rohbau in der Schwälmer Straße 24–26 ist bereits abgeschlossen, die Fertigstellung ist für Herbst 2026 geplant. Die neue Feuerwache verbessert die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr im dicht besiedelten Innenstadtbereich, während die darüber liegenden Wohnungen dringend benötigten Wohnraum schaffen, teilweise öffentlich gefördert.
Wie städtische Infrastruktur und Wohnen auf engem Raum effizient verbunden werden können, lässt sich an diesem Beispiel gut erkennen. Besonderheiten des Gebäudes sind die stützenfreien Hallen für Fahrzeuge, flexible Wohnungsgrundrisse, technische Maßnahmen wie Hochwasserschutz sowie zudem Lademöglichkeiten für elektrische Einsatzfahrzeuge.
Aus Anne-Frank-Siedlung soll Kreativort für über 100 Bewohnende werden

Ein Ort für Kreatives: In der Frankfurter Anne-Frank-Siedlung soll ein gemeinschaftliches Wohnprojekt für Kunsttreibende entstehen. Bewohnende profitieren in diesem Konzept von vergünstigten Wohnpreisen und bieten im Gegenzug Kursangebote an. / © Foto: Pixabay
Die Initiative Kunst@Kult plant derzeit ein intergeneratives Haus der Künste in der Anne-Frank-Siedlung in Frankfurt. Hier sollen Wohnen und kreatives Schaffen miteinander verbunden werden und Menschen aller Altersgruppen, Kulturen und sozialen Schichten zusammenbringen. Studierende sowie Künstlerinnen und Künstler können vergünstigt wohnen und im Gegenzug Kursangebote und kreative Projekte anbieten.
Ziel sind über 100 Bewohnerinnen und Bewohner, die direkt vor Ort an kulturellen und musischen Aktivitäten teilnehmen und sich dadurch vernetzen können. Das Projekt befindet sich aktuell in der Planungs- und Entwicklungsphase. Kunst@Kult zeigt, wie Wohnen mit künstlerischer Nutzung kombiniert werden kann, um Austausch, Bildung und Gemeinschaft in einem Quartier zu fördern.
One Forty West bietet 430 Hotelzimmer und 187 Wohneinheiten im Westend

Wohnen und Hotelbetrieb in einem Gebäude? Das One Forty West bietet auf 40 Etagen einen bunten Nutzungsmix. / © Fotos: Wikimedia Commons, Silesia711, CC BY-SA 4.0
Im Frankfurter Westend entstand 2020 mit „One Forty West“ ein Hochhaus, das Wohnen und Hotelbetrieb in einem Gebäude vereint. Im unteren Teil befinden sich rund 430 Hotelzimmer eines 4‑Sterne‑Hotels inklusive Lobby, Gastronomie und Konferenzräumen. Ab dem 24. Obergeschoss wurden 187 hochwertige Wohnungen mit Flächen zwischen 50 und über 130 Quadratmetern realisiert, viele mit Blick auf die Frankfurter Skyline. Diverse Ergänzungen wie Concierge-Service, Skybar und Weinkeller sollen das Wohnkonzept bereichern.
Wohnflächen-Wandel in Frankfurt: Sind „Wohnen Plus“-Projekte die Zukunft in Städten?
Die vorgestellten Projekte zeigen, wie vielseitig neue Lösungen für innerstädtischen Wohnraum sein können. Frankfurt zählt derzeit zu den deutschen Städten, die alternativen Wohnkonzepten offen gegenüberstehen. Neben den Nutzungsmix-Projekten gibt es zudem zahlreiche Projekte in den Bereichen gefördertes Wohnen, neue Wohnraumerweiterungen, innerstädtische Nachverdichtung sowie gemeinschaftliches Wohnen. Diese Vielfalt verdeutlicht, dass Städte kreativ auf wachsenden Bedarf reagieren und außerdem gleichzeitig Lebensqualität, soziale Durchmischung und Nahversorgung berücksichtigen können.
Ob solche Projekte langfristig gesellschaftlich und sozial tragfähig sind und zudem in der Breite Fuß fassen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Offen bleibt zudem, inwieweit einzelne Vorzeigeprojekte den dringend benötigten Wohnraum decken können oder ob politisch und sozial größere, koordinierte Maßnahmen notwendig sind.
Quellen: NHW, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt Live, FFH, Schönhof-Viertel, ALDI Süd, AS+P, Frankfurter Neue Presse, Frankfurter Rundschau, ABG FRANKFURT HOLDING GmbH, Branddirektion Frankfurt am Main, Lengfeld & Wilisch Architekten, Gemeinschaftliches Wohnen Frankfurt, One Forty West, frankfurt.de, Wikipedia
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.



