Berlin bleibt Deutschlands bedeutendster Startup-Standort. Der neue Bericht zum Ökosystem der Hauptstadt beziffert dessen Gesamtwert auf 169 Milliarden Euro, und sieht vor allem in Künstlicher Intelligenz und Climate Tech weiteres Wachstumspotenzial.

Die ehemalige Agfa-Fabrik in Alt-Treptow: in den sanierten Backsteinbauten des frühen 20. Jahrhunderts sind heute Büros, Forschungseinrichtungen und Startups untergebracht, die an Zukunftstechnologien und Künstlicher Intelligenz arbeiten. / © Foto: Wikimedia Commons, Prozaco, CC BY-SA 3.0
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Berlin ist und bleibt das Zentrum der deutschen Startup-Szene. Das geht aus dem aktuellen „Berlin Startup Ecosystem Report 2025“ hervor, den Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey beim „Roundtable Startups“ vorgestellt hat. Demnach vereint die Hauptstadt 43 Prozent des gesamten Werts des deutschen Startup-Ökosystems auf sich, mit einem Gesamtvolumen von 169 Milliarden Euro.
Erarbeitet wurde der Bericht von Dealroom im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Er knüpft an die Berliner Startup-Map und den bisherigen „Berlin Tech Ecosystem Report“ an und fasst die Entwicklung der vergangenen Jahre zusammen. Das Bild ist eindeutig: Berlin bleibt die bundesweite Referenzgröße für technologiegetriebene Gründungen.
Hohe Dichte an Kapital und Know-how: Über 1.600 VC-finanzierte Startups in Berlin
Mehr als 1.600 venture-finanzierte Startups sind inzwischen in der Stadt aktiv. Darunter befinden sich 57 sogenannte Unicorns sowie zahlreiche „Thoroughbreds“, also Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro. Die Branche gilt damit nicht nur als Innovationstreiber, sondern auch als relevanter Beschäftigungsfaktor.
Auffällig ist die Gründungsdynamik: Rein rechnerisch entsteht in Berlin alle 14 Stunden ein neues Startup, erklärt Senatorin Franziska Giffey. Diese Kontinuität verweist auf stabile Rahmenbedingungen, von internationaler Talentanziehung bis zu einem dichten Netzwerk aus Investoren, etablierten Unternehmen und Forschungsinstitutionen.
Künstliche Intelligenz und Climate Tech als Wachstumskerne
Besonders stark positioniert sich Berlin im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Mit mehr als 9.000 Expertinnen und Experten zählt die Stadt laut Bericht zu den drei führenden Standorten für sogenannte Frontier-AI-Forschung in Europa – hinter London und Paris. Initiativen wie der Berlin AI Hub unterstreichen die strategische Bedeutung dieses Feldes.
Auch im Bereich Climate Tech hat sich die Hauptstadt profiliert. Über 340 Startups sind hier aktiv, seit 2024 flossen mehr als 800 Millionen Euro Wagniskapital in entsprechende Geschäftsmodelle. Themen wie Energie, Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung entwickeln sich zu tragenden Säulen des Berliner Innovationsportfolios.
Berlin Tech Echo System Report 2025: Potenziale bestehen noch im DeepTech-Transfer
Trotz der positiven Kennzahlen benennt der Bericht Handlungsfelder. Demnach besteht unter anderem im DeepTech-Bereich weiteres Potenzial. Ziel sei es, die Schnittstellen zwischen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Gründenden und Kapitalgebern zu stärken. Forschungsergebnisse sollen schneller in marktfähige Produkte überführt werden.
Der „Roundtable Startups“, an dem unter anderem der Startup-Verband, Bitkom, die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg und die IHK Berlin beteiligt sind, dient dabei als zentrales Austauschforum. Die Zahlen des Reports liefern nun eine belastbare Grundlage für die weitere strategische Ausrichtung – mit dem Anspruch, Berlins Position im europäischen Wettbewerb langfristig zu sichern.
Quellen: Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, The Berlin tech ecosystem 2025 in review
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2 Kommentare
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Naja, es kommt weniger darauf na, dass alle 14 Stunden ein Start-Up gegründet wird. Wichtig ist, welchen Inhalts das Start-Up ist … und wie viele der Start-Ups nach drei, fünf oder gar zehn Jahren noch am Markt ist. Und da sieht es dann eher mau aus!
Das ist im Geschäfts- und Wirtschaftsförderungsmodell „Risikokapital“ bereits mit eingepreist, dass von 10 Startups am Ende vielleicht nur 4-5 mehr als 10 Jahre überleben und davon dann auch nur 2-3 wirklich mal mittelständische Unternehmen werden… von Unternehmen mit >100 Millionen € Umsatz ganz zu schweigen. Trotzdem ist es ein Erfolgsmodell, in Berlin wurden in den letzten 15 Jahren deutlich über 40 Milliarden € Risikokapital investiert, das Geld kam von Risikokapital-Fonds aus aller Welt. Dass dabei die ein oder andere Milliarde verbranntes Geld ist, gehört wie gesagt dazu. Das ist im Silicon Valley nicht anders, auch nicht in London, Paris, Boston, Stockholm, New York, Singapur, Rio, Sydney oder München.
Und dass Berlin vor Kurzem die magische Marke von 200 Milliarden € beim BIP gerissen hat, ist nun mal ganz grundlegend auf die Digitalbranche und dessen Wachstum seit Mitte der 2000er zurückzuführen. Nicht alle wirtschaftlich erfolgreichen, aber sehr viele Unternehmen basieren ihr Gründungsfundament auf dieser Entwicklung. Und was Stuttgart, München, Hannover oder Hamburg an ihrem „industriellen Mittelstand“ haben, das hat Berlin heute an seinem „digitalen Mittelstand“. Es gibt unzählige Softwareunternehmen in Berlin zwischen 5-100 Mitarbeitern und Umsätzen im Bereich zwischen 1 Mio. € und 100 Mio. €. Viele von denen machen Gewinn in winzigen Softwarenischen, von denen der Ottonormalverbraucher nie was mitbekommt. Nicht unbedingt auf dem Level der exportorientierten, global denkenden Hidden Champions in Süd- und Westdeutschland, aber mit stabiler Entwicklung und kleinen Millionengewinnen im einstelligen Bereich, selten auch zweistellig. Das pusht die Berliner Wirtschaft seit Jahren enorm, übrigens auch durch die aktuelle Rezession