Im Frankfurter Allerheiligenviertel entsteht mit dem Bauprojekt „Main Yard“ ein völlig neues Stadtquartier. Das Projekt verspricht eine deutliche Aufwertung des bislang problembehafteten Viertels, allerdings mit nur geringem Anteil an gefördertem Wohnraum.
Foto der Baustelle des projekts "Main Yard". (Quelle: ENTWICKLUNGSSTADT)

Das Projekt „Main Yard“ soll das berühmt-berüchtigte Allerheiligenviertel in Frankfurt aufwerten. Aktuell stehen hier letzte Ausbau- und Fassadenarbeiten an. Die Fertigstellung soll noch dieses Jahr erfolgen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Lange Zeit galt das Allerheiligenviertel, unweit der Konstablerwache, als sozialer Brennpunkt. Leerstand, heruntergekommene Gebäude und eine hohe Dichte an Drogenhandel und Prostitution prägten das Bild. Immer wieder sorgte das Viertel für Schlagzeilen durch Gewaltdelikte und Bandenkriminalität. Im öffentlichen Bewusstsein stand das Areal damit im Schatten des Bahnhofsviertels, das ähnliche Probleme aufweist.

Wer heute durch die schmalen Straßen geht, erkennt noch immer die strukturellen Defizite. Zugleich rückt nun ein Großprojekt in den Mittelpunkt, das den Stadtteil grundlegend verändern könnte. Mit „Main Yard“ verfolgt der Münchner Projektentwickler OrT Group das Ziel, das Viertel städtebaulich neu zu definieren und es als Bindeglied zwischen Innenstadt und Ostend zu etablieren.

Wandel im Allerheiligenviertel: 300 Millionen Euro Investition für ein neues Stadtquartier

Auf einer Fläche von rund 40.000 Quadratmetern entsteht bis Mitte 2025 ein gemischt genutztes Quartier. Vorgesehen sind etwa 280 Mietwohnungen mit einer Gesamtfläche von 13.500 Quadratmetern, ergänzt durch 4.000 Quadratmeter für Gastronomie und Gewerbe. Hinzu kommen ein Hotel der Kette Ruby mit rund 300 Zimmern sowie 150 Serviced Apartments des Anbieters numa. Auch eine zweigeschossige Tiefgarage mit 180 Stellplätzen sowie 400 Fahrradstellplätze sind Teil des Konzepts.

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Zentraler Bestandteil ist zudem eine neue Fußgängerzone, die zwischen Breite Gasse und Allerheiligentor verlaufen wird. Die verkehrsfreie Straße soll „Am Städelshof“ heißen und damit an die historische Bezeichnung des Areals erinnern. Neben Aufenthaltsflächen sind Begrünungen und gärtnerische Elemente vorgesehen, um eine höhere Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Frankfurt Innenstadt: Kaum geförderter Wohnraum im neuen Viertel „Main Yard“

Bei aller Aufwertung fällt ein Aspekt jedoch kritisch ins Auge: Von den 280 Wohnungen sind lediglich 15 öffentlich gefördert. Damit liegt der Anteil weit unter der seit 2014 in Frankfurt gültigen Vorgabe, die für größere Wohnprojekte eine Quote von 30 Prozent vorsieht. Eigentlich hätte das rund 84 geförderte Einheiten bedeutet.

Der Grund für diese Ausnahme liegt im Planungsrecht. Die Grundlage für das Projekt bildet ein Bebauungsplan aus dem Jahr 2006. Da dieser lange vor dem sogenannten Baulandbeschluss von 2020 erarbeitet wurde, konnte die Stadt die heutige Förderquote rechtlich nicht durchsetzen.

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Quartiersprojekt „Main Yard“ nicht sozialverträglich? Stadt Frankfurt räumt Versäumnisse ein

Das zuständige Planungsdezernat bestätigt, dass der geringe Anteil an gefördertem Wohnraum aus heutiger Sicht unglücklich ist. Man habe jedoch keine Handhabe gehabt, da sich das Vorhaben im Rahmen des alten Bebauungsplans bewege. Eine nachträgliche Anpassung sei rechtlich nicht möglich gewesen.

Auch wenn der Investor freiwillig einige preisgebundene Wohnungen realisiert, bleibt die Bilanz ernüchternd. Aus Sicht der Stadt wäre ein höherer Anteil dringend notwendig gewesen, besonders angesichts der angespannten Wohnungssituation in Frankfurt.

Die Zukunft des Allerheiligenviertels: Transformation durch „Main Yard“?

Mit „Main Yard“ erhält das Allerheiligenviertel ein Projekt, das sein Gesicht nachhaltig verändern wird. Noch in diesem Jahr sollen die Bauarbeiten rund um das neue Quartier fertiggestellt werden. Neue Wohnungen, Gastronomie und Hotellerie können den Stadtteil beleben und stärker an die Innenstadt anbinden. Gleichzeitig zeigt das Beispiel, wie altes Planungsrecht den dringend benötigten geförderten Wohnungsbau ausbremst.

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Ob das Projekt die gewünschte Aufwertung des Viertels bringt, hängt am Ende nicht nur von moderner Architektur und Investitionen ab, sondern auch davon, wie sozial ausgewogen das neue Quartier gestaltet sein wird.

Foto der Baustelle rund um das Projekt "Main Yard" in Frankfurt

Bei dem Blick durch die Bauzäune lassen sich erste Eindrücke vom neuen Stadtquartier „Main Yard“ sammeln. Nach der Fertigstellung soll hier ein buntes, belebtes und durchmischtes Viertel entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Projekt "Main Yard" im Frankfurter Allerheiligenviertel

Der Blick auf das Eckhaus in der Allerheiligenstraße zeigt, wie stark Kunst und Kultur in diesem Teil der Stadt verankert sind. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: journal, Main Yard, OrT

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